„Parallelwelten in der Pflege sind unsäglich“
Innsbruck – Die Petition, die dieser Tage in der Landtagsdirektion eingebracht wurde, hat große Aussicht auf Behandlung im zuständigen Aussc...
Innsbruck –Die Petition, die dieser Tage in der Landtagsdirektion eingebracht wurde, hat große Aussicht auf Behandlung im zuständigen Ausschuss. Es geht darum, dass die ambulante Versorgung von Menschen mit Unterstützungsbedarf in Tirol verbessert werden soll.
Die Sachwalterschaft Tirol hat die Forderung eingebracht. „Es geht darum, dass pflegebedürftige Menschen überwiegend zu Hause betreut werden. Oft übersteigen die Kosten für die Betreuung die finanziellen Mittel der Betroffenen“, erläutert Bereichsleiter Michael Fill. Derzeit sei die Situation unbefriedigend geregelt: „Wenn die Pflegebedürftigen in einer stationären Einrichtung sind, übernimmt das Land Tirol die Finanzierung, wenn die Eigenmittel fehlen“, erläutert Fill. Er weiß aus Erfahrung, dass oft fehlendes Geld dafür verantwortlich ist, dass Hilfsbedürftige nicht mehr in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. „Würden hier die gleichen Unterstützungen wie in Heimen angewandt, würden sich viel mehr Menschen in der Lage sehen, zuhause zu pflegen“, erklärt Fill. Die fehlenden Mittel im Falle häuslicher Pflege könnten über die Mindestsicherung bereitgestellt werden. In Vorarlberg sei die Gleichstellung von stationären und ambulanten Angeboten bereits erfolgt.
In der Petition wird aber auch darauf hingewiesen, dass die Ausweitung der Unterstützung im privaten Bereich von Rahmenbedingungen flankiert sein müsste. „Es braucht in jedem Fall ein Unterstützungssystem für pflegende Angehörige“, so Fill. Auch müsse sichergestellt sein, dass das Geld für den Pflegebedürftigen verwendet wird. „Es kann nicht sein, dass das Pflegegeld für das Auto des Enkels verwendet wird“, spitzt Fill die Thematik zu.
Unterstützung erfährt er auch durch Caritas-Direktor Georg Schärmer. Diesem ist es schon lange ein Dorn im Auge, dass in Tirol „Parallelwelten in der Pflege existieren“. Das sei „unsäglich“, findet Schärmer. Er weist darauf hin, dass 70 bis 80 Prozent der Hilfsbedürftigen in Tirol zuhause gepflegt werden. „Die Pflege ist eine Großbaustelle. Binnen 30 Jahren werden in Österreich eine Million Menschen pflegebedürftig sein“, so Schärmer. Es sei hoch an der Zeit, stationär und ambulant zu verschränken und nicht gegeneinander auszuspielen. Die Petition kann unter www.tirol.gv.at unterstützt werden. (pla)
(Kürzwel)