Radsport

70 Minuten Schlaf, vier Tage Radfahren, 2200 Kilometer

Der Längenfelder Patric Grüner hat in Titelverteidiger Christoph Strasser seinen größten Kontrahenten.
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Nach zwei zweiten Plätzen jagt der Tiroler Extrem-Radsportler Patric Grüner (30) ab heute seinen ersten Titel beim Race Around Austria.

Von Roman Stelzl

Längenfeld –Der beste Weg, um 70.000 Kalorien in vier Tagen zu verbrennen? Der führt rund um Österreich. Oder besser gesagt verläuft er auf einer Radstrecke von insgesamt rund 2200 Kilometern samt 30.000 Höhenmetern. Und um den Kalorienzähler dann zum Explodieren zu bringen, fährt man die Strecke nonstop. Mit 70 Minuten Schlaf – aufgeteilt auf Powernaps von je zehn Minuten.

Klingt schwierig? Ist es auch. Und darum ist das ­Race Around Austria auch kein Volkssport, sondern einer kleinen Elite an Extrem-Radsportlern vorbehalten, die dann noch fährt, wenn die anderen nach getaner Arbeit längst im Bett liegen. Einer dieser Nachtschicht-Arbeiter heißt Patric Grüner. In Österreich zählt der 30-jährige Längenfelder zu den besten seiner Zunft, zweimal war er beim Race Around Austria dabei, zweimal wurde er dabei Zweiter. Eine gute Ausbeute. Und die soll heute noch besser werden.

Bei seinem dritten Auftritt beim österreichischen Rad-Extrem-Rennen möchte der amtierende Ultra-Radmarathon-Weltmeister zum ersten Mal triumphieren. Doch mit dem Steirer Christoph Strasser, dreifacher Sieger des Race Across America, baut sich eine scheinbar unüberwindbare Mauer auf. „Er ist Top-Favorit. Um ihn zu schlagen, wird es eine sehr starke Leistung brauchen“, erklärt Grüner.

Die Richtung stimmt jedenfalls: 2014 lag der Tiroler noch elf Stunden zurück, 2015 waren es sieben Stunden – und geht der Trend weiter, dann könnte Grüner seinem großen Kontrahenten heuer schon gefährlich werden. Ein Vorteil sollte sein, dass Strasser im Oktober den 24-Stunden-Rekord auf der Bahn im Visier hat. „Vielleicht hat er den Kopf schon beim Weltrekordversuch. Aber er ist dennoch Profi genug, um sich auf das jetzige Rennen zu konzentrieren“, sagt Grüner, der heute (18.38 Uhr) zwölf Stunden vor Strasser ins Rennen startet.

Für den Erfolgslauf will der Ötztaler aber nichts dem Zufall überlassen. Sein Team ist 24 Stunden im Auto dabei – ein Ernährungsplan wird minutiös abgearbeitet. Sollte es da Probleme geben, ist die Ernährungsberaterin rund um die Uhr erreichbar. Geschlafen wird zehn Minuten pro Pause – im Vorjahr brachte es Grüner bei einer Fahrzeit von fast 94 Stunden auf 70 Minuten Schlaf. „Dabei ist das Mentaltraining sehr wichtig. Daran habe ich viel gearbeitet“, schließt Grüner. Und wenn das nicht hilft? Dann ist der Musikplayer samt Ohrenstöpseln und rund 900 Songs dabei. In den besten Momenten läuft AC/DC – in den schlechtesten Helene Fischer. Von Letzteren soll es wenig geben. Denn wirklich gerockt wird ohnedies nur auf der Straße.