Von Landecker Skispringern und Figurenliegern
Sein drittes Buch widmet der Landecker Lokalpolitiker Manfred Jenewein der Geschichte der Sportvereine der Stadt.
Von Matthias Reichle
Landeck –Wie viele wissen noch, dass sich das Figurenliegen – eine Vorform des Synchronschwimmens – in Landeck ungeheurer Beliebtheit erfreute? Dass auf der Trams die zweitgrößte Sprungschanze Tirol gestanden hat? Oder dass Eishockey früher über 700 Zuschauer auf die Öd lockte?
Der Lokalpolitiker und Historiker Manfred Jenewein hat Geschichte und Geschichten rund um die Landecker Sportpioniere in seinem neuesten Buch zusammengetragen. Gestern stellte er den Band auf historischem Boden vor, bei den Landecker Tennisplätzen. Über Nacht hatte sich in den 60er-Jahren eine Landecker Eishockeymannschaft gegründet. Mit ihrem „Star“, dem Südtiroler Erich Mahlknecht, bestritt sie einige erfolgreiche Saisonen auf dem ehemaligen Viehmarktplatz, dort, wo im Sommer Bälle über Netze fliegen. Die Mannschaft war ein richtiger Publikumsmagnet, berichtet Jenewein. Viele verbinden damit noch heute sehr emotionale Erinnerungen.
Jeneweins Forschungen gehen bis 1900 zurück und reichen bis Mitte der 60er-Jahre. Sport war anfangs noch sehr politisch besetzt. „Es gab einen Arbeiter-Radfahrverein und einen bürgerlichen Radfahrverein, den Alpenverein und die Naturfreunde, eine Christlich-Deutsche Turnerschaft Landeck, den Arbeiter Turnverein und den Turnverein Jahn“, so Jenewein. Mitte 1938 wurden alle Sportvereine aufgelöst. Trotzdem ging es im Halbdunkel weiter.
Trocken ist die von Manfred Jenewein aufbereitete Geschichte nicht. So gibt es viele Anekdoten. Wie die Erinnerung ans Skispringen auf der Trams, das zeitweise populäre Figurenliegen oder den skurrilen Streit, den die Schützenkompanie und die Schützengilde über das Gemeindeblatt ausgetragen haben, und in dem es auch darum ging, wer der rechtmäßige Nachfolger der Standschützen sei. Auch vom Höhepunkt im Vereinsleben des Landecker Schachclubs wird berichtet, als diese simultan gegen einen Innsbrucker Großmeister antraten.
Jenewein beleuchtet auch das Auf und Ab der Vereine. Nach dem Krieg war es für viele schwierig, einen unbelasteten Vorstand zu finden – für den Skiclub war es unmöglich. Darum bestellte man einen Pro-forma-Ausschuss.
Highlight war natürlich der Aufstieg der Landecker Kicker in die Arlberg Liga, so Jenewein. Das sei aus heutiger Sicht bitter zu erzählen, fehlen derzeit ja derartige Erfolge. Für Schlagzeilen sorgte aber auch die Erstbesteigung des 8201 Meter hohen Cho Oyu im Himalaya durch Sepp Jöchler vom Landecker Alpenverein. Der Sherpa Pasang Dawa Lama besuchte später sogar die Bezirksstadt.
„Landecker Sportpioniere“ ist im Eigenverlag erschienen und für 18 Euro bei Manfred Jenewein (manfred.jenewein@aon.at) erhältlich.
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