84 Tote

Nizza-Attentäter hatte laut Staatsanwalt Unterstützung

Das Polizeiaufgebot wurde nach dem Anschlag am 17. Juli verstärkt.
© AFP/Jean-Sebastien Evrard

Bislang war die Rede von einer extrem schnellen Radikalisierung. Doch jetzt haben die Ermittler Hinweise, dass der Attentäter von Nizza seine Todesfahrt schon länger ins Auge gefasst hatte. Und er bereitete sich offensichtlich nicht allein vor.

Nizza – Der tödliche Plan soll über mehrere Monate gereift sein: Der Attentäter von Nizza hatte seinen Anschlag nach Erkenntnissen der Ermittler vermutlich schon länger geplant. Zudem habe der 31-jährige Tunesier Mohamed Lahouaiej Bouhlel Komplizen bei der Vorbereitung gehabt, sagte der französische Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins am Donnerstag in Paris.

Die Behörde eröffnete ein Ermittlungsverfahren unter anderem wegen Mordes, Beihilfe zum Mord und Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung. Gegen fünf Verdächtige beantragte sie Untersuchungshaft – ihre jeweilige Rolle muss noch abschließend geklärt werden.

Bilder und Zeitungsartikel gespeichert

Mohamed Lahouaiej Bouhlel war am 14. Juli in eine Menschenmenge auf der Strandpromenade von Nizza gerast und hatte 84 Menschen getötet, bevor die Polizei ihn erschoss. 15 Verletzte schwebten auch eine Woche danach noch in Lebensgefahr.

Der Mann habe seine Tat wohl seit mehreren Monaten ins Auge gefasst und die Pläne heranreifen lassen, sagte Molins. Der Staatsanwalt stützt sich dabei auf die Auswertung von Kommunikationsdaten und Fotos.

So wurden auf einem Handy von Mohamed Lahouaiej Bouhlel Bilder von zwei Feuerwerken und einem Konzert auf der Strandpromenade von Nizza im Sommer 2015 gefunden, der Fokus lag dabei jeweils auf derMenschenmenge. Er hatte auch einen Zeitungsartikel gespeichert, bei dem es um einen Mann ging, der mit einem Fahrzeug auf eine Restaurant-Terrasse raste. Bislang war nur die Rede davon gewesen, dass er die Attacke über mehrere Tage vorbereitet hatte.

Reger Kontakt unter denmutmaßlichen Komplizen

Die Verdächtigen hatten nach Angaben der Ermittler regen Kontakt untereinander. Ein 37-jähriger Tunesier und ein 40 Jahre alter Franko-Tunesier sollen in den Tagen vor dem Anschlag mit dem Attentäter in dem gemieteten Lastwagen gewesen sein. Das geht aus der städtischen Videoüberwachung, Handyfotos und Fingerabdrücken hervor.

Die übrigen drei – ein weiterer Franko-Tunesier und ein albanischesPaar – sollen bei der Beschaffung der Pistole des Attentäters eine Rolle gespielt haben. In einem Keller fanden die Ermittler auch ein Sturmgewehr. Noch sei aber unklar, was mit dieser Waffe bezweckt wurde.

Zur Motivation des Attentäters äußerte sich Molins nicht näher. Allerdings wurde auf dem Handy des Tunesiers eine SMS von einem der Verdächtigen gefunden, in der dieser sich im Januar 2015 positiv über den islamistischen Anschlag auf das Satiremagazin Charlie Hebdo äußert. Bereits am Montag hatte Molins berichtet, der Mann habe in jüngsterZeit ein «unbestreitbares Interesse» an der dschihadistischen Bewegung gezeigt. Er war den Behörden aber vor derTat nie wegen extremistischer Gesinnung aufgefallen. (dpa)