Gülen-Vertreterin: „Putsch ist nie ein Weg zur Demokratie“

Yasemin Aydin ist Obfrau des Wiener Vereins „Friede - Institut für Dialog“ und Anhängerin der „Hizmet“-Bewegung des Predigers Fethullah Gülen.

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Fethullah Gülen, ehemaliger Mitstreiter und nun Gegner des türkischen Präsidenten Erdogan, lebt in den USA.
© APA/AFP/THOMAS URBAIN

Wien - Dem Prediger Fethullah Gülen, dessen Anhänger derzeit in der Türkei von den Behörden massiv verfolgt werden, zu unterstellen, dass er den Putschversuch des vorigen Wochenendes initiiert hätte, sei „absurd“, meinte eine hochrangige Mitstreiterin der Bewegung in Wien. Denn Gülen mache seit 20 Jahren klar, dass der einzige Weg für die Türkei die Demokratie sei und Militär nie Demokratie bringe.

Hizmet-Bewegung ist seit Jahrzehnten aktiv

Yasemin Aydin ist Obfrau des Wiener Vereins „Friede - Institut für Dialog“. Dieser macht interkulturelle Projekte in Österreich und ist Teil der Gemeinschaft der Gülen-Anhänger, die sich als „Hizmet“ (Dienst)-Bewegung bezeichnen. Hizmet sei „keine religiöse Bewegung, sondern eine religiös inspirierte Bildungsbewegung“, so Aydin im Gespräch mit der APA. Gülen habe schon in den 1970er Jahren gesagt: „Baut keine Moscheen, sondern Schulen“. Er habe damals auch Familien motiviert, ihre Töchter in die Schule zu schicken.

In Österreich hätten sich Ende der 1990er Jahre türkischstämmige Menschen vermehrt mit Gülen-Ideen auseinandergesetzt - vor allem Akademiker, oder Studenten, die für ihren Abschluss nach Österreich gekommen waren. Aydin, in Deutschland aufgewachsen und deutsche Staatsbürgerin, ist erst seit 2010 in Wien tätig. Für sie war Gülen „der erste muslimische Gelehrte, von dem sie hörte: ‚Freiheit ist die Grundbasis und essenziell für die Würde des Menschen‘“.

Für Aydin ist klar, womit der Bruch zwischen Gülen und dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammenhängt. Als im Dezember 2013 Korruptionsvorwürfe gegen seinen Sohn laut wurden und Tonbandaufnahmen an die Öffentlichkeit kamen, die den Anschein erwecken, dass Erdogan selber mit seinem Sohn über solche Themen telefoniert hätte, „gab es bei Erdogan einen Kurzschluss – und der hört nicht auf“.

„Heute traut man sich nicht mehr, seine Meinung laut auszusprechen“

„Er war ja der Reformer, der so großen Demokratisierungsfortschritt in der Türkei geschafft hat - und macht das jetzt wieder rückgängig“ würdigt Aydin Erdogan. „Heute traut man sich nicht mehr, auf der Straße seine Meinung laut auszusprechen“.

„Wahrscheinlich bekomme ich ein Einreiseverbot“, ist sie realistisch. Derzeit würden in der Türkei „die, die nicht nach seiner Pfeife getanzt haben und im staatlichen Dienst sind, abgesetzt“.

ie „Hexenjagd“ (Aydin) gegen Gülen-Anhänger bleibt aber auch in Österreich nicht ohne Folgen. Auf die von Gülen-Ideen inspirierte Schule „Phönix“ in Wien und auf ein Nachhilfeinstitut in Linz habe es „Angriffe“ gegeben. Der Obmann des Trägervereins, Osman Inan, habe auch bereits Anzeige erstattet - nachdem die Fenster der Schule eingeschlagen worden seien und es zuvor auf Facebook zu Drohungen gekommen sei. (APA)


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