Jeremy Corbyn startet Wahlkampf um Labour-Parteivorsitz
Der britischen Labour-Partei steht ein wochenlanger Wahlkampf um den Parteivorsitz bevor. Amtsinhaber Jeremy Corbyn liegt in jüngsten Umfragen deutlich vor seinem Herausforderer Owen Smith. Der Partei droht eine Zerreißprobe.
London – Der Chef der britischen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, hat mit einer Rede in London den Wahlkampf um sein eigenes Amt eröffnet. Corbyn muss sich nach einer Revolte seiner Fraktion im Londoner Parlament erneut dem Votum der Parteibasis stellen. „Diese Partei ist fähig, eine Wahl zu gewinnen und wenn ich der Parteichef bin, werde ich Premierminister sein“, gab sich Corbyn am Donnerstag selbstbewusst.
Als Gegenkandidat tritt der frühere Arbeitsminister im Schattenkabinett Corbyns, Owen Smith, an. Mitbewerberin Angela Eagle hatte am Dienstag ihren Rückzug erklärt.
Bis zum 21. September stimmen die registrierten Wahlberechtigten per Briefwahl darüber ab, wer die Partei in Zukunft führen soll. Mit einem Ergebnis wird am 24. September gerechnet.
Corbyn seit Wochen unter Druck
Corbyn war erst im Spätsommer 2015 mit überwältigender Mehrheit von der Parteibasis zum Parteivorsitzenden gekürt worden. Damals stimmten insgesamt rund 420.000 Parteimitglieder und Labour-Unterstützer ab. Allein in dieser Woche ließen sich nun 180.000 neue Wahlberechtigte registrieren. Beobachter gehen davon aus, dass sich darunter viele Corbyn-Unterstützer befinden.
Corbyn steht seit Wochen unter enormem Druck in seiner eigenen Fraktion. Er gilt vielen Abgeordneten als zu links. Sie befürchten, Corbyn könne Wähler aus der politischen Mitte nicht ausreichend ansprechen, um Labour bei den nächsten Parlamentswahlen 2020 zu einem Sieg zu führen.
Parteichef in Umfragen weit vorn
Nach dem Brexit-Votum eskalierte der Streit. Kritiker warfen Corbyn vor, nicht ausreichend gegen einen Brexit gekämpft zu haben. Ein großer Teil seiner Schattenminister legte das Amt nieder, eine Mehrheit der Abgeordneten entzog Corbyn in einem Misstrauensvotum das Vertrauen.
Corbyn hielt dem Druck bisher stand. Versuche, ihn von vornherein von einer erneuten Wahl um den Parteivorsitz auszuschließen, scheiterten. Jüngsten Umfragen zufolge liegt Corbyn in der Gunst der Parteimitglieder weit vor Owen. Sollte Corbyn die Abstimmung für sich entscheiden, droht der Labour-Partei eine Spaltung. (APA/dpa)
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