US-Präsidentschaftswahl

US-Demokraten laden zu den Hillary-Festspielen in Philadelphia

Hillary Clinton mit ihrem Vizepräsidentschaftskandidaten Tim Kaine.
© imago/UPI Photo

Hillary Clinton will endlich zurück ins Weiße Haus. Der Nominierungsparteitag in Philadelphia ist auf diesem Weg nur eine Station, auf der sie Kraft und Zuversicht tanken will.

Von Michael Donhauser, dpa

Philadelphia - Die Trump-Show in Cleveland ist vorbei. Vorhang auf für die Hillary-Festspiele. Vier Tage wird von Montag an die Demokratische Partei der Vereinigten Staaten sich selbst und ihre mutmaßliche Kandidatin feiern. Am Ende wird Hillary Clinton von Philadelphia aus hinausziehen, um mit vergleichsweise seriöser Politik den schrillen Donald Trump zu schlagen. Und als erste Frau das Amt des US-Präsidenten zu übernehmen. 4.765 Delegierte aus 50 Bundesstaaten, fünf Außengebieten und der Hauptstadt Washington werden abstimmen. Dass es für Clinton nicht reichen könnte, hat niemand auf dem Zettel.

Sanders machte den Vorwahlkampf länger als geplant

Als der Vorwahlkampf im vergangenen Jahr seinen Anfang nahm, war Hillary Clinton bei den Demokraten gesetzt. Das Feld der Bewerber klein, ein anderer Ausgang als die Nominierung der erfahrenen Ex-Außenministerin, Ex-Senatorin und Ex-First-Lady nicht vorstellbar. An ihrem Widersacher Bernie Sanders lag es dann, dass es doch eng wurde. Und, wie viele behaupten, auch an Clinton selbst. Die Amerikaner mögen sie nicht, ihre Beliebtheitswerte in Umfragen sind kaum besser als die ihres hochumstrittenen republikanischen Widersachers Trump.

Insgesamt sind die Meinungsforscher derzeit nicht gerade Clintons Freunde. Die ersten Umfragen sehen Trump landesweit vorne. Das bedeutet im amerikanischen Wahlsystem nicht viel, kommt es doch auf die Swing States an. Aber auch da deuten sich erste Verwerfungen an. In Iowa etwa führt Trump und offenbart Clintons Problem vor allem bei jungen Wählern, wie eine Umfrage der Monmouth University ergab. „Iowa könnte das erste Anzeichen für einen Push für Trump im Mittleren Westen sein“, sagte Monmouth-Chefdemoskop Patrick Murray.

Clinton wird mit dem Establishment verbunden

Clinton wird in den USA als das gesehen, was in diesem Wahlkampf das schlimmste überhaupt zu sein scheint: ein Teil des politischen Establishments. Der Autor Simon Head hat in seinem Buch „Das System Clinton“ veranschaulicht, mit welch komplexen Geflechten die Zugkraft des Ex-Präsidenten BillClinton für die Wahlkampfzwecke seiner Ehefrau genutzt wird. Meist sind es Banken oder große Unternehmen, die große Geldbeträge für einen Auftritt des Ex-Präsidenten zahlen.

Die Demokraten sind nach fast acht Jahren Präsidentschaft von Barack Obama nicht in bester Verfassung. Gerade erst haben neue E-Mail-Enthüllungen der Plattform Wikileaks offengelegt, wie stark die Nerven blank zu liegen scheinen. Sogar direkte Versuche der Einflussnahme auf Medien seitens Parteichefin Debbie Wasserman Schultz, einer Clinton-Anhängerin, hat es offenbar gegeben.

Veranstaltungsort als Signal

Hillary Clinton, von ihrer parteiinternen Niederlage gegen Obama im Jahr 2008 genesen, hat den Ort für „ihren“ Parteitag mit Bedacht gewählt. Der Name Philadelphia ist in den Vereinigten Staaten eng mit der Verfassung verbunden, die dort 1787 vorgestellt wurde. Die Freiheitsglocke, mit der elf Jahre zuvor die Unabhängigkeit eingeläutet worden war, ist noch immer zu besichtigen.

Clinton wird von ihren Kritikern mit dem „schlechten Amerika“ in Verbindung gebracht, mit der Macht des Geldes, Korruption und Machtspielen. Sie will dieses Bild korrigieren und an das gute Amerika erinnern - an Werte wie Freiheit, dem Kampf für Entrechtete und für Minderheiten. Das soll auch der Parteitag widerspiegeln, wenn es etwa am zweiten Tag um benachteiligte Familien und Kinder geht.

Auch die Auswahl des Vizepräsidenten-Kandidaten, bei der sie dem moderat-blassen Tim Kaine den Zuschlag gab, geht in diese Richtung. Das Philadelphia der Demokraten wird wohl weniger Show als das Cleveland der Republikaner. Weniger Cowboyhüte, weniger Luftballons - dafür ein bisschen mehr Inhalte.