„O Melville!“: Olga Neuwirth huldigt in Buchprojekt ihrem Idol
Wien (APA) - Der US-Schriftsteller Herman Melville, bekannt durch seinen „Moby-Dick“, hat schon länger die Rolle des Weißen Wals im Oeuvre v...
Wien (APA) - Der US-Schriftsteller Herman Melville, bekannt durch seinen „Moby-Dick“, hat schon länger die Rolle des Weißen Wals im Oeuvre von Olga Neuwirth. Die 48-jährige Komponistin widmete dem Autor mit ihren Librettisten Anna Mitgutsch und Barry Gifford bereits die Oper „The Outcast“, und auch ihre neue Wien-Modern-Auftragsarbeit verweist auf ein Melville-Werk. Nun legt Neuwirth ein Buchprojekt nach.
„O Melville!“ lautet der schwärmerische Titel des Werks, das von einer DVD begleitet wird. Im Zentrum des multimedialen Pakets stehen zwei Fotoserien, die beide in New York entstanden sind. „Everyday Olga“/“Quiet on the desk“ ist ein ironisches Bildprotokoll der eigenen Arbeitsbedingungen in der US-Metropole. Über Monate hinweg fotografierte Neuwirth sich selbst täglich in einem dunklen Overall mit aufgesticktem „Olga“-Schriftzug - flankiert von Ablichtungen ihres Arbeitstisches und einer Lochkarte, mit der sie ihre Arbeitszeiten festhielt.
Für die zweite Serie „O Melville!“ machte sich Neuwirth aus ihrer Arbeitsklause auf in die Straßen Manhattans und ließ sich dort mit einer Fotomaske vor dem Gesicht fotografieren, die den 42-jährigen Melville zeigt. So blickt der in New York verstorbene Autor mit immer gleichem Ausdruck in die Parks und Aquarien, Museen und U-Bahnen des Big Apple.
Abseits der beiden Serien finden sich die beiden, ursprünglich als „Standard“-Kolumen gedachten Neuwirth-Texte „Enge Hosen und keine Instant-Polenta“ sowie „Think Fast and Smile“ im konsequent zweisprachig deutsch-englisch gehaltenen Buch, das überdies das reflexive Essay „Notizen zu Melvilles Universum“ enthält - und den Text „Das Fallen. Die Falle“ von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek. Zu letzterem hat Neuwirth den gleichnamigen Film erarbeitet, der als DVD beigelegt ist und Jelinek und Sophie Rois als Sprecherinnen vereint. Zwei Texte der New Yorker Kunsthistorikerin Katherine Janszky Michaelsen und des Musikwissenschafters Stefan Drees ergänzen das bunte Melville-Mosaik des rastlosen Kreativkopfes Neuwirth.
(S E R V I C E - Olga Neuwirth: „O Melville!“, Müry Salzmann Verlag, Salzburg 2016, 160 Seiten, 35 Euro)
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