Internationale Pressestimmen zur Rede des japanischen Kaisers
Tokio (APA/dpa) - Zur öffentlichen Ansprache des japanischen Kaisers Akihito, mit der er Spekulationen über seine mögliche Abdankung ausgelö...
Tokio (APA/dpa) - Zur öffentlichen Ansprache des japanischen Kaisers Akihito, mit der er Spekulationen über seine mögliche Abdankung ausgelöst hat, schreiben internationale Tageszeitungen am Dienstag:
„El Mundo“ (Madrid):
„Die geltende Verfassung sieht keine Abdankung vor, und die Gesetze, die alles regeln, was mit der kaiserlichen Familie in Zusammenhang steht, sind äußerst komplex. Die Regierung, der Rat des Kaiserhauses und das Parlament müssten sich derzeit alle einig sein, um Gesetze zu verabschieden, die eine Abdankung erlauben würden. Auf jeden Fall hat die Entscheidung des Kaisers eine wichtige politische Debatte in Japan über die Modernisierung der Monarchie ausgelöst, die der Regierung des konservativen (Premiers) Shinzo Abe sehr gelegen kommt, der schon länger die Verfassung ändern möchte, um sie einer neuen Wirklichkeit anzupassen, speziell was das Militär betrifft.“
„The Times“ (London):
„Shinzo Abe sollte weder auf Zeit spielen, noch sollte er den nationalistischen Argumenten nachgeben, dass jede Änderung am Status des Kaiserhauses eine existenzielle Bedrohung für Japan darstellen würde. Der Premierminister hat den Ruf eines radikalen Reformers. Er kam an die Macht, als er erkannte, dass das wirtschaftliche Wachstum stimuliert werden muss, wenn das Land einer Abwärtsspirale von Schulden und einem starken Rückgang der Bevölkerung entkommen soll. Seine Schlussfolgerung war, dass Japan wirtschaftlich sowie mit seinen Selbstverteidigungskräften Stärke demonstrieren musste, um dem Aufstieg Chinas mit dessen viel größerer Wirtschaft und Armee etwas entgegenzusetzen.
Vor einer ähnlich großen Aufgabe steht nun das Kaiserhaus, das auf Pekings Ein-Parteien-Herrschaft mit einer zunehmenden Entmystifizierung des japanischen Staatsoberhaupts sowie größerer Transparenz und Zugänglichkeit für seine Untertanen antworten kann. Wenn Kaiser Akihito, der seinem Land gut gedient hat, die Abdankung für nötig hält, dann sollte es ihm erlaubt sein, den Weg für seinen Sohn freizumachen. Japan würde dadurch weder zusammenbrechen, noch sein Gesicht verlieren.“
„Süddeutsche Zeitung“ (München):
„Ein Rücktritt von Kaiser Akihito hätte keinen Einfluss auf die Politik. 84 Prozent der Japaner gönnen dem Tenno den Ruhestand, vielen Jüngeren ist er egal. Manche halten die strengen Regeln des Hofes für überholt. Zudem dürfte Kronprinz Naruhito ein ebenso liebenswürdiger ‚Kaiser des Volkes‘ werden wie sein Vater. Doch die Reaktionen auf Akihitos Rücktrittsabsicht haben gezeigt, wie sehr Japans Politik Veränderungen fürchtet, wie wenig sie auf die Zukunft vorbereitet ist.“
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