Raiders-Titelverteidigung: Viel Licht, wenig Schatten
Für die Footballer der Swarco Raiders endete die Saison 2016 mit der AFL-Titelverteidigung. Nicht nur deshalb fällt die Gesamtbilanz 2016 positiv aus.
Von Alois Moser und Daniel Suckert
Innsbruck –Höhepunkte, Rückschläge, etwas zum Nachdenken – die abgelaufene Saison der Raiders bot alles. In Österreich musste die Truppe von Headcoach Shuan Fatah die Konkurrenz nicht fürchten – international (Big6) blieb der erhoffte große Wurf aber erneut aus.
Titelverteidigung: Der erfolgreiche Auftritt am Samstagabend in Klagenfurt in der Austrian Bowl war eines der großen Raiders-Saisonziele. Mit der 51:7-Machtdemonstration gegen die Graz Giants zeigten die Tiroler erneut, warum sie in der Austrian Football League das Maß der Dinge sind. Nur eine Niederlage gegen Graz trübte die Bilanz in der heimischen Liga. Der aufstrebende Finalgegner aus der Steiermark könnte auch im kommenden Jahr der erste Herausforderer sein, da sich die Vienna Vikings weiterhin im Umbruch befinden.
Eurobowl: Alles war in der Big6 für Tirols Footballer angerichtet – ein Heimauftritt am Tivoli, und mit Braunschweig kam jener Gegner, der den Innsbruckern schon im Jahr zuvor in der Gruppenphase die Suppe versalzen hatte. Doch vor knapp 5000 Zuschauern gab es für die Fatah-Truppe erneut kein Happy End. Mit dem 21:35 zog man klar den Kürzeren gegen das deutsche Ausnahmeteam.
Eine Woche zuvor hatte man noch mit dem Sieg gegen ein US-College Selbstvertrauen tanken können. Doch in der 30. Auflage der Eurobowl wurde es nichts mit dem anvisierten Ziel, die Kristall-Trophäe zurück in die Tiroler Landeshauptstadt zu holen.
Nachwuchs: Ohne einen großen Kader wäre das Mammutprogramm wohl nicht zu bewältigen. Als Topteam der Liga dürfen die Raiders nur zwei US-Importe einsetzen. Umso wichtiger ist eine konsequente Nachwuchsarbeit. Paradebeispiel für den starken Talenteschuppen ist Sandro Platzgummer. Der 18-jährige Running Back, vor dem Finale in Klagenfurt erneut als „Youngstar“ der Liga ausgezeichnet, ist mit seinen Läufen eine der schärfsten Waffen im Raiders-Arsenal. Aber auch Bruder Adrian oder Tobias Bonatti, die beide gegen die Giants punkteten, sind aus dem Nachwuchs-Reservoir der Raiders hervorgegangen.
Von den Legionären tat sich einmal mehr Quarterback Sean Shelton hervor. Der US-Amerikaner, mit seinen Würfen Gehirn der heimischen Offensive, wurde nicht ohne Grund zum MVP, zum wertvollsten Spieler der Saison und des Finales, gekürt.
Amateurstatus: Es ist weniger ein Raiders-Problem, mehr eine Thematik für die gesamte AFL. Wenn man bedenkt, dass man im Tiroler Fußball-Unterhaus bereits in unterklassigen Ligen eine finanzielle Zuwendung bekommt, wirkt es kurios, dass dies in einer so körperbetonten Sportart kein Thema ist. „War es noch nie und wird es auch nie sein“, sprach der scheidende Manager Peter Schwazer Klartext.
Dass auf der anderen Seite der Football-Kalender so voll wie noch nie war, hat junge Leistungsträger wie Clemens Erlsbacher ins Grübeln gebracht – und das erscheint verständlich. Zu groß ist die Verletzungsgefahr im Sport mit dem „Eierlaberl“. Da muss die Liebe zum Spiel schon extrem groß sein, um über diese Tatsache hinwegzublicken. Das Profi-Dasein bleibt ein Wunschdenken. Eine Tatsache, die auch AFBÖ-Präsident Michael Eschlböck bedauert, die aber auch er nicht ändern kann.
Zepterübergabe: Nach fünf Jahren als Manager der Raiders gibt Schwazer das Zepter an seinen Nachfolger Gerwin Wichmann weiter. Der Doktor der Volkswirtschaft, der sich beruflich anders orientieren möchte, hinterlässt einen wohlgeordneten Verein. In Zukunft will der Innsbrucker, der bei den Raiders vor seiner Managertätigkeit als Offensive Lineman die Knochen hinhielt, seinen Verein von der Tribüne aus unterstützen. Für den 35-Jährigen könnte sich aber noch ein anderes Betätigungsfeld auftun: Bei der Finalgala zeigte Schwazer seine Fähigkeiten als Experte im hauseigenen Sender.
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