Bühne

Aufstand unter Sternen

© Posch

Frei nach Fo: „Bezahlt wird nicht!“ heißt es bei der 6. Auflage der Haller Gassenspiele.

Hall –In Hall geht’s rund: Zahlungsunfähige Haus­frauen rauben Supermärkte aus, einstmals integre Fabriks­arbeiter prellen aus Protest gegen die drohende Kündigung in der Kantine die Zeche, und selbst ein Stadtpolizist spielt mit dem Gedanken, auf die Gesetzestreue zu pfeifen. Putsch-Alarm in der Salzstadt? Keine Angst, es handelt sich lediglich um eine Theater-Attacke. Die Haller Gassenspiele sind los und haben sich in ihrer sechsten Spielsaison einer Farce von Dario Fo angenommen. Die Handlung von „Bezahlt wird nicht!“ hat Regisseur Alexander Sackl, der wie gewohnt auch den stimmigen Soundtrack der Freiluftspiele verantwortet, von Italien ins schmucke Hall verlegt. Genauer gesagt in den versteckten Schulhof der NMS Europa, von wo aus man ungewohnte Stadt-Perspektiven gewinnt. Je später der Abend, desto stimmungsvoller schillern die ausgeleuchteten Fassaden – der Spielort hat sich einen Sonder­applaus verdient.

Das Spiel selbst baut auf turbulente Unterhaltung, die von furiosen Lügenmärchen und lustvollen Slapstick-Einlagen durchzogen ist. Lügenbaronin Antonia (verkörpert von der quirligen Tris-Abgesandten Christina Matuell­a) tischt ihrem Gatten Franz (ein gesangsstarker Markus Wessiak) gefinkelte Flunkereien auf, um nicht als Lebensmittel-Diebin entlarvt zu werden. Und so wird man Zeuge von spontanen Scheinschwangerschaften, heiteren Heiligen-Erscheinungen und der wundersamen Wieder­auferstehung eines Ordnungshüters, dem Wolfgang Klingler (übrigens gleich in drei schrägen Rollen präsent) ein herrlich abgedrehtes Profil verleiht. Schöne Idee: Die sonore Livemusik schallt aus verschachtelten Schränken, Wermutströpfchen sind die allzu einfach gestrickten Liedertexte. Dennoch: Für diesen Aufstand unter Sternen bezahlt man gerne. (fach)