„Der Diamant des Geisterkönigs“: Neuer Anlauf in Gutenstein

Gutenstein (APA) - Die Raimundspiele Gutenstein nehmen wieder einmal neuen Anlauf: In ihrer ersten Saison als Prinzipalin hat Andrea Eckert ...

Gutenstein (APA) - Die Raimundspiele Gutenstein nehmen wieder einmal neuen Anlauf: In ihrer ersten Saison als Prinzipalin hat Andrea Eckert das Zauberspiel „Der Diamant des Geisterkönigs“ der jungen Regisseurin Cornelia Rainer überantwortet. Bei der Premiere am Donnerstagabend erschien der neue Zugang zu Raimund einigen Zusehern offenbar noch etwas gewöhnungsbedürftig.

Es ist zweifellos nicht Raimunds eingängigstes Werk, diese seltsame Mischkulanz aus Posse, Geisterwelt, Allegorie und Psychodrama. Rainer macht daraus ein skurriles Stück, das den Verfasser vom Protagonisten Alt-Wiener Volkstheaters zum Ahnherrn absurden Theaters mutieren lässt. Allerdings braucht es 40 Minuten, bis mit dem wunderbaren Auftritt von Eckert als Hoffnung die ersten Funken sprühen. Dann kommt das Werkel allmählich in die Gänge.

Vor allem ist es der Abend des Matthias Mamedof, der als Diener Florian viel Sympathie gewinnt. Wie er zwischen serviler Untertänigkeit und schroffem Protest changiert und dazu einige Beweglichkeit ins Spiel bringt, rettet oft manche eher müde Pointe. Alexander Meile ist ein jugendlich frischer Eduard, Karl Ferdinand Kratzl hingegen ein leicht seniler Longimanus. Christoph Moosbrugger liegt gleich zu Beginn als verblichener Zephises aufgebahrt im zweistöckigen Bühnenbild, das mit seinem ältlichen Mobiliar-Sammelsurium an einen Ausstellungsraum im Dorotheum gemahnt.

Was letztlich doch gelingt, ist das Ineinandergreifen von realer Geisterwelt und spukhafter Realität, sind einige schöne Tableaus und berührende Szenen, etwa wenn Florian der gealterten Mariandel (Annette Isabella Holzmann) wieder begegnet. Die musikalische Gestaltung obliegt den Musikern von klezmer reloaded in feinen Arrangements, wobei die fast durchgehende dudelnde Begleitung mit Klarinette und Quetschen - Pardon - irgendwann doch leicht zu nerven riskiert. Bei aller Wertschätzung, weniger wäre mehr.

Ein aufgerauter Raimund wird hier geboten mitsamt allen Unstimmigkeiten, die dem Wesen dieses Schwierigen letztlich entsprechen. Und jedenfalls fernab jener anachronistischen Mentalität, die es für opportun hält, kleine Mädchen vor dem Landeshauptmann wie in einem schlechten Heimatfilm unsägliche Gedichte aufsagen zu lassen.

Das Erscheinungsbild der Raimundspiele ist im Wandel begriffen, und das betrifft nicht nur die äußerliche Neugestaltung des Festspielzeltes. Eckert wird ihren Raimund-Stil finden, und es wird weder jener von Ernst Wolfram Marboe noch jener von Jerome Savary sein, sondern wahrscheinlich ein ganz spröder und doch sinnlicher, ein eigenwilliger, zeitgemäßer und sehr persönlicher Stil. Hoffentlich. Es sieht danach aus.

(S E R V I C E - Raimundspiele Gutenstein: Ferdinand Raimund, „Der Diamant des Geisterkönigs!. Regie: Cornelia Rainer. Mit Karl Ferdinand Kratzl, Alexandra-Maria Timmel, Andrea Eckert, Alexander Meile, Matthias Mamedof, Eduard Wildner u.a.; weitere Aufführungen bis 18. August, Tickets und Information: www.raimundspiele.at)