Bezirk Landeck

Ehrenamtlicher Einsatz löst Respekt aus

© Wenzel

Ein Afghanistan-Flüchtling (27) wartet in Landeck seit fast fünf Jahren auf den Asylbescheid. Der junge Mann hilft freiwillig – ohne einen Euro zu verdienen.

Von Helmut Wenzel

Landeck –Seine Flucht vor dem Taliban-Regime in Afghanistan wäre eine eigene Geschichte. „Es war jedenfalls eine Odyssee“, schildert Zaidollah Heydari (27) glaubhaft. Der junge Mann war am Dienstag im Landecker Sozialmarkt Martiniladen anzutreffen. Dort engagiert er sich ehrenamtlich – ohne einen Euro zu verdienen. „Wir schätzen seinen Einsatz sehr. Zaidollah ist tüchtig und hilfsbereit“, bestätigte Geschäftsführerin Monika Rotter.

Bei der Landecker Osteuropa-Hilfsaktion engagiert er sich ebenfalls. „Seine Hilfsbereitschaft ist vorbildlich“, betonte Koordinator Fritz Gastl. „Er würde gerne mehr arbeiten, darf aber nicht. Womit wieder Vorurteile geschürt werden, dass Flüchtlinge nicht arbeiten wollen.“

Dass Zaidollah nach fast fünf Jahren Aufenthalt in Österreich noch immer keinen Asylbescheid bekommen hat, löst bei Gastl ebenso Kopfschütteln aus wie bei Bürgermeister Wolfgang Jörg. Jörg bestätigte die Qualitäten des jungen Mannes. „Er wird bei den Behörden im Kreis geschickt“, stellte Gastl fest.

In Afghanistan hat der junge Mann zwei Berufe gelernt, die in Tirol nicht unbedingt gefragt sind: Teppichknüpfer und Schuster. Trotzdem hat er Jobangebote von heimischen Firmen bekommen. Sein Organisationstalent ist kein Geheimnis geblieben. Bedingung: Zaidollah braucht einen positiven Asylbescheid.

Eine der Firmen gab ihm kürzlich zumindest einen Vorvertrag. Das heißt, es gibt den Job, sobald er das ersehnte Schriftstück vom Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA) in der Hand hat. „Den Vorvertrag habe ich an das BFA geschickt. Ich hoffe, es nützt etwas“, erzählt er. Mehrere von seinen afghanischen Landsleuten hätten bereits den positiven Bescheid bekommen. „In dieser Gruppe bin ich der Einzige, der noch auf der Wartebank sitzt.“

Asylwerber dürfen in Österreich nur eingeschränkt arbeiten – bei gemeinnützigen Institutionen. Dort gibt es eine Entschädigung von drei Euro pro Stunde. Zaidollah verzichtet beim Martiniladen auf diese Entschädigung. „Es gibt nur ganz wenige Asylwerber, die komplett ehrenamtlich im Einsatz sind, etwa beim Roten Kreuz“, weiß Cilli Juen, Leiterin des Landecker Flüchtlingsheims Kaifenau.

Hobby-Imker Fritz Gastl hat sich am Dienstag mit frischem Honig bei Zaidollah bedankt. „Ich möchte dieses Geschenk dem Martiniladen überlassen“, sagte der Asylwerber. Und schlichtete die Gläser ins Verkaufsregal.