Krakau, Auschwitz und Schwarze Madonna - Papst Franziskus in Polen

Krakau (Krakow)/Rom/Vatikanstadt (APA/dpa) - Wenn Papst Franziskus zum Weltjugendtag nach Polen reist, dann ist das auch eine Reise in die S...

Krakau (Krakow)/Rom/Vatikanstadt (APA/dpa) - Wenn Papst Franziskus zum Weltjugendtag nach Polen reist, dann ist das auch eine Reise in die Stadt seines Vorvorgängers. Kann Franziskus aus dem Schatten von Johannes Paul II. treten? Und wird er an einem Ort wie Auschwitz den Erwartungen gerecht?

Auch wenn die Erinnerung an Johannes Paul II. elf Jahre nach dessen Tod unter den jungen Katholiken allmählich wie eine Kindheitserinnerung verblasst, dürfte der große Pole beim Weltjugendtag mit Papst Franziskus allgegenwärtig sein.

Krakau (Krakow) war Karol Wojtylas Bischofsstadt, als Papst sprach er vom Fenster seines alten Arbeitszimmers zu den versammelten Jugendlichen - jedes Mal, wenn er auf seinen Pilgerreisen nach Krakau zurückkehrte. Auch auf Franziskus werden hier die Massen Ende Juli warten, wenn der Argentinier die Tradition der „Gespräche unter dem Fenster“ fortführt so wie vor ihm schon Benedikt XVI.

Welche eigenen Akzente wird Franziskus setzen, der zum ersten Mal nach Polen reist? Die mit funkelndem Silber ausgekleidete Privatkapelle im Bischofspalast jedenfalls dürfte dem auf eine bescheidene Kirche drängenden Pontifex wenig gefallen. Der Weltjugendtag könnte eine Chance auf eine Erfahrung mit Weltkirche in ihrer ganzen Vielfalt sein in einem der „katholischten“ Länder, das nur sehr kleine ethnische oder religiöse Minderheiten hat.

Es war Johannes Paul II. (1920-2005), der die Tradition der Weltjugendtage begründete und die jungen Katholiken der Welt 1991 zum sechsten Weltjugendtag in den polnischen Wallfahrtsort Tschenstochau (Czestochowa) einlud. Tschenstochau, wo im Paulinerkloster auf dem Hellen Berg (Jasna Gora) die Ikone der Schwarzen Madonna als Nationalheilige Polens verehrt wird, wird auch Franziskus besuchen, noch ehe er die Weltjugendtags-Teilnehmer trifft.

Es ist gewissermaßen der „rein polnische“ Teil seiner Reise. Anlass ist die Christianisierung des Landes vor 1.050 Jahren. Das etwas krumme Jubiläum hat seinen Grund - aber die eigentlichen Millenniumsfeiern vor 50 Jahren fielen recht bescheiden aus. Polen wurde damals noch von den Kommunisten regiert. Die Nationalkonservativen, die heute in Polen regieren, suchen dagegen Kirchen-Nähe.

Präsident Andrzej Duda, der als „jüngstes Staatsoberhaupt Europas“ nach Angaben seines Sprechers auch am Weltjugendtag teilnehmen will, pilgerte gleich nach seinem Wahlsieg im Mai 2015 zur Schwarzen Madonna. Regierungschefin Beata Szydlo und der nationalkonservative Parteichef Jaroslaw Kaczynski betonen gerne die katholische Tradition ihres Landes.

Die überwiegend konservativ geprägten polnischen Bischöfe finden seit dem Regierungswechsel ihre Denkweise in der Regierungspolitik wieder - etwa bei der Ablehnung von Sexualkunde an den Schulen, Widerstand gegen ein Partnerschaftsgesetz für Homosexuelle oder der gegenwärtigen Debatte über eine Verschärfung des Abtreibungsrechtes.

Nur wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht, prallen Kirchen-Appelle um Gastrecht für Verfolgte und Erinnerungen an das Gebot christlicher Nächstenliebe an den Regierenden in Warschau ab. Polen ist mittlerweile tief gespalten über den politischen Streit. Für viele liberale Polen ist die Kirche wegen ihres Kurses nicht mehr moralische Autorität wie vor Jahren, sondern ein Grund zur Verzweiflung. In Großstädten geht die Zahl der Kirchgänger zurück.

Neben dem Weltjugendtag, der Anlass zur Freude sein soll, steht Franziskus ein schwieriger Gang bevor. Wie der deutsche Papst Benedikt wird auch er das ehemalige Nazi-Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besuchen. Auch Johannes Paul war hier, der Papst aus einem Volk, das unter den Nationalsozialisten besonders litt. Drei Millionen polnischer Juden und drei Millionen katholischer Polen wurden während des Zweiten Weltkriegs ermordet. Benedikt XVI., der Papst aus dem Volk der Täter, stellte hier im Jahr 2006 die Frage nach dem Schweigen Gottes angesichts des Holocausts.

Und Franziskus, der Papst aus Südamerika? Er will schweigen. Es wird ein „Schweigen des Schmerzes“ sein, so nennt es Vatikan-Sprecher Federico Lombardi. Der Argentinier will zudem Überlebende treffen und in der Zelle des ermordeten Franziskaners Maximilian Kolbe in aller Stille beten.

Ist das genug an einem Ort wie Auschwitz, angesichts der seit langem gestellten Fragen über das Schweigen des Vatikans während des Zweiten Weltkriegs? Michael Schudrich, der Oberrabiner Polens, äußert sich diplomatisch. „Ich habe das Gefühl, er wird später etwas (zu seinem Besuch in Auschwitz) sagen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Papst Franziskus ist ein spiritueller Mann. Ich glaube, wir werden noch von ihm hören.“