Bluttat in München

Münchner Attentäter: Psychische Probleme und Amok-Phantasien

Trauernde erinnern in der Nähe des Tatorts an die Opfer.
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Neben der Leiche des 18-jährigen mutmaßlichen Amokläufers von München fand die Polizei einen Rucksack mit 300 Schuss Munition. Er wollte offenbar ein noch größeres Blutbad anrichten.

München – Es ist die Frage nach dem Warum, die die Ermittler am Samstag nach dem tödlichen Amoklauf eines 18-jährigen Deutsch-Iraners im Münchner Einkaufszentrum beim Olympiapark treibt. Neun Menschen sind tot – und auch der Täter selbst wird keine Antworten mehr liefern können. Er hat sich kurze Zeit nach der Bluttat unweit des Tatorts selbst gerichtet. „Die Obduktion ergab, dass er eine Schussverletzung im Kopf aufwies.“

Während die Nachbarn den jungen Mann, der in München geboren und dort mit seinen Eltern und seinem Bruder in Deutschland lebte, als unauffällig und nett beschrieben, soll er sich alleine in seinem Zimmer mit dunklen Gewaltphantasien beschäftigt haben: „Wir haben bei der Durchsuchung der Wohnung Unterlagen zum Thema Amok gefunden“, bestätigte der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä. Es gebe keinerlei Hinweise, dass der Mann Bezug zur Terrororganisation „IS“ (Daesh) gehabt hätte.

Polizisten am Samstag am Tatort.
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Vielmehr sollen sich die Interessen des Schülers auf die Taten Gleichaltriger gerichtet haben. Vor allem der Attentäter von Winnenden habe ihn interessiert, hieß es. Es sei wohl aber auch kein Zufall gewesen, dass der Schüler als Zeitpunkt für seinen Amoklauf den fünften Jahrestag der Anschläge von Anders Behring Breivik mit 77 Toten gewählt habe, glaubte Andrä.

Täter hatte psychische Probleme

Neben den Amok-Phantasien sei der Täter aber auch in psychiatrischer Behandlung gewesen. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bestätigte am Samstag, dass der Bursche neben massiven psychischen Auffälligkeiten wohl auch in seinem schulischen Umfeld Problem gehabt hätte. Ob er sich deshalb vor allem junge und Jugendliche Opfer ausgesucht hat, blieb zunächst unklar. Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sprach unterdessen von „Erkrankungen des depressiven Formenkreises“.

Polizeiabsperrung am Tatort.
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Der Deutsch-Iraner soll mittels eines gehackten Facebook-Accounts versucht haben, Leute mit einer gefälschten Einladung zu dem McDonald‘s-Restaurant zu locken, in dem er die Schießerei am Freitag gegen 18 Uhr eröffnete. Die Polizei überprüft derzeit die Echtheit der Meldung, geht aber davon aus, dass der Mann den Account tatsächlich missbräuchlich verwendet hat. Der Täter führte den Angaben zufolge eine illegale Pistole des Kalibers 9 Millimeter bei sich, die Seriennummer war ausgefräst. Drei seiner Opfer waren erst 14 Jahre alt, zwei 15, jeweils ein weiteres Opfer 17, 19, 20 und 45. Sie alle starben in und vor dem Restaurant oder im Einkaufszentrum, in das der Amokläufer stürmte, bevor er sich schließlich auf ein Parkdeck zurückzog. Das Innenministerium sprach von 27 Verletzten, viele davon erlitten einen Schock, einige wurden aber durch Schüsse schwer verletzt.

300 Schuss Munition im Rucksack

Auf dem Parkdeck hatte eine Zivilstreife der Polizei den Täter im Blick: „Die Beamten gaben Schüsse auf ihn ab. Bei der Obduktion hat sich aber gezeigt, dass sie nicht getroffen haben dürften.“

Im Internet kursiert ein Video, auf dem der Täter sagt, er sei Deutscher. Er sei hier aufgewachsen, erklärte er einem Mann, der ihn aus der Ferne filmt. Er habe in einem Hartz-IV-Gebiet gewohnt, sagte er auch noch, bevor er sein Gegenüber anwies, mit dem Filmen aufzuhören. Danach waren Schüsse zu hören.

Wie die Ermittlungen der Polizei, die die Spuren des Attentäters auch mit einem Mantrailer-Hund verfolgt hat, ergaben, dürfte der 18-Jährige zu diesem Zeitpunkt von der Polizei entdeckt und nach kurzem Schusswechsel geflüchtet sein.

Erst nach Mitternacht wurde die Leiche des jungen Mannes unweit des Tatortes gefunden. Neben ihm lag ein roter Rucksack mit rund 300 Schuss Munition. Die Waffe – eine 9-Millimeter der Marke Glock – war ebenfalls dabei. Der Amokläufer hat die Seriennummer ausgefräst. Woher er sie hat, steht derzeit noch nicht fest.

Trauerakt für Opfer geplant

Am Samstag waren noch 800 Polizeikräfte im Münchner Stadtgebiet im Einsatz. In den frühen Morgenstunden stürmten sie die Wohnung, in der der 18-Jährige mit seiner Familie gelebt hatte und durchsuchten sein Zimmer. Die Eltern konnten unterdessen noch nicht einvernommen werden, sie stünden unter Schock: „Auch sie haben gerade ihren Sohn verloren“, so Polizeipräsident Andrä. Kistenweise trugen die Ermittler Material aus der Wohnung im Stadtteil Maxvorstadt. Vieles müsse erst ausgewertet werden, so Robert Heimberger vom Bayerischen LKA.

Unterdessen hat die bayerische Landesregierung alle Veranstaltungen abgesagt, auch ein Festakt zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele wurde aus Pietätsgründen gecancelt. Am Tatort soll am Samstag eine Gedenkminute mit anschließender Kranzniederlegung stattfinden. Für Sonntag in einer Woche ist eine Trauerfeier im Landtag geplant. „Wir müssen aufdecken, was den jungen Täter zu dieser Wahnsinnstat getrieben hat, nur so können wir Schlüsse daraus ziehen“, bekräftigte Ministerpräsident Horst Seehofer am Samstag. Er versuchte auch, den Hinterbliebenen und den Menschen im Land Mut zuzusprechen: „Wir sind in unserer Trauer in diesen schweren Stunden nicht alleine. Aber wir müssen auch unser Leben und vor allem unsere Werte weiterleben und alles dafür tun, unsere Freiheit zu verteidigen.“

Aktuelle Entwicklungen:

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