Extravaganz und Sinnlichkeit
Erl – Experimentierfreudige Saxophon-Quartette, die mit dem Irritieren von Hörgewohnheiten kokettieren, gibt es zuhauf. Soll es aber zur Ext...
Erl –Experimentierfreudige Saxophon-Quartette, die mit dem Irritieren von Hörgewohnheiten kokettieren, gibt es zuhauf. Soll es aber zur Extravaganz gereichen, dann reduziert sich das Angebot gewaltig. Das deutsche Signum Saxophone Quartet mit Blaž Kemperle (Sopran), Erik Nestler (Alt), Alan Lužar (Tenor) und Guerino Bellarosa (Bariton), das am Dienstag bei den Tiroler Festspiele in Erl zu hören war, darf man allerdings in der Kategorie „Außergewöhnlich“ verorten. Mit J. S. Bachs „Italienisches Konzert“ zum Auftakt, nicht bloß „Krach“ gemacht, nur um vorgefasste Klangbilder zu zertrümmern. Lupenreine Intonation, Brillanz, virtuose Technik, alles fokussiert auf Tiefgang, ließen freudigste Erwartungen aufkommen.
Dass Bach swingt, auch das bekam man ganz unaufdringlich vermittelt. Hinein in den „Tango Virtuoso“ für vier Saxophone von Thierry Escaich. Alles fordernde komplexe Dialoge, mehr Tango für den Kopf als für die Beine. György Ligetis „Sechs Bagatellen“ für Saxophon-Quartett zeigten, wie packend das zügellose Erkunden eines melodischen, rhythmischen und harmonischen Kunstwerkes sein kann. Das beispielhafte Beziehungssystem, die fortwährende Bewegtheit, die packende Dramatik – Signum zeigten das betörend.
Astor Piazzollas „Le Grand Tango“ für Violoncello und Saxophon-Quartett mit dem Wiener Matthias Bartolomey am Cello: Lebendiger, zeitgemäßer, mitreißender kann man Tango wohl kaum spielen. Bartolomeys warmer, blühender, zupackender Ton hatte auch alle Voraussetzungen für Ottorino Respighis spätromantisches Schwärmen „Il tramonto“ und J. Haydns Cello Konzert Nr.1 in C-Dur. Sinnliche Verführung pur. (hau)