Zum Umarmen: Neil Young berührte und donnerte auf der Burg Clam
Klam (APA) - Neil Young hätten am Samstag wohl sehr viele Besucher seines Konzertes auf der Burg Clam gerne umarmt und fest gedrückt. Man mu...
Klam (APA) - Neil Young hätten am Samstag wohl sehr viele Besucher seines Konzertes auf der Burg Clam gerne umarmt und fest gedrückt. Man muss dem Kanadier einfach dankbar sein: Der Mann hat eine Agenda, großartige Songs, einen wunderbaren Spleen - und er kann mit ganz zarten Tönen berühren, um dann wie ein Orkan zu donnern. Ein echtes Gewitter beendete die Darbietung nach „nur“ 2,5 Stunden frühzeitig.
„Komm ein bisschen näher, hör was ich zu sagen habe“, heißt es im melancholisch-verträumten Song „Harvest Moon“. Dieser stand im - um es vorwegzunehmen: grandiosen - Gastspiel Youngs auch am Programm. Das zahlreich angereiste Publikum kam der Aufforderung tatsächlich nach: Es hörte bei den sanften Stücken zu und tratschte nicht. Austoben konnte man sich ohnehin bei den furiosen elektrifizierten Nummern. Wie einst mit Pearl Jam auf dem Domplatz in Salzburg präsentierte sich Young mit seiner jungen Begleitband Promise Of The Real angestachelt: So durfte man Klassiker erleben, aber auch die eine oder andere Österreich-Premiere.
„Earth“ heißt das aktuelle Album, „Earth“ steht am T-Shirt des unermüdlichen 70-Jährigen, dessen Instrumente an diesem Abend wesentlich gezeichneter wirken von bewegten Jahren als er selbst. Ein „Neil Young Village“, in dem Umweltgruppen und Globalisierungsgegner ihre Stände aufgebaut haben, begrüßt und informiert die Fans beim Einlass in das gediegene Clam-Ambiente. Biobäuerinnen verteilen auf der Bühne Saatgut, später stören Mitarbeiter von Agrarkonzernen in weißen Schutzanzügen die Idylle - sie versprühen „Pestizide“. Neil Young hatte da schon seine Botschaft angebracht: Die solo an der Orgel besungene „Mother Earth“ leidet. Mehr braucht es schon nicht mehr an Aktionismus.
Fast sakrale Atmosphäre zu Beginn: Young startete alleine, am Klavier sitzend, die Mundharmonika umgeschnallt, mit der Öko-Hymne „After The Gold Rush“. Nach dem Griff zur akustischen Gitarre folgten „Heart Of Gold“ und „The Needle And The Damage Done“ mit viel Gefühl und toller Stimme. Zu „Out On The Weekend“, einem weiteren Stück aus dem Erfolgsalbum „Harvest“, gesellte sich die Band um die Willie-Nelson-Söhne Lukas und Micah dazu. Dass die Musiker nicht nur technisch einiges drauf, sondern auch das richtige Feeling für die Arbeit ihres „Onkels“ Neil haben, bewiesen sie erstmals so richtig bei „Only Love Can Break Your Heart“, da schmiegten sich die Harmonien und Gitarrenklänge so herrlich eng aneinander, dass der Chef breit grinsen musste.
Ausgerechnete beim letzten Europa-Konzert der sommerlichen „Rebel Content Tour“ gab es mit „Tumbleweed“ ein Live-Debüt. Young spielte dazu Ukulele - ein solches Instrument aus Plastik, von seinem Vater Scott gekauft, war übrigens sein erstes - und untermauerte, dass man auch auf seinen schlechteren Alben (in diesem Fall „Storytone“) solide Songs findet. Nach 15 hochkarätigen Tracks steuerte der Meister zu den immer häufiger zuckenden Blitzen den Donner bei: Die „Old Black“, die legendäre Les Paul Gitarre, wurde umgehängt und malträtiert, eine 20-minütige Version von „Love To Burn“ erschallte als Höhepunkt der Show. Promise Of The Real mögen vielleicht nicht so lässig schlampig und ganz so massiv wie die altgedienten Crazy Horse agieren, aber sie brachten deren Material perfekt rüber: „Mansion On The Hill“, „Powderfinger“ und „Down By The River“ am Stück boten viel Platz für ausufernde Gitarrenduelle und ordentlichen Groove.
Den Schlusspunkt setze „Rockin‘ In The Free World“. Obwohl man Young über eine Unwetterwarnung informiert und zum Kürzen der Setlist aufgefordert hatte, wollte der ewige Querkopf genauso ungern wie seine Fans zum Ende kommen - immer wieder setze er noch einmal an: „Keep on rockin‘ in the free world!“ Die Welt braucht mehr Neil Youngs.
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