Tödlicher Stich 2 - Zeugen blieben Verhandlung großteils fern

Wien (APA) - Auf den Großteil der Zeugen hat das mit dem tödlichen Stich am Praterstern befasste Schwurgericht vergeblich gewartet. Der 35-j...

Wien (APA) - Auf den Großteil der Zeugen hat das mit dem tödlichen Stich am Praterstern befasste Schwurgericht vergeblich gewartet. Der 35-jährige Algerier, der im Unterschied zu einem Landsmann einen Bruststich dank einer Notoperation überlebt hatte, kam seiner Ladung eben so wenig nach wie drei weitere Landsleute. Auch die Frau, die der Angeklagte vor den Stichen geohrfeigt hatte, blieb dem Verfahren fern.

Da die Algerier offenbar ohne Unterstand und damit nicht greifbar sind - der 35-Jährige hatte als Adresse „Wien-6, sonst unbekannt“ angegeben, als ihn die Polizei am 12. Juli 2016 zufällig aufgreifen konnte und aufforderte, sich aufgrund seiner Zeugenladung umgehend mit der Justiz in Verbindung zu setzen -, wurden ihre Angaben unmittelbar nach der Bluttat verlesen. Der Schwerverletzte war noch im Spital und später auf einer Polizeiinspektion vernommen worden. „Wir hatten nicht vor, mit ihm (dem Angeklagten, Anm.) zu streiten. Wir wollten nur mit ihm reden“, versicherte er den Beamten. Daher sei er mit einem Freund dem Mann, der eine Suchtmittelabhängige geohrfeigt hatte, und dessen Begleiter nachgelaufen.

Der 40-Jährige habe sich plötzlich umgedreht und ein Messer in der Hand gehabt: „Ohne dass wir ihn angegriffen oder angesprochen haben, hat er das Messer aufgeklappt.“ Danach habe er ihm in die Seite gestochen, schilderte der Zeuge. Er habe dann noch gehört, wie sein Landsmann „Mein Auge! Mein Auge!“ rief und zusammensackte.

Ein anderer Zeuge behauptete allerdings, einer der beiden Algerier hätte nach der Hand des 40-Jährigen gegriffen, um ihm offenbar das Messer zu entwinden. Der Bewaffnete sei mit der Hand nach hinten gefahren und habe dabei den 37-Jährigen am Auge getroffen.

Der Angeklagte hatte sich nach dem Vorfall zurück in seine Heimat nach Serbien begeben. Mittels Fotos aus den Überwachungskameras im Bahnhofsbereich, die in den Medien veröffentlicht wurden, konnte er ausgeforscht worden - der Mann, der den 40-Jährigen in Wien bei sich wohnen hatte lassen, meldete sich bei der Polizei und gab die Identität des Gesuchten bekannt. Am 15. Oktober wurde ein Europäischer Haftbefehl erlassen. Am 22. Oktober stellte sich der 40-Jährige freiwillig der Wiener Polizei.

Mit dem Wahrspruch der Geschworenen war nicht vor 16.30 Uhr zu rechnen.