Die Erde ist erschöpft: Ressourcen für das Jahr sind verbraucht
Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse. Jedes Jahr sind die natürlichen Ressourcen des Planeten früher verbraucht.
Innsbruck – Überall auf dem Erdball produziert die Menschheit über ihre Verhältnisse: Sie verschwendet Wasser, rodet Wälder, verschmutzt die Luft. Diese Spirale dreht sich jedes Jahr schneller – mittlerweile sogar so schnell, dass die Natur die natürlichen Ressourcen längst nicht mehr nachproduzieren kann.
Die Natur ist erschöpft: Der Tag, an dem die natürlichen Ressourcen für das ganze Jahr aufgebraucht sind, fällt jährlich früher. Heuer auf den 8. August. 2015 war er noch fünf Tage später. Der „Earth Overshoot Day – Welterschöpfungstag“ soll auf das eklatante Ungleichgewicht aufmerksam machen. Das Datum wird jeweils vom „Global Footprint Network“ neu berechnet.
Wie rücksichtslos der Raubbau mittlerweile betrieben wird, zeigt sich auch deutlich im Jahresvergleich. Vor 30 Jahren fiel der Welterschöpfungstag noch auf den 19. Dezember. Um keine „Ökoschulden“ mehr zu machen, bräuchte die Menschheit mittlerweile 1,6 Erden.
Österreicher verbrauchen rücksichtslos
Besonders erschreckend: Die reichsten Länder verprassen das Zehnfache der ärmsten Länder. Österreich befindet sich im unrühmlichen Spitzenfeld: Die Alpenrepublik hat das Ende der natürlichen Ressourcen heuer schon am 17. April erreicht. Würde jeder Erdenbürger so rücksichtslos mit der Erde umgehen wie wir, bräuchten wir bereits 3,3 davon, um unseren Ressourcenbedarf zu decken.
„Während die Erde gleich groß bleibt, wachsen ihre Bevölkerung und deren Bedürfnisse stetig. Wir leben heute, als hätten wir die Ressourcen mehrerer Erden zur Verfügung“, schreibt die Umweltorganisation WWF. Würde jeder Erdenbürger wie ein Durchschnittsamerikaner leben, bräuchten wir sogar fünf Erden, hat „Global Footprint“ ausgerechnet.
Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass die Weltbevölkerung in den nächsten 30 Jahren auf sieben Milliarden anwachsen wird, weil die medizinische Versorgung weltweit immer besser wird und die Lebenserwartung steigt. Dadurch nimmt aber auch die Nachfrage nach Energie, Lebensmitteln oder anderen Konsumgütern, für die die natürlichen Ressourcen der Erde herangezogen werden müssen, zu.
Fußabdruck verringern
Die Folgen sind unübersehbar: Artensterben, Wassermangel, Klimawandel. Aber nicht nur ökologische Krisen nehmen zu. Soziale Spannungen und zunehmende Migrationsbewegungen sind ebenfalls der Ausbeutung natürlicher Ressourcen geschuldet.
Der dringend notwendige Wendepunkt wäre aber denkbar einfach zu erreichen, wie Experten vorrechnen: Alleine ein Umstieg auf pflanzliche Produkte bzw. eine starke Reduktion des Fleischkonsums könnte den ökologischen Ernährungs-Fußbabdruck um ein Viertel verringern. Der Wechsel zu Ökostrom hat sogar das Potenzial, den Stromverbrauch um 90 Prozent reduzieren zu können. Dazu der WWF: „Wir alle haben es in der Hand, unseren Planeten nicht weiter zu erschöpfen. Es gibt tausend Möglichkeiten.“ (rena)
Weltweite Grafik zum Ressourcenverbrauch
http://www.footprintnetwork.org/ecological_footprint_nations/