Syrien

Regimegegner beten für ein Ende der Belagerung

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Syriens Regime zieht die Schlinge um Aleppo enger. Die wichtigste Versorgungsroute der Rebellen ist unterbrochen, die Lebensmittel in den Rebellenvierteln werden knapp.

Von Weedah Hamzah/dpa

Aleppo –Für die Bewohner der Rebellenviertel in der nordsyrischen Stadt Aleppo war es eine Katastrophe: Regierungstruppen riegelten vergangene Woche ihre wichtigste Nachschubroute ab. Die Castello Road, wie die Straße im Volksmund heißt, ist die Lebensader für Zehntausende, die in den von Rebellen kontrollierten Stadtteilen festsitzen. Über die Straße kamen Lebensmittel in die Stadt. „Jetzt, wo sie dicht ist, werden die Waren knapp“, schreibt Anas, ein Händler aus einem Rebellenviertel, auf Facebook. „Die Leute beten zu Gott, dass sie diese Belagerung überleben.“

Aleppo, die größte Stadt Syriens, ist seit Beginn des Bürgerkrieges 2011 heftig umkämpft. Sie hat hohen strategischen und symbolischen Wert. Der Westen der Stadt wird von der Regierung gehalten, der Osten von Aufständischen. Einst lebten hier zwei Millionen Menschen, doch viele flohen vor der Gewalt. Nach UNO-Angaben harren noch bis zu 300.000 Menschen in den Rebellenvierteln von Aleppo aus. Die Rebellen-Verwaltung spricht von 350.000 Menschen. Das Regime von Bashar al-Assad­ plant nach Einschätzung von Syrien-Experten vermutlich eine längere Belagerung, um die Stadt mit minimalen Verlusten für die eigenen Truppen unter ihre Kontrolle zu bringen.

„Es fehlt uns vor allem an Gemüse“, sagt der 34-jährige Ahmed. Es gebe zwar noch Brot, Reis und Zucker, doch die Preise stiegen kontinuierlich. „Wir glauben, dass es schlimm wird. Ich habe Angst um meine drei Kinder“, sagt Ahmed, der als Schneider arbeitet. Er wolle sie nicht verhungern sehen wie die Kinder in anderen belagerten Städten. Nachdem das Regime die Castello Road abgeriegelt habe, verdreifachte sich der Preis für Tomaten, erzählt der Aktivist Mahmud al-Schami. Schon zu Beginn dieses Belagerungszustandes könnten sich manche Menschen Lebensmittel nicht mehr leisten, sagt auch Sakina, eine Mutter von vier Kindern. Sie sorgt sich: „Was wird später mit ihnen geschehen?“

Die Bedingungen im Osten Aleppos waren jedoch schon kritisch, als die Castello Road noch offen war. Luftangriffe und Beschuss durch Regierungstruppen haben viele Gebäude zerstört, auch Krankenhäuser gehörten Aktivisten zufolge zu den Angriffszielen. Die Lage in der Stadt sei angespannt und verzweifelt, sagt Al-Schami. Es seien nur noch jene Menschen hier, die nirgends sonst hin könnten. „Sie haben keine andere Wahl, als zu bleiben und das tägliche Bombardement und nun die Belagerung durch das Regime durchzustehen“, sagt der Aktivist. „Die Leute haben Angst.“

Der Stadtrat versucht indes sicherzustellen, dass Händler die verzweifelte Lage nicht ausnutzen, wie Brita Hagi Hassan, der Vorsitzende, am Telefon aus Aleppo sagt. Man habe auch Güter des täglichen Bedarfs auf Vorrat. „Wir haben uns auf die Belagerung vorbereitet.“ Bäckereien und Krankenhäuser etwa würden bevorzugt mit Treibstoff versorgt. Aber: Einige Grundnahrungsmittel, vor allem Gemüse, würden auf den Märkten knapp. „Die Stadt beginnt zu leiden“, sagt Hassan und warnt vor einer humanitären Krise im Fall einer längeren Blockade.

Der Bäcker Mohammed Abdul Rassak hofft, dass die Oppositionskräfte die Castello Road bald wieder zurückerobern. In den Rebellenvierteln bilden sich bereits lange Schlangen vor Bäckereien. „Ich bin im Morgengrauen aufgestanden und habe mich drei Stunden angestellt, um Brot für meine Kinder zu bekommen“, erzählt Abu Mustafa. Etwa 200 Menschen hätten mit ihm in der Schlange gestanden. In den Krankenhäusern werden die Vorräte ebenfalls knapp, sagt Abdul Iss von der Hilfsorganisation Syrian-American Medical Society. „Die Ärzteteams stehen dadurch unter furchtbarem Druck“, sagt er. „Manchmal haben sie keine Hoffnung mehr.“