Afghanistan

Entsetzen über IS-Doppelanschlag in Kabul mit mehr als 80 Toten

Die Selbstmordattentäter sprengten sich inmitten der Menschenmasse in die Luft.
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Wieder einmal trifft es die afghanische Hauptstadt Kabul: Zwei Selbstmordattentäter sprengen sich inmitten einer Demonstration in die Luft. Die Terrormiliz IS bekennt sich zu dem Doppelschlag.

Kabul – Der verheerende Anschlag mit mindestens 80 Toten und mehr als 230 Verletzten in der afghanischen Hauptstadt Kabul hat international Entsetzen ausgelöst. Die USA sprachen von einer „feigen Attacke“. Dass sie sich gegen friedliche Demonstranten gerichtet habe, mache sie noch verabscheuungswürdiger, hieß es in einer Erklärung des Weißen Hauses. Die USA und die internationale Gemeinschaft stünden im Kampf gegen „Kräfte, die Afghanistans Sicherheit, Stabilität und Wohlstand bedrohen“, weiter fest an der Seite des afghanischen Volkes und der Regierung.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den Terroranschlag als „verabscheuungswürdiges Verbrechen“, das sich gegen Bürger gerichtet habe, die friedlich für ihre Grundrechte eingetreten seien. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden, hieß es in einer Stellungnahme der Vereinten Nationen vom Samstag in New York weiter.

Die Detonationen ereigneten sich während einer Demonstration auf einem zentralen Platz. Dort hatten sich am Samstag zahlreiche Menschen zu Protesten gegen eine Stromleitung versammelt.
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Taliban: „Tragischer Anschlag ist Werk von Feinden“

Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier sprach von einem „furchtbaren Terroranschlag“. Es sei augenscheinlich das Ziel Attentäter gewesen, möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen und zu verletzen. „Besonders in diesen Situationen ist es wichtig, dass das Land geeint dem Terror die Stirn bietet. Dabei teilen wir die Hoffnung auf eine friedliche Zukunft des Landes“, hieß es in der Erklärung des Auswärtigen Amtes weiter.

EU-Vertreter drückten den Familien und Freunden der Opfer ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit dem afghanischen Volk aus. „Wir rufen alle Afghanen auf, geeint zu bleiben, um die Bemühungen im Kampf gegen diese globale Bedrohung zu unterstützen“, teilte ein Sprecher der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini mit.

Der Anschlag mache ihn „tieftraurig“, erklärte Afghanistans Präsident Ashraf Ghani am Samstag. Unter den Opfern seien auch afghanische Sicherheitskräfte, fügte er hinzu. Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah verurteilte den Anschlag auf Twitter: „Es zeigt, dass Terroristen und ihre Verbündeten keinen Respekt vor Menschenleben haben.“ Die US-Botschaft in Afghanistan nannte die Attacke „hinterhältig“. Unschuldige seien ums Leben gekommen, die mit einer friedlichen Demonstration ihre Grundrechte ausgeübt hätten.

Die Jihadistenorganisation IS (Daesh) erklärte über ihre Agentur Amaq (Amak), zwei ihrer Anhänger hätten Sprengstoffgürtel gezündet. Die radikalislamischen Taliban teilten indes mit, sie hätten mit diesem „tragischen Anschlag“ nichts zu tun. Er sei das Werk von Feinden.

Demonstrant vermutete Minen-Explosion

Laut der Organisatoren der Demonstration hatten sich mehr als 10 000 Menschen auf einem zentralen Platz versammelt, um gegen die Verlegung einer geplanten Hochspannungsleitung zu demonstrieren. Die Attentäter sprengten sich demnach inmitten der Menschenmenge in die Luft. Ein Demonstrant, der sich in der Nähe aufgehalten hatte, sagte: „Erst dachten wir, das sei eine Minen-Explosion, aber als ich das Areal erreichte, wurde mir klar, dass es eine Selbstmordattacke war.“ Er veröffentlichte ein Video auf Facebook, das den Platz mit zahlreichen blutüberströmten Opfern zeigte.

Die Demonstranten am Samstag forderten nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, dass die von Turkmenistan nach Kabul geplante Hochspannungsleitung auch durch zwei überwiegend von Hazaras bewohnten Provinzen geführt werden soll. Die Regierung lehnt dies mit der Begründung ab, das Projekt würde dadurch deutlich teurer und langwieriger. Die Versorgung der beiden Provinzen sei auch so gesichert. Außerdem könnte es Spannungen mit anderen Provinzen geben, wenn sich deren Stromversorgung verzögert.

Die Hazara sind eine persischsprachige Minderheit und stellen mit etwa neun Prozent der Bevölkerung die drittgrößte Minderheit nach den Paschtunen und den Tadschiken. Sie wurden jahrelang diskriminiert. Während der Herrschaft der Taliban wurden Tausende Hazara getötet. Sie sind zumeist schiitische Muslime. Die Mehrheit in Afghanistan sind Sunniten. Auch der IS ist eine sunnitische Gruppierung. (APA/Reuters/AFP/dpa)