Heimatliche Hassliebe - Die Clintons und Arkansas
Little Rock (Arkansas)/Washington (APA/dpa) - Mehr als 15 Jahre lebten die Clintons zusammen in Arkansas, Bills Heimatbundesstaat. In Fayett...
Little Rock (Arkansas)/Washington (APA/dpa) - Mehr als 15 Jahre lebten die Clintons zusammen in Arkansas, Bills Heimatbundesstaat. In Fayetteville heiratete das Paar, in Little Rock war er Gouverneur. Noch heute erinnert in dem südlichen Staat viel an die Clintons, vom Lokalheldenstatus aber sind sie weit entfernt.
Der Weg zu Hillary Clintons früherem Wohnhaus ist gesäumt von ihrem Namen. „Hillary“ steht auf blau-weißen Plastikschildern, die in den feinsäuberlich manikürten Vorgärten der Center Street stecken. Am Ende der Straße in Little Rock im südlichen US-Staat Arkansas ragt das Governor‘s Mansion in die Höhe. In der Villa hinter dem hohen Zaun lebten die Clintons mit kurzer Unterbrechung von 1979 bis 1992. Bill war damals vor seiner Zeit als US-Präsident demokratischer Gouverneur des Staates. Bi-a-ll, wie sie hier mit Südstaaten-Akzent sagen. Seine Büste steht immer noch vor dem Haus.
„Selbstverständlich kannten wir die Clintons, wir waren ja Nachbarn“, sagt ein älterer Mann, der gemeinsam mit einem Freund in einem der Vorgärten gräbt. Die heiße Südstaaten-Sommersonne lässt die beiden Männer, die ihre Namen lieber nicht sagen wollen, schwitzen. „Jedes Jahr haben sie eine große Weihnachtsfeier für uns alle geschmissen und im Jahr bevor Bill Präsident geworden ist war es dann gleichzeitig auch eine Abschiedsparty. Die beiden waren wirklich sehr gastfreundlich.“
Das „Hillary“-Schild habe seine Frau aufgestellt, sagt einer der beiden Männer. „Sie unterstützt Hillary sehr. Es soll aber wohl auch ein Zeichen der Abneigung für den aktuellen Bewohner der Gouverneurs-Villa sein, den Republikaner Asa Hutchinson.“ Auch er unterstütze Hillary, sagt der andere Mann. „Aber wir sind da nicht gerade in der Mehrheit. Mein Sohn zum Beispiel hat ein Schild im Garten, auf dem steht ‚Hillary gehört ins Gefängnis‘. Hier in Arkansas liebt man die Clintons, oder man hasst sie, dazwischen gibt es nichts. Und der Staat wird wohl oder übel an (den Republikaner-Kandidaten Donald) Trump gehen.“
Abseits der Center Street werden die „Hillary“-Schilder seltener. Auf der Autobahn kurz hinter Little Rock, dessen Flughafen nach Bill und Hillary benannt ist, prangt eine gigantische Werbetafel mit der Aufschrift „Trump. Make America Great Again“. Von einem grauen Pickup-Truck flattert metergroß die umstrittene Konföderierten- Flagge, die Gegnern als Symbol für Unterdrückung der Schwarzen und für die Sklaverei gilt.
Rund zwei Stunden südwestlich von Little Rock liegt Hope, Arkansas. Hier ist Bill Clinton geboren, 1946, als die Straßen in dem kleinen Städtchen noch nicht geteert waren. Seine vier ersten Jahre verbrachte er in Hope, aufgezogen hauptsächlich von den Großeltern. Der Vater war kurz vor seiner Geburt gestorben, die Mutter ließ sich in New Orleans zur Krankenschwester ausbilden.
Das zweigeschossige grün-weiße Holzhaus in Hope steht noch und ist heute ein Museum, zwischen Fastfood-Lokal, Gebrauchtwagenhändler, Zigaretten-Discounter und Bauernhof-Ausstatter. Die Sonne brennt und in der Luft liegt der beißende Geruch von Gülle. Aus einem kleinen Holzhaus im tiefsten Arkansas in das Weiße Haus in Washington - der erfüllte Amerikanische Traum.
„I still believe in a place called Hope“ (auf Deutsch: Ich glaube immer noch an einen Ort namens Hoffnung), hatte Bill Clinton einmal gesagt. Heute steht der Spruch auf T-Shirts und Kühlschrankmagneten im Museumsshop. Rund 12.000 Besucher kämen jedes Jahr, sagt Adam Garrett, der als Ranger bei der Nationalparkbehörde der USA arbeitet, die das Haus verwaltet. Jeden Tag pendelt er etwa eine Stunde aus einem kleinen Ort in Texas zu seiner Arbeitsstelle in Hope herüber. „Meinen Freunden sage ich nur, dass ich bei der Nationalparkbehörde arbeite, nicht wo genau.“
Die meisten Besucher kämen nicht aus Arkansas, sagt Garrett. „Es sind auch nicht mehr geworden, seit Hillary ihre Kandidatur angekündigt hat. Die Menschen in Arkansas haben meiner Meinung nach keine besonders emotionale Beziehung zu Bill und Hillary.“ Zu Weihnachten voriges Jahr hat irgendjemand das Haus angezündet, seitdem wird es renoviert und konnte monatelang nicht besichtigt werden. Ein Täter ist bisher nicht gefasst.
Das Museum in Hope ist Teil einer sogenannten „Billgrimage“, ein Wortspiel aus Bill und „Pilgrimage“ (Pilgerreise), deren Bestandteile Besucher sich in einer Broschüre abstempeln lassen können. Nächste Station: Fayetteville, etwa vier Stunden nördlich von Hope hinter den Ouachita-Bergen.
„Die mächtigste Vereinigung der Politik begann hier“, wirbt das Clinton House Museum. Nach seiner Zeit an der Elite-Universität Yale arbeitete Bill in den 70er Jahren an der Universität in Fayetteville und versuchte auch, die in Chicago geborene und aufgewachsene Hillary, die er in der Bibliothek von Yale kennengelernt hatte, nach Arkansas zu lotsen.
Der Legende nach brachte er sie einst zum Flughafen, als sie das Haus aus dem Auto erspähten. „Weißt du noch, das kleine Haus, was dir so gut gefallen hat?“, soll er bei ihrer Rückkehr gesagt haben. „Ich habe es gekauft, du musst mich also jetzt heiraten.“ Und so kam es, 1975 hinter den großen Wohnzimmerfenstern. Das weiße Kleid steht inzwischen in einer Vitrine. Noch heute heiraten immer wieder Paare hier.
18 Monate verbrachten beide gemeinsam in dem Haus, „18 sehr wichtige Monate“, wie Scott Mashburn, der für das Museum arbeitet, betont. „Hier haben sie ihre Ehe begründet, ihre Haushalte zusammengeführt und ihre politischen Karrieren gestartet.“ Bill persönlich habe auch die Fliesen vor dem Kamin verlegt. „Hillary hatte ihn darum gebeten.“ In einem Regal liegen die Gesichter der beiden als Keksausstecher. 2015 kamen rund 5.000 Besucher in das Haus, seit Hillarys Präsidentschaftskandidatur werden es immer mehr. „Manchmal erleben wir es, dass bei Ehepartnern von unterschiedlicher politischer Überzeugung einer nicht mit rein kommt.“ Gerade war ein Journalist aus Tokio da.
„Wir sind eine von beiden Parteien getragene Einrichtung und dürfen keine Stellung beziehen“, sagt die Frau an der Kassa von Bill Clintons Präsidentenbibliothek zurück in Arkansas‘ Hauptstadt Little Rock. Ein Großteil des Archivs von Clintons Präsidentschaft wird hier verwahrt, eine Vitrine zeigt das Kleid, das Hillary zu Bills erstem Einführungsball trug. „Es könnte natürlich schon sein, dass sie auch Präsident wird“, sagt ein Wärter und schaut gequält. Der Museumsshop verkauft „Ich vermisse Bill“-T-Shirts, aber auch „Hier dürfen nur Republikaner parken“-Schilder. Auf einem Tisch in der Mitte des Geschäfts liegt ein Kinderbuch: „Hillary Rodham Clinton - Manche Mädchen werden geboren, um Anführerinnen zu sein“.
Die Menschen stellten mehr Fragen zu Hillary seit ihrer Kandidatur, sagt ein junger Mitarbeiter der Bibliothek, der in einem nachgebauten Präsidentenbüro Fotos von den Besuchern macht. „Wir sollen ja nicht über Politik sprechen, deswegen sage ich ihnen dann auch nicht, wen ich wählen will. Aber wir sprechen oft darüber, wo Hillary, wenn sie denn zur Präsidentin gewählt wird, ihre Bibliothek bauen würde. Jeder Präsident hat ja eine. Manche sagen, sie würde sie in New York bauen. Aber viele sagen auch, dass dieses Gebäude hier ja eine Brücke darstellen soll - es wäre doch cool, wenn Hillary ihre Bibliothek da drüben auf der anderen Seite des Arkansas River bauen würde.“
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