Klima-Trendwende: „Es ist machbar“
Die Klimaschutzziele der EU sind hoch gesteckt: Europa soll die Treibhausgase massiv reduzieren, Österreich um 36 Prozent. Doch ist das überhaupt machbar – bei dem steigenden Verkehr? Und wie?
Von Michaela S. Paulmichl
Innsbruck –„Wenn wir so weitermachen wie bisher, geht sich das sicher nicht aus“, stellt Ekkehard Allinger-Csollich, Klimaschutzbeauftragter des Landes, klar. Sorgenkind ist vor allem der Verkehr – der einzige Bereich, bei dem es bisher nicht gelungen sei, eine signifikante Trendwende im CO2-Ausstoß zu erreichen, so der Verkehrs- und Umweltexperte. „Wir verbrauchen insgesamt zwar weniger fossile Energie als früher, doch beim Verkehr, der immer weiter zunimmt, haben wir das nicht geschafft.“
In Tirol wurden zuletzt 7,5 Prozent mehr Transit- Lkw als im Vergleichszeitraum 2015 gezählt – eine massive Zunahme, Tendenz weiter steigend. Erst im Februar hatte die EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet, darin geht es allerdings nicht um CO2, sondern um die Überschreitung der Stickstoffdioxid-Grenzwerte NO2 auch in Tirol. Hauptverursacher sind vor allem die Dieselmotoren. Der Vorschlag, den Verkehr zu reduzieren, empfanden gerade im Transitland Tirol viele als Hohn.
Für Allinger-Csollich steht fest, dass die Reduzierung der Treibhausgase eine europäische Frage sei, die nicht jedes einzelne Land für sich lösen könne. „Tirol allein sind in vielen Fragen die Hände gebunden. Hier sind vor allem die europäische und die nationale Ebene gefordert.“
Wie realistisch ist eine Umsetzung überhaupt? „Es ist machbar“, sagt der Mobilitäts- und Klimaschutzkoordinator des Landes – doch nur unter größten politischen Anstrengungen auf allen Ebenen, von der EU-Kommission bis zum einzelnen Bürgermeister in der Gemeinde. „Wir müssen innerhalb einer Generation unser Energiesystem modifizieren. Das kann aber auch eine Chance sein – auch für die Wirtschaft, die neue Impulse setzen kann.“ Eines sei klar: „Je länger wir warten, umso schwieriger wird die Umstellung.“
Die Stärkung der Elektroenergie, die Verlagerung des Verkehrs auf die Schiene, höhere Steuern auf Treibstoffe – der billige Diesel führt dazu, dass unzählige Transit-Lkw sogar einen Umweg durch Tirol in Kauf nehmen –, teurere Umwelt-Zertifikate oder die Einhaltung der Grenzwerte bei den Motoren sind nur einige der unumgänglichen Maßnahmen.
Wenig optimistisch äußert sich Transitgegner Fritz Gurgiser: „Wenn man die Verkehrsentwicklung der letzten zwei, drei Jahre betrachtet, kann man das alles vergessen.“ Auf dem Papier heroische Ziele zu formulieren, sei zu wenig, wenn die Ursachen nicht beseitigt würden. „Die Politiker reisen von Klimagipfel zu Klimagipfel, und jeder weiß, dass sich nichts ändern wird.“ Während sich andere Länder zu wehren wüssten, würden die österreichischen Politiker in Brüssel außerdem zu wenig vehement auftreten.
Klimafahrplan
Ziele für 2030: Von 1990 bis 2020 müssen insgesamt 16 Prozent CO2 eingespart werden, was laut dem Tiroler Mobilitäts- und Klimaschutzexperten Ekkehard Allinger-Csollich zu schaffen sei. Um anschließend laut EU-Vorgabe bis zum Jahr 2030 insgesamt 36 Prozent Reduzierung zu erreichen, bleibt viel weniger Zeit.
Betroffen sind die Bereiche Land- und Abfallwirtschaft, Verkehr und Gebäude. Kraftwerke und Industrieanlagen sind hier nicht berücksichtigt.
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