Flüchtlinge - „Wir sind verantwortungsbewusste Weltbürger“

Belgrad (APA) - „Wir sind verantwortungsbewusste Weltbürger“, steht handgeschrieben auf einem Stück Pappe. Der junge Flüchtling, der es träg...

Belgrad (APA) - „Wir sind verantwortungsbewusste Weltbürger“, steht handgeschrieben auf einem Stück Pappe. Der junge Flüchtling, der es trägt, gehört zu jenen, die am Freitag in einem Belgrader Park in Hungerstreik getreten sind. „Öffnet die ungarische Grenze“, forderte ein anderer Hungerstreikender. Andere wiederum haben sich als Zeichen des Protests den Mund mit grauem Klebeband verklebt.

Der Protest dürfte auch aus Angst vor Abschiebungen organisiert worden sein. Seit Wochenbeginn sind in Serbien strengere Sicherheitsmaßnahmen in Kraft: Wer nicht um Asyl ersucht, muss damit rechnen, abgeschoben zu werden. Ob die Maßnahme von den serbischen Behörden in den letzten Tagen auch angewendet wurde, ist nicht bekannt.

Im Park beim Belgrader Busbahnhof halten sich derzeit ein paar hundert Flüchtlinge auf, die meisten stammen aus Afghanistan und Pakistan. Ihr Ziel ist die EU, die meisten lassen keinen Zweifel daran, dass sie konkret nach Deutschland wollen. Die Erfolgsaussichten dafür sind meist gleich Null.

Um Asyl in Serbien ansuchen wollen die meisten hier nicht. Sie befürchten, dass ihnen dies die Tür in die Europäische Union versperren würde, erzählt eine Helferin von dem im Park stationierten Flüchtlings-Infopunkt „B-92“.

Flüchtlinge, die keine Aufenthaltsgenehmigung vorweisen könnten, würden neuerdings nicht mehr in einem staatlichen Aufnahmezentrum aufgenommen werden, sagt einer der Hungerstreikenden. Er sei schon seit knapp einem Monat in Belgrad auf der Suche nach einem Weg nach Ungarn, erläuterte der junge Mann gegenüber der APA.

Die Flüchtlingszahl in Serbien ist derzeit im Vergleich zum Vorjahr gar nicht hoch. Laut Behördenangaben sind es etwa 3.000 Personen. Da die meisten von ihnen in den EU-Staaten als sogenannte Wirtschaftsflüchtlinge betrachtet und kein Asyl erhalten würden, befürchtet die serbische Regierung, dass Serbien zu einem „Parkplatz“ für die Migranten werden könnte.

Anfang dieser Woche wurden an die Grenze zu Bulgarien und Mazedonien zusätzliche Militär- und Polizeiteams entsandt, um illegale Grenzübertritte zu unterbinden. Zunächst gibt es keine Anzeichen, dass die Zahlen der Neuankömmlinge gesunken wäre. Täglich träfen zwischen 150 bis 200 Menschen ein, hieß es am Freitag aus dem Belgrader Zentrum für Asyl-Hilfe.