Galgenhumorig licht und dicht Gestricheltes
Von Edith Schlocker...
Von Edith Schlocker
Innsbruck –Paul Flora hat fast bis zu seinem Tod vor sieben Jahren täglich gezeichnet. Was es seinem Sohn Thomas möglich macht, jährlich die sommerliche Ausstellung in seiner Innsbrucker Galerie mit zum größten Teil noch nie gezeigten Blättern des Meisterzeichners zu bestücken. Auch heuer. Um diesmal einen kleinen Querschnitt durch Floras mehrtausendblättriges Werk zu zeigen.
Angefangen mit einer Zeichnung von 1937, wo Paul Flora zarte 15 war. Und bereits Kommendes erahnen ließ. War doch bereits damals seine Fantasie eine skurrile, seine Verfasstheit eine galgenhumorig schräge. Wenn er etwa angesichts der Geschehnisse des Zweiten Weltkriegs den Körper eines Gehängten seinem Kopf in der Schlinge davonrennen lässt. Die Zartheit der fein strichelnden Handschrift, die nicht viele Jahre später zum Markenzeichen des eigenwilligen Tiroler werden sollte, ist allerdings noch sehr fern. Der Strich ist kräftig, fast expressiv intuitiv.
Was sich bereits in den späten 40er-Jahren grundlegend ändern sollte, wo Flora mit ganz wenigen Strichen magische Räume konstruiert, selbst wenn sie nur „Kulissen“ oder an sich ephemere „Frühlingswinde“ sind. In der Schau begegnet der Besucher aber auch vielen typischen „Floras“. Poetisch koloristisch garnierten venezianischen Masken und menschenleeren Plätze genauso wie Eulen und Raben, Leichenzügen und düsteren Witwen. Nicht wirklich erschreckende Teufel lugen aus Höllen, die fast schwarz gestrichelt sind. In anderen Blättern ist wiederum der bissige Zeitkritiker am fröhlichen Werken: wenn etwa in „Tirol 2000“ ein skelettierter Hirt mit Tirolerhut das Gerippe einer Kuh führt, um deren knochigen Hals eine mächtige Glocke hängt.
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