Salzburger Festspiele - „Jedermann“: Publikumshit mit Wetterpech

Salzburg/Wien (APA) - Zum zweiten Mal in Folge war der Premiere des „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen kein Wetterglück beschert. An...

Salzburg/Wien (APA) - Zum zweiten Mal in Folge war der Premiere des „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen kein Wetterglück beschert. Angesichts des Regens musste die Inszenierung des Regieduos Julian Crouch und Brian Mertes am Samstag wie im Vorjahr ohne den Dom als Kulisse auskommen und ins Festspielhaus flüchten. Der Wolkenbruch tat dem Zuspruch aber keinen Abbruch, gab es am Ende doch stehende Ovationen.

Natürlich verliert die Inszenierung im Festspielhaus einen guten Teil ihres Charakters als Straßentheater, das an mittelalterliche Passionsumzüge anknüpft. Auch in der mittlerweile vierten Saison passt das bunte Treiben aus Puppen, Masken und Musikanten besser an die frische Luft als ins geschlossene Ambiente - wie bei einem Pinguin, der auch an Land zurechtkommt, aber erst im Wasser seine volle Eleganz entfaltet. Der Spielwitz und die gelungenen Regieideen behalten jedoch auch im Festspielhaus ihre Gültigkeit. Und an intimen, ruhigen Momenten gewinnt das Spiel um das Sterben des reichen Mannes im Haus sogar.

Hier schlägt die große Stunde von Cornelius Obonya, der auch in seinen vierten Festspielen als Jedermann mal exaltiert in Theatermanier, dann wieder zart und zerbrechlich in seiner Verzweiflung das Leiden seiner Figur verkörpert. Weniger einprägsam fiel da das mit Spannung erwartete Debüt der neuen Buhlschaft an seiner Seite aus.

Die gebürtige Linzerin Miriam Fussenegger ist mit ihren 25 Jahren die zweitjüngste Buhlschaft nach Grete Zimmer 1946, die nur 23 Lenze zählte. Entsprechend unbedarfter ist ihre Geliebte des reichen Mannes im Verhältnis zur wuchtigen Energie einer Brigitte Hobmeier als unmittelbare Vorgängerin. Fussenegger interpretiert die 50 Verszeilen, die Hugo von Hofmannsthal ihrer Figur zugedacht hat, mit neckischem Charme, aber ohne Ecken und Kanten.

Die junge Oberösterreicherin ist dabei nicht der einzige Neuzugang im „Jedermann“-Ensemble. Auch der Schweizer David Bennent, legendär in seiner Rolle des Oskar Mazerath in Volker Schlöndorffs „Die Blechtrommel“, debütiert heuer in Salzburg. Er verlieh seinem Mammon am Samstag eine neue Unbestimmtheit, einen hybriden Charakter, der die Figur um Dimensionen erweiterte.

Zugleich lieferte die altgediente Garde verlässliche Höchstleistung. Peter Lohmeyer überzeugte wieder als androgynes Luftwesen: Ein Tod, nicht von dieser Welt. Christoph Franken gibt erneut einen an widerlicher Schmierigkeit keine Wünsche offen lassenden Teufel, während Sven Dolinski als Jedermanns Gesell die Lacher und damit Sympathien auf seiner Seite hat.

Mit der gestrigen „Jedermann“-Aufführung - der 656. im Rahmen der Festspiele - ist das Schauspielprogramm der Festivalausgabe 2016 eingeläutet, auch wenn die offizielle Eröffnung erst am 28. Juli ansteht. Bis zum 28. August ist Hugo von Hofmannsthals Klassiker nun zwölf weitere Male am Domplatz zu sehen - oder wieder im Großen Festspielhaus, sollte der Himmel abermals seine Schleusen öffnen.

(S E R V I C E - „Jedermann“ von Hugo von Hofmannsthal bei den Salzburger Festspielen in der Regie von Julian Crouch und Brian Mertes. Bühne/Maske/Puppen: Julian Crouch, Kostüme: Olivera Gajic, Musikalische Leitung des Ensembles 013: Martin Lowe. Mit Cornelius Obonya - Jedermann, Miriam Fussenegger - Buhlschaft, Peter Lohmeyer - Tod, Christoph Franken - Teufel, David Bennent - Mammon, Johanna Bantzer - Gute Werke, Hans Peter Hallwachs - Der Glaube, Julia Gschnitzer - Jedermanns Mutter, Sven Dolinski - Jedermanns guter Gesell, Hannes Flaschberger - Dicker Vetter, Stephan Kreiss - Dünner Vetter, Fritz Egger - Ein Schuldknecht, Eva Herzig - Des Schuldknechts Weib, Johannes Silberschneider - Ein armer Nachbar, Sigrid Maria Schnückel - Der Koch, Nikolaus Rucker - Gott. Weitere Aufführungen am 26. und 29. Juli sowie am 3., 6., 9., 13., 16., 19., 21., 24., 27. und 28. August. www.salzburgerfestspiele.at/schauspiel/jedermann-2016)