„Jedermann“-Obonya tut für Salzburger Kinderhospiz ein gutes Werk
Salzburg (APA) - Cornelius Obonya, „Jedermann“-Darsteller bei den Salzburger Festspielen, tut ein gutes Werk für „Papageno“, das mobile Kind...
Salzburg (APA) - Cornelius Obonya, „Jedermann“-Darsteller bei den Salzburger Festspielen, tut ein gutes Werk für „Papageno“, das mobile Kinderhospiz in Salzburg. Der Schauspieler hält zugunsten dieser Hilfsorganisation, die auf Spenden angewiesen ist, am 20. August in der Salzburger Residenz eine heiter-nachdenkliche Lesung unter dem Titel „Kommt, wer redet ist nicht tot - Verschiedenes zum Leben“.
Das mobile Kinderhospiz in Salzburg wurde erst im Mai 2015 nach fünfjähriger Vorbereitungszeit gegründet. „Unser großer Wunsch war es, dass die betroffenen Kinder möglichst lange zu Hause bleiben können“, erklärte die Obfrau der Hospiz-Bewegung Salzburg, Maria Haidinger, Gynäkologin und ehemals Gesundheitslandesrätin, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.
Seit der Gründung des mobilen Kinderhospizes hat das „Papageno“-Team zwanzig Kinder mit lebenslimitierenden, unheilbaren Krankheiten und auch ihre Familien betreut und unterstützt. Nur zwei davon sind an Krebs erkrankt. Es handelt sich großteils um Kinder mit schweren körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen, sie leiden an angeborenen, schweren Stoffwechselerkrankungen oder neurodegenerativen Erkrankungen. Acht Kinder sind bereits verstorben.
„Die größte Gruppe unserer Patienten sind Säuglinge und Kleinkinder unter dem 3. Lebensjahr. Kinder, die sich meist nie so weit entwickeln werden, dass ein Besuch in der Eltern-Kind-Gruppe, auf dem Spielplatz, in einem Kindergarten oder in der Schule möglich sein wird“, schilderte die Palliativ-Kinderärztin des „Papageno-Teams“, Regina Jones. Sie ist Oberärztin für Kinder- und Jugendheilkunde an der Uniklinik Salzburg.
Für die betroffenen Kinder gebe es im Gegensatz zu krebskranken Kindern keine öffentliche Aufmerksamkeit, erklärte Jones. „Wir wollen deshalb auch Sprachrohr für diese Familien sein.“ In Deutschland werde keines dieser Kinder ohne einer 24-Stunden-Betreuung aus dem Spital entlassen, gab die Ärztin zu bedenken. Die Kinder in Salzburg werden - auch zur Entlastung der Eltern - stundenweise in der Woche betreut. Mit im Team sind außer Jones auch Palliativpflegekräfte, Atemphysiotherapeuten, ehrenamtliche Kinder-Hospiz Begleiterinnen und Sozialarbeiter. Sie selbst fahre zu einer Familie auch vier- bis sechsmal in der Woche, erklärte Jones.
Die Kosten von 160.000 Euro, die pro Jahr anfallen, werden hauptsächlich aus Spendengeldern und durch Benefizveranstaltungen finanziert. In diesem Jahr habe das Land Salzburg 36.400 Euro aus dem Salzburger Gesundheitsfonds zur Abdeckung der Kosten von Jones zur Verfügung gestellt, sagte Haidinger. Sie hegte die Hoffnung, dass das Land im nächsten Jahr wieder einen Zuschuss leistet, und dass es wegen des großen Bedarfes zur geplanten Installierung eines zweiten Teams im Gebirge in enger Zusammenarbeit mit dem Kinderspital Schwarzach im Pongau auch noch mehr Geld fließen lässt.
Für die betroffenen kleinen Patienten, die vorwiegend ans Bett gebunden sind, hat es bisher keine Lobby gegeben. Obonya wunderte sich darüber, dass eine Kinder-Hospizbewegung „in unserer Gesellschaft immer noch um eine Finanzierung kämpfen muss“. Die Begleitung der Kinder auf ihrem letzten Weg solle „mehr als menschenwürdig sein“, betonte er.
Wie schwierig der Umgang mit dem Thema ist, veranschaulichte Obonya an einem Beispiel. Er erzählte, dass er es seit der Geburt seines mittlerweile zehnjährigen, gesunden Sohnes nicht erträgt, wenn er im Fernsehen oder Kino sieht, wie Kindern Fürchterliches widerfährt. „Ich ertrage es nicht. Ich schalte weg.“ Die Familien von Kindern mit lebenslimitierenden Krankheiten sollten nicht stigmatisiert werden. „Das ist kein Kriegsfall. Das ist Normalität.“ Wie ein vermeintlich Außensteher sich da einbringen kann? Obonya verwies auf die Nachbarschaftshilfe als Anknüpfungspunkt: „Einen Obstkorb vorbeibringen.“
Um nicht abzuschalten und um einen Beitrag zu leisten, dass Kindern mit lebenslimitierenden Krankheiten bestmöglich geholfen wird, habe er gerne seine Hilfe zugesagt, sagte Obonya. Die Lesung habe er schon seit längerem im Programm. „Der Titel erschien mir passend.“ Ausgewählt wurden verschiedene Texte, zu hören sind auch Zitate aus Gedichten von Gottfried Benn und Satirisches von Ephraim Kishon. Die Eintrittskarte für die Lesung um 20 Uhr kostet 75 Euro inklusive Getränke und Fingerfood des Gastronomen Josef Gassner. Musikalisch begleitet wird der Abend von dem gebürtigen Salzburger Instrumentalmusiker Herb Berger. Er zählt zur österreichischen Jazz-Elite.
Der Name für das mobile Kinder-Hospiz wurde deshalb von der Figur des lustigen Vogelfängers „Papageno“ in Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ abgeleitet, weil die Hospizbewegung den Kindern und deren Angehörigen genauso verlässlich zur Seite stehen wolle wie „Papageno“ dem Helden Tamino, wurde bei der Pressekonferenz erklärt. Das mobile Kinderhospiz ist ein Gemeinschaftsprojekt der Hospiz-Bewegung Salzburg und der Caritas Salzburg.
(S E R V I C E: Kartenvorverkauf: Hospiz-Bewegung Salzburg. Telefon: 0662/822310. E-Mail: info@hospiz-sbg.at)
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