Chinesen unter Osttiroler Schirmherrschaft
Kunststudentin Kathi Zanon machte während ihres Austauschjahres in China mit einer Sonnenschirm-Aktion von sich reden. Auch an der Biennale in Shanghai nahm sie teil.
Von Peter Unterweger
Lienz, Kanton –Katharina „Kathi“ Zanon studiert Kunst an der Uni Linz. Ein Jahr verbrachte sie als Austauschstudentin in China. An der Universität in Kanton sammelte sie in der Klasse „experimental arts“ künstlerische Erfahrungen – und auf Reisen durch das Land der Mitte faszinierende Eindrücke vom Leben der Chinesen. Zwei Kunstprojekte präsentierte Zanon in China. Und ihre Arbeit wurde auf der Kunstbiennale in Shanghai gezeigt.
11 Millionen zählt die Stadt Kanton im Süden Chinas, jetzt ist die 26-Jährige wieder zurück in ihrem Heimatort Leisach, wo 745 Personen leben. Für ihre künstlerische Arbeit ließ sich Zanon von Land und Leuten inspirieren: „Chinesinnen haben immer einen Sonnenschirm mit, es ist nach dem Smartphone das zweitwichtigste Objekt für eine Frau“, beobachtete sie. Weiße Haut gilt als Schönheitsideal in China, ein Schirm ist da bei dem subtropischen Klima ein wichtiges Schutzmittel, wenn die Sonne herunterbrennt. Die Künstlerin entwickelte ein Objekt, bestehend aus vielen Schirmen, welche die Trägerin vollkommen einhüllen. So „total abgeschirmt“ spazierte Zanon durch belebte Straßen und Plätze in verschiedenen Städten Chinas. Als höchst unterschiedlich beschreibt sie die Reaktionen der Menschen: In Peking wurde sie meist ignoriert. In Kanton hingegen stieß ihre Aktion auf großes Interesse. „Immer wieder versuchten Leute hinter das Objekt zu schauen, sie waren neugierig, wer da dahintersteckt“, schildert die Künstlerin. Hilfreich waren dabei ihre chinesischen Kollegen, die sie begleiteten, um die Aktionen mit Fotos zu dokumentieren. Wiederholt wurde Zanon nämlich von der Polizei gestoppt. Den sprachkundigen Studienfreunden gelang es, die Situation aufzuklären.
Ausgangspunkt für ein weiteres künstlerisches Projekt war eine Autobahnbrücke, die nur bis zur Mitte eines Flusses führt. Seit vier Jahren wird daran nicht weitergebaut. In Kooperation mit dem kolumbianischen Studienkollegen Nicolás Contreras erstellte Zanon eine Videoarbeit über die Faszination von nicht benutzten Bauwerken. „Durch Fehlplanung ergeben sich menschenleere, weite Räume, mitten in einem Gebiet mit extremer Bevölkerungsdichte“, skizziert die Künstlerin den spannenden Stoff für ihre Arbeit. Die Ergebnisse präsentierte Zanon in den Ausstellungsräumen eines Kunstcafés in Kanton.
Die Kunstakademie in Kanton hat einen hervorragenden Ruf. Das System der Ausbildung hat sie von westlichen Universitäten übernommen. Kunststudenten aus ganz China kommen an diese Universität. Wie die Osttiroler Studentin leben sie in einem Campus auf einer Insel. Professor Feng Feng, der die Klasse von Katharina Zanon leitete, ist eine in China sehr bekannte Persönlichkeit. Er war es auch, der die Osttirolerin auf die Kunstbiennale nach Shanghai brachte.
Angetan zeigte sich die Osttirolerin von der extrem freundlichen Art und höchst unaggressiven Mentalität der Chinesen. Auch das hohe Sicherheitsgefühl wusste sie zu schätzen. „Ich war kein einziges Mal in einer Situation, wo ich Angst gehabt hätte!“, bestätigt Zanon. Frauen könnten sich problemlos, auch alleine, jederzeit überall hinbegeben.
Vor ihrer Abreise hat sie in Kursen Mandarin gepaukt, die Sprache, die alle in China sprechen können. Den regionalen kantonesischen Dialekt habe sie dann von Studienkollegen gelernt. „Es gibt aber viele junge Leute, die ein bissl Englisch sprechen, und ich hab’ sogar einige getroffen, die Deutsch gelernt haben“, berichtet Zanon.
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