US-Wahlen

Trump: „Ich bin eure Stimme!“

Donald Trump bei der wichtigsten Rede seiner noch kurzen politischen Karriere.
© REUTERS/Brian Snyder

Das Amerika, das Donald Trump beschreibt, ist ein verarmtes, bedrohtes, erniedrigtes Land. Doch es gibt eine einfache Lösung: Als Präsident werde er Amerika rasch wieder aufrichten.

Von Floo Weißmann

Washington — „The Donald", wie Freund und Feind ihn kennen. Der Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner schreit sich heiser, verzieht das Gesicht zur Grimasse, reißt beide Arme in die Luft. Dann tritt Donald Trump einen Schritt vom Mikrofon zurück, genießt mit breitem Grinsen den Jubel, tritt wieder vor und landet die nächsten Pointe. 75 Minuten lang geht das so am Donnerstagabend in Cleveland — die längste Parteitagsrede seit den Sechzigerjahren. Als er fertig ist, eilt die Familie zum Küssen auf die Bühne, es regnet Konfetti und Luftballons.

Zumindest der Abschluss des Pannen-Parteitags der Republikaner dürfte ganz nach Trumps Geschmack gewesen sein. Eine Blitzumfrage von CNN bescheinigt ihm einen starken Auftritt: Drei Viertel derer, die via Fernsehen live dabei waren, bezeichneten ihre Reaktion als sehr oder etwas positiv (wobei traditionell das eigene Lager eher zuschaut). Wichtige Aspekte:

1. Der Rächer der Zukurzgekommenen. Für einen Präsidentschaftskandidaten blieb Trump in seinem Grundton ungewöhnlich düster. Er beklagte Kriminalität, Gewalt, illegale Einwanderung, Einkommensverluste, Staatsschulden, den Verlust von Jobs, Armut usw. Und er wandte sich direkt an jene, die sich als Verlierer der Entwicklung empfinden. „Das sind die Leute, die hart arbeiten, aber keine Stimme mehr haben. Ich bin eure Stimme!"

2. Kaum konkrete Maßnahmen. Trump wiederholte lediglich seine altbekannten Versprechungen, ohne konkrete Umsetzungspläne vorzulegen. Auswahl: eine Maue­r an der Grenze zu Mexiko; ein Einwanderungsstopp aus Ländern, „die durch Terrorismus kompromittiert worden sind" (welche das sind, blieb offen); die Neuverhandlung von Handelsabkommen („ich werde schlechte Abkommen in großartige verwandeln"); eine massive Steuersenkung bei gleichzeitigem Abbau der Staatschulden (wie sich das rechnerisch ausgehen soll, ist nicht bekannt); Sicherheit in den Straßen („wenn ich nächstes Jahr den Amtseid ablege, werde ich Recht und Ordnung in unserem Land wiederherstellen"); Arbeitsplätze und Wohlstand („Billionen Dollar werden in unser Land fließen"); ein nicht näher beschriebener Ersatz für die Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama.

3. „The Donald" als Programm. Anstelle von Konzepten pries Trump auch in Cleveland vor allem sich selbst als Lösung an. „Niemand kennt das (politische) System besser als ich, deswegen bin ich der Einzige, der es reparieren kann", erklärte er etwa. Oder: „Ich habe Milliarden Dollar als Unternehmer gemacht, jetzt werde ich unser Land wieder reich machen." Und gegen Ende: „Ich verspreche: Wir werden Amerika wieder stark machen."

4. Angriffe gegen Obama und Clinton. Kandidaten überlassen den Nahkampf gern ihren Mitstreitern, um selbst erhaben und staatsmännisch zu wirken. Trump hingegen ritt persönlich und mit der ihm eigenen Schamlosigkeit harte Attacken. Auswahl: Obama habe „die Kanzel der Präsidentschaft benützt, um uns nach Hautfarbe zu spalten, er hat Amerika zu einem gefährlicheren Umfeld gemacht, als ich es je erlebt habe". Seiner Konkurrentin legte er zur Last, als Außenministerin quasi im Alleingang alle Krisen im Nahen Osten verschuldet zu haben. „Das ist das Vermächtnis von Hillary Clinton: Tod, Zerstörung, Terrorismus und Schwäche."

5. Abschied von der Weltbühne. Trump machte erneut klar, dass er die Roll­e der USA als globale Ordnungsmacht ablehnt. „Unser Plan wird Amerika an die erste Stelle setzen. Amerikanismus, nicht Globalismus, wird unser Credo sein." Erst dann werde Amerika wieder jenen Respekt erhalten, den es verdient. Den Verbündeten richtete Trump aus: „Die Staaten, die wir beschützen — zu enormen Kosten für uns —, werden gebeten werden, ihren fairen Anteil zu bezahlen."