Tourentipp

Am Gewässer des gnädigen Guffert

In Steinberg sieht man zum ersten Mal den Guffert in seiner vollen Pracht.
© Christler

Schwimmen gehen oder Rad fahren? Diese Frage stellt man sich am heißesten Tag der Woche. Doch sie lässt sich bei einer Tour rund um den Guffert zur Brandenberger Ache einfach beantworten: am besten beides.

Von Matthias Christler

Brandenberg –Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Als pflichtbewusster Mountainbiker ist dieses Motto in einem verankert wie die Glieder der Radkette ineinander, da gibt’s nichts dran zu rütteln. Und doch bringt uns jede Brise, die von der Brandenberger Ache zum Parkplatz herüberweht, ins Wanken. Sollen wir zwei Radler an diesem Mittwochnachmittag wirklich die 40 Kilometer Rundtour vom Kaiserhaus im Brandenberger Tal Richtung Steinberg rund um den Guffert in Angriff nehmen? Es hat über 30 Grad Celsius. Es warten über 1000 Höhenmeter – und erst am Ende ein Sprung in eine der Dutzenden grün schimmernden Gumpen.

Am Weg laden viele kleine Bäche und Wasserfälle zur Erfrischung ein.
© chris

Der Versuchung wird widerstanden. Mehr noch. Es hätte bei der Tour die Möglichkeit gegeben, über den Achensee anzufahren und beim Parkplatz Köglboden zu starten. Der Vorteil dieser Variante wäre: Man ist schneller auf der Gufferthütte und bei der Brandenberger Ache. Der Nachteil: Man hat nach der Brandenberger Ache noch eine ordentliche Auffahrt und eine garantiert gemeine Gegenwind-Strecke auf der Landesstraße zurück zum Parkplatz vor sich.

Wir haben uns an diesem Tag für die Variante mit doppelter Arbeit, also zuerst die zwei Anstiege, dann langes Vergnügen entschieden. Nach dem Parken in der Nähe des Kaiserhauses führt die Straße entlang der Brandenberger Ache nach Pinegg, wo wir nach einem ersten kurzen Stich scharf rechts abbiegen und am Schild „Steinberg“ vorbei im Wald weiter bergauf treten. Weit unterhalb des Forstweges plätschert die Steinberger Ache. Doch der 2194 Meter hohe Guffert ist ein gnädiger Berg. Seine Flanken spenden viel Schatten. Und vor allem schickt er von allen Seiten immer wieder kleine Bäche zu Tale, mit denen sich die wenigen Radfahrer, die an diesem Tag an ihm entlangradeln, abkühlen können.

Die schattige Auffahrt im Wald zieht sich. Nach dem Ortsschild Steinberg werden wir von zwei Bikern, die sich davor länger am Wasserfall erfrischt haben, wieder überholt. „Jetzt könnt’s langsam runtergehen“, stöhnt einer von ihnen im bayerischen Dialekt. Wie auf Befehl verlieren wir ein paar Höhenmeter nach Steinberg hinunter. Obwohl der Fahrtwind die Schweißperlen vertreibt, ist Stehenbleiben Pflicht. Beim Blick nach links in den Süden türmt sich der Rofan auf, beim Blick nach rechts in den Norden präsentiert sich zum ersten Mal der Guffert in voller Pracht. Erreicht man nach der kurzen Pause die Landesstraße, biegt man rechts ab und strampelt ca. 5 Kilometer – der Gegenwind ist stärker als gedacht – zum großen Parkplatz Köglboden weiter. Er liegt direkt an der Landesstraße und kann nicht verfehlt werden.

Abschnitt zwei beginnt. Der Filzmossbach ist bis vor dem letzten Anstieg zur Gufferthütte stets nahe genug am Weg, um die Hitze abzuschwächen. Auf einem ebenen Zwischenspurt nach den steileren Passagen fragt die Begleiterin plötzlich: „Kann es nicht immer so sein?“ Meint sie jetzt nur das flache Stück oder die ganze Tour an einem herrlichen Sommertag?

Unterhalb der Gufferthütte schauen sich Pferde die radelnden Gäste ganz genau an.
© Lechner

Ein letzter Stich und als Belohnung tut sich ein Plateau auf, über das sich der Forstweg schlängelt. Jetzt zur Rechten der Guffert, zur Linken die gleichnamige Hütte. Der neue Pächter und Koch der Hütte, Marco Gstrein (33), heißt uns, nachdem er das Menü für die Übernachtungsgäste zubereitet hat, willkommen. Seit Mai ist er hier: „Es sind erst zwei Monate, aber ich hoffe, es werden noch viele Jahre“, sagt der Ötztaler. Seine Schmankerln, Spinatknödel und Schinkennudeln, stehen diesem Wunsch nicht im Weg.

Unsere Arbeit, also die 25 Kilometer und über 1000 Höhenmeter bisher, ist nach dem Essen schon längst vergessen. Und jetzt folgt erst noch der richtige Genuss am Guffert. Unterhalb der Hütte versperren ein paar friedliche Pferde den Weg. An ihnen vorbei geht es dem Schild „Erzherzog Johann Klause“ folgend eine lange Abfahrt hinunter zur idyllischen Kaiserklamm. Vorbei am Kaiserhaus. Zur Brandenberger Ache. Endlich.

Am Ufer wird noch gegrillt. Wir suchen uns ein Plätzchen, eine einsame Gumpe, und lassen den Tag ausklingen. Es wird dunkel. Wie gut, dass wir zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen wählten. Und jetzt fühlt es sich so an, als wäre die ganze Tour nie Arbeit gewesen, sondern reinstes Vergnügen.

Informationen zur heutigen Rad-Tour: Rund um den Guffert

Variante 1, Start Kaiserhaus: Anfahrt über Kramsach, Aschau nach Pinegg und zum Kaiserhaus. Parkplätze gibt es entlang der Brandenberger Ache. Variante 2, Start Köglboden: Anfahrt über Achenkirch, Leiten in Richtung Steinberg, Parkplatz Köglboden auf der linken Seite.

Einkehren: Gufferthütte (1475 m täglich geöffnet), Kaiserhaus (711 m, Dienstag Ruhetag).

Route: Streckenlänge 41 Kilometer, meist breite Forstwege, ca. 1100 Höhenmeter bergauf, Fahrzeit 3,5 h.