„Ossi“ fühlt sich von den Schützen ausgeschlossen
Gerhard Meyer glaubt, dass ihn die Schützenkompanie Steinach wegen seiner Herkunft nicht aufnehmen will – dort weist man das klar zurück.
Steinach –Als „schneller Meyer“ hat er Geschichte geschrieben: Im September 1989 war Gerhard Meyer, Jahrgang 1950, der erste DDR-Bürger, der über Ungarn und Österreich legal die BRD erreichte – in einem gebrauchten Toyota Corolla und halsbrecherischem Tempo.
Seit 2008 lebt Meyer in Steinach am Brenner, wo seine Familie das Hotel Post betreibt. Von Anfang an sei er bestrebt gewesen, „mich einzuleben und am Dorfgeschehen teilzuhaben“, sagt er.
Meyers großer Wunsch: Mitglied der Schützenkompanie Steinach zu werden. Schließlich sei er auch in Deutschland bereits bei den Schützen gewesen, konkret bei der Schützengilde „Schloß Libehna“ 1832 e.V. in Raguhn (Sachsen-Anhalt). Also habe er der Steinacher Kompanie schon vor Jahren sein Interesse signalisiert.
Zunächst habe man ihm erklärt, dass eine Aufnahme nicht möglich sei, weil man dafür laut Statuten österreichischer Staatsbürger sein müsse. „Kein Problem“, habe er geantwortet, so Meyer, schließlich wolle er ohnehin die Staatsbürgerschaft beantragen. Seit 2012 ist er nun auch offiziell ein Österreicher. Vor Weihnachten 2015 habe er dann ganz formell einen Aufnahmeantrag gestellt – und seither nichts mehr gehört.
„Ich kann mir nicht erklären, warum, ich bin niemandem auf den Schlips getreten“, meint Meyer. Seine – emotional vorgetragene – Vermutung: Es habe mit seiner Herkunft als „Ossi“ zu tun. Bestätigt fühlt er sich durch einen Streit in einer Steinacher Gastwirtschaft im Frühjahr: Dort habe ein Mitglied der Schützenkompanie zu ihm gesagt, „dass zugereiste Deutsche bei den Schützen nichts verloren haben und er austritt, wenn ich eintrete“.
Schützenhauptmann Lorenz Fidler weist Meyers Kritik vehement zurück: Ausschlaggebend sei allein dessen Alter. „Wir haben Interesse daran, junge Leute aufzunehmen.“ Mit Mitte 60 sei eine Aufnahme einfach nicht mehr üblich. „Weder Gerhards Herkunft noch seine Person als solche haben damit irgendetwas zu tun.“ Unter den Mitgliedern sei etwa auch ein gebürtiger Spanier, der in Steinach verheiratet ist, „das passt super“.
Man habe mehrfach versucht, Meyer die Sache zu erklären, und ihm vorgeschlagen, er solle stattdessen doch zum Kameradschaftsbund gehen. „Aber er hat gesagt, dass er unsere schöne Uniform will – wobei es bei uns ja Tracht heißt“, sagt Fidler. Dass es in einem Dorf „hin und wieder blödes Gerede“ gibt, sei normal – „und Gerhard teilt auch selbst ganz gern aus“. (md)
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