„Pferde sind in einem guten Zustand“
Die Temperaturen steigen und damit auch die Sorge um die Fiakerpferde. Selbst eine Waschanlage wird diskutiert.
Von Alexandra Plank
Innsbruck –Pünktlich mit dem Sommer beginnt auch die Diskussion über die Hitzebeständigkeit der Fiakerpferde in Tirols Landeshauptstadt. Es ist aber mehr als nur ein Sommerloch-Thema.
Inge Welzig, Tirols Institution in Sachen Tierschutz und Tierexpertin der Tiroler Tageszeitung, weiß, dass den Menschen das Wohl der Pferde ein großes Anliegen ist. Sie hält fest, dass sich auch dank des Engagements der Tierschützer in den vergangenen Jahren bei den Fiakern viel zum Besseren gewandelt habe. Die Fiaker würden zudem unter Dauerbeobachtung der Passanten stehen. Unlängst, als Stadtrat Franz X. Gruber ankündigte, dass eine Waschanlage für Fahrräder an der Hungerburgbahn geplant sei, kochte die Diskussion in den sozialen Netzwerken wieder hoch. Sinnvoller wäre es, eine Pferde-Waschanlage zu bauen, meinte ein Facebook-Nutzer und heimste dafür viel Zustimmung ein.
Rossschwemmen hat es historisch betrachtet, tatsächlich gegeben. In Salzburg gibt es heute zwei überlebende Pferdeschwemmen, die Kapitelschwemme und „die“ Pferdeschwemme beim Festspielhaus. Diese Pferdeschwemme ist nicht zufällig neben dem Festspielhaus: Das Gebäude beherbergte ursprünglich die Hofstallungen des Fürst-Erzbischofs und die Pferdeschwemme erfüllte den Zweck, Pferde zu tränken und zu waschen.
Für den ressortzuständigen Stadtrat Franz X. Gruber ist die Idee einer Pferde-Waschanlage weder praktikabel noch sinnvoll: „Es wäre nicht artgerecht Pferde zu baden, denn diese haben naturgemäß den Instinkt, wenn sie nass sind, ein Staubbad nehmen zu wollen“, erläutert Gruber. Für ein Stadtpferd ist diese Möglichkeit natürlich nicht gegeben. Die Kutscher seien aber sehr um ihre Tiere besorgt und würden die Beine der Pferde bei hohen Temperaturen mit Wasser abspritzen. Wasser und Schatten sind das Um und Auf bei den Bemühungen um gesunde Fiakerpferde.
Die Innsbrucker Amtstierärztin Martina Reitmayr stellt den Fiakern in Innsbruck ein gutes Zeugnis aus. „Der Standplatz in der Allee ist perfekt ausgelegt. Die Kutscher haben auch jederzeit Zugang zu ausreichend Wasser für die Pferde.“ Beinahe täglich kommt die Expertin am Standplatz vorbei und beobachtet immer wieder, dass ein Tier schildert. Das sei ein untrügliches Zeichen dafür, dass es dem Pferd gutgehe. Mit dem Ausdruck „Schildern“ wird die Entspannungshaltung der Pferde beim leichten Schlaf im Stehen beschrieben. Das Pferd hat beim Schildern ein Hinterbein abgewinkelt und auf die Hufspitze gestellt. Wichtiger als die Tiere zu waschen, sei sie mit ausreichend Wasser zu versorgen, sagt Reitmayr. Es ist beachtlich, was so ein Pferd je nach Köpergröße trinkt. „30 bis 50 Liter Wasser pro Tag sind nötig, die Pferdetränke sorgt nun dafür, dass die Tiere optimale Bedingungen vorfinden.“ Eine Vielzahl weiterer Auflagen (siehe Kasten) soll verhindern, dass Pferde überhitzen.
Gruber verweist darauf, dass Innsbruck österreichweit in Sachen Fiakerpferde die strengsten Auflagen habe. „Den Pferden muss ausreichend Schutz vor Wwttereinflüssen gegeben werden, speziell im Sommer müssen die Schattenplätze entlang der Europaratsallee genützt werden“, stellt Gruber klar.
Trotz strenger Regelungen kann die Amtstierärztin aber nicht ausschließen, dass es doch bei einem Pferd zu Überhitzung kommen könnte. „Wenn einem bei einem Pferd etwas komisch vorkommt, soll man nicht zögern, uns zu kontaktieren“, sagt sie. Grundsätzlich würden aber die Kutscher ihre Tiere am besten kennen und die richtigen Maßnahmen setzen.
Welzig hat einen Trost für alle Tierfreunde, die sich nicht vorstellen können, dass Fiakerpferde bei großer Hitze nicht unter dem Gewicht der Kutsche samt Insassen leiden: „Es ist etwas völlig anderes, ob etwas angehoben oder gezogen werden muss.“ Sie verweist dabei auf die Sendung „Wetten, dass..?“ in der Pferde eine Lokomotive zogen, die lediglich mit einer Briefmarke am Zaumzeug befestigt war. Sie sei kein Fan von Fiakern, diese würden aber meist ausgediente Reitpferde einsetzen, die sonst getötet würden.
Die Befragung eines Fiakerpferdes würde laut Welzig wohl ergeben, dass dem Tier sein Job, sofern alle Auflagen erfüllt werden, recht gut gefalle.
Eine Vielzahl von Auflagen soll die Pferde schützen
Hitzefrei ab 35 Grad: Analog zu den Arbeitern am Bau dürfen die Wiener Fiakerpferde bei am Stephansplatz gemessenen 35 Grad nicht mehr arbeiten. Im Vorjahr war das in der Wiener Innenstadt an 18 Tagen der Fall. Der Stellplatz Innsbruck liegt im Schatten.
Innsbruck: Hier gibt es derzeit fünf Fiakerunternehmer, insgesamt sind 22 Kutschen im Stadtgebiet im Einsatz.
Auflagen: Neben der Nutzung des Schattens und der ausreichenden Versorgung mit Wasser verpflichtet sich das Fiakerunternehmen, nur offensichtlich gesunde Tiere einzusetzen. Einmal pro Jahr muss eine tierärztliche Bestätigung über die Tauglichkeit der Tiere beigebracht werden.
Ruhepausen: Fiakerpferde, die regelmäßig mehr als sechs Stunden pro Tag im Einsatz sind, müssen an mindestens zwei nicht aufeinanderfolgenden Tagen Ruhetage mit freiem Auslauf haben.
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