Im Hass auf Hillary vereint
Cleveland (Ohio)/Washington (APA/AFP) - „Sie müsste im Gefängnis sitzen!“ - Mit diesem simplen Ausspruch über die voraussichtliche demokrati...
Cleveland (Ohio)/Washington (APA/AFP) - „Sie müsste im Gefängnis sitzen!“ - Mit diesem simplen Ausspruch über die voraussichtliche demokratische US-Präsidentschaftskandidatin und frühere First Lady Hillary Clinton hat der einstige New Yorker Bürgermeister Rudolph Giuliani beim Parteitag der Republikaner den Ton vorgegeben. Die 68-jährige Demokratin wird von vielen Republikanern hemmungslos in den Schmutz gezogen.
Ihr Kandidat Donald Trump hat sie als „Weltklasse-Lügnerin“ gebrandmarkt. Der Gouverneur Chris Christie fragt die Delegierten wieder und wieder: „Ist sie schuldig oder unschuldig?“ Im Hass auf Hillary vereint, tönt es zurück: „Schuldig!“
Mehr als zwei Drittel der Redner konzentrieren sich darauf, mit der Bewerberin der Gegner ins Gericht zu gehen. Nur ganz wenige, etwa seine Kinder Eric und Tiffany, sprechen über die Vorzüge des Kandidaten Trump. Das hat zumindest zwei Gründe, die auf der Hand liegen: Zum einen hat der 70-jährige Milliardär noch nie ein Wahlamt innegehabt und daher keine politische „Bilanz“, über die zu sprechen es lohnte. Zum anderen geben die Umfragen in der Frage der Beliebtheit der Bewerber eine ernüchternde Auskunft - Clinton hat einen Unbeliebtheitswert von 56 Prozent und wird von Trump mit gut 59 Prozent darin noch übertroffen.
So arbeiten sich die republikanischen Delegierten mit Inbrunst an der „Lügnerin“ Hillary ab. Immer wieder wird ihr der Anschlag von Benghazi in Libyen aus dem Jahr 2012 angekreidet, bei dem vier US-Bürger getötet wurden. Giuliani kreidet ihr eine „Verletzung der Amtspflicht“ an, der General im Ruhestand Michael Flynn behauptet, „hätte ich ein Zehntel von dem getan, was sie getan hat, säße ich im Gefängnis“.
Clinton wird auch zur Last gelegt, in ihrer Amtszeit als Außenministerin (2009-13) ein privates E-Mail-Konto und private Server für ihren dienstlichen Mail-Verkehr genutzt zu haben. Und dann sind da noch die sexuellen Eskapaden ihres Ehemannes, des damaligen Präsidenten Bill Clinton. Hier hatte Trump selbst früh den Ton angegeben, indem er im Mai sagte, „einige dieser Frauen“ seien „nicht durch ihn zerstört“ worden, „sondern durch die Art, wie Hillary Clinton sie behandelte“. Nun legte die republikanische Politikerin Sharon Day nach und sagte, Hillary Clinton komme nach dem „sexuellen Missbrauch“ und ihren „bösartigen Attacken“ auf die betroffenen Frauen als erste Frau im Präsidentenamt nicht infrage - „jetzt nicht, nein, niemals“.
Angesichts der lauten „Sperrt sie ein!“-Rufe auf dem Republikaner-Parteitag zeigte sich Clintons Wahlkampfteam entsetzt. „Bei geschlossenen Augen hätte man es für einen Hexenprozess halten können“, heißt es in einer Rund-Mail des Teams. „Sie waren knapp davor zu schreien: ‚Verbrennt sie auf dem Scheiterhaufen!‘“
So sehr haben sich die Hasstiraden der Republikaner im Verlauf des Parteitags hochgeschaukelt, dass am Ende nach dem Eingeständnis der eigenen Wahlkampfleiter einer deutlich über das Ziel hinausgeschossen ist. Der Abgeordnete Al Baldasaro aus New Hampshire, ein informeller Berater Trumps, sagte unter Hinweis auf Clintons Rolle während der Vorfälle in Benghazi vor vier Jahren, die Demokratin gehöre „in die Schusslinie“ und sollte „wegen Verrats erschossen werden“.
„Wir sind nicht einverstanden“, rückte Trumps Sprecherin Hope Hicks daraufhin von dem Parteifreund ab. Clintons Kommunikationschefin Jennifer Palmieri warf Trump vor, er habe mit seiner „abscheulichen Rhetorik“ dazu beigetragen, dass „diese Art von Hass“ aus den „Randbereichen der amerikanischen Politik“ in den „Mainstream“ hineingelangt sei. Der Geheimdienst nahm sich der Sache an.
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