Festspiele Erl

„Verdienet nicht, Mensch zu sein“

© Tiroler Festspiele Erl/APA

Wolfgang Amadeus Mozarts „Zauberflöte“ ist die finale Oper des Erler Festspielsommers.

Von Ursula Strohal

Erl –Eine schiefe Ebene, die in Treppen mündet, beidseitig Bäumchen und Sträucher, mehr braucht sie nicht, die Erler „Zauberflöte“, die in naiver szenischer Reduktion vor Jahren für das Passionsspielhaus konzipiert worden ist und nun am Samstag im Festspielhaus wiederaufgenommen wurde. Dass sich der Reiz der Regiedrosselung vom technikfreien Umfeld nicht einfach ins professionelle Opernhaus übertragen lässt, ist bekannt, und so begann auch diese „Zauberflöte“ eines Szene-Teams rund um Gustav Kuhn wie eine bescheidene Schülerarbeit. Und dann gewann die Aufführung doch noch an Verlockung.

Da gingen nicht alle, aber viele Szenen auf, vor allem dank gekonnter Lichtregie, die Handlung und Subtext mittrug und das Publikum durch rot und blau kreisende Scheinwerfer in die Feuer- und Wasserprobe einband.

Da waren in Erl untergebrachte Flüchtlinge mit dezentem Selbstverständnis als Statisten eingesetzt: Als Tausendfüßler, vor dem Tamino in Ohnmacht fällt und mit ihren Masken im Reich des Sarastros, der sich mit seiner Arie „In diesen heilgen Hallen“ in die Mitte der jungen Männer begibt und nach Ermahnungen zu Nächstenliebe und Humanität deutlich wird: „Wen solche Lehren nicht erfreu’n, verdienet nicht, ein Mensch zu sein.“ Die Botschaft Mozarts, die Botschaft der Tiroler Festspiele Erl.

Und wunderbarerweise haben die Menschen aus fremden Kulturkreisen allein durch ihre Mitarbeit eine Aura der eigenen Märchen und Mythen eingebracht.

Prima la musica, das ist in Erl immer so, und auch bei der „Zauberflöte“ sind die Mitglieder der Accademia di Montegral unabhängig von großen und kleinen Rollen eingesetzt. Dirigent Tito Ceccherini ist ein sehr souveräner und alerter musikalischer Leiter, Unsicherheiten auf der Bühne klärte er rasch. Das Festspielorchester war gehorsam, es gab schöne Soli nicht nur der Flöte, und mehr ist zwischen Rossini, Strauss, Wagner, Beethoven etc. bei Mozart wohl nicht zu erwarten.

Die vokalen Königinnen waren Sophie Gordeladze als zauberhaft strahlende Prinzessin Pamina und die makellos blitzende Herrscherin der Nacht von Heera Bae. Dazu kamen der schon reife Tamino des Johannes Chum, der kernige Sarastro von Giovanni Battista Parodi, James Roser, ein Papageno mit einem Hauch Tragikomik, die strengen Damen Susanne Geb, Dorothea Spilger und Alena Sautier, Wolfram Wittekinds schwarzweißer Monostatos, Maria Lopalcos hübsche Papagena, drei asiatische Knabenstimmen und die weiteren Partien.