Bezirk Schwaz

Mehr Verkehr, weniger Profit im Zillertal

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Während der Ruf nach einer raschen Verkehrslösung in Fügen laut wird, zeigt sich in Mayrhofen, dass die Profiteure von höheren Bettenkapazitäten nicht die Beherberger waren.

Von Angela Dähling

Fügen –Tagtäglich hört man sie im Radio, die Staumeldungen aus dem Zillertal. Für den Zillertaler Planungsverbands­obmann BM Hansjörg Jäger ist das Fass jetzt voll. Er fordert, dass die vom Planungsverband und der Gemeinde beschlossene Straßenvariante in Fügen endlich umgesetzt wird. „Wir haben das letzten Herbst beschlossen. Dann hieß es, man wolle die Gemeinderatswahlen noch abwarten. Die waren vor einem halben Jahr und nichts ist passiert. Wir verlieren ein Jahr nach dem anderen! Wir erwarten uns eine schnellstmögliche Umsetzung vom Land“, wird Jäger deutlich. Neben der beschlossenen Straßenvariante, bei der die B169 in Fügen zur Gemeindestraße werden würde und eine neue Talstraße daneben teils unterflurig geführt werden soll, fordert Jäger auch eine zweite Innbrücke nach dem Brettfalltunnel, für eine separate Abbiegespur auf die Autobahn Richtung Salzburg. Wie berichtet, kündigte der neue Fügener Bürgermeister Dominik Mainusch an, einen Bürger­beteiligungsprozess zum Thema Verkehrslösung auf der B169 zu starten. BM Jäger indes ist dagegen, wieder bei null anzufangen, nachdem alle Beschlüsse längst vorliegen.

„Wir würden nicht bei null anfangen. Es wäre aber legitim, das eine oder andere zu ändern. Ich sehe es positiv, ergebnisoffen darüber zu diskutieren“, meint Christian Molzer, Vorstand der Abteilung Verkehr und Straße beim Land Tirol. Laut ihm soll im Herbst die Projektentscheidung fallen, dann gehe es in die Detailplanung. Es gibt zwar mehrere Straßenvarianten für Fügen, welche alle auch die direkte Anbindung von Hart an die Talstraße beinhalten. Am realistischsten sind für Molzer aber auch der Trassentausch Begleitweg/Zillertalstraße und eine Teilunterführung.

Das ewige Verkehrsproblem beschäftigt auch die Touristiker und Seilbahner. Im vorigen Sommer wurden 568.300 Gästeankünfte im Zillertal gezählt. Dem gegenüber stehen 47.030 verkaufte Zillertal Cards. Mit der 61,50 Euro teuren Sechstageskarte sind alle Sommerseilbahnen, Freibäder und öffentliche Verkehrsmittel im Tal gratis benutzbar. Warum der Kauf der Karte nicht noch offensiver beworben wird, um Individual­verkehr zu reduzieren, weiß Josef Reiter, Sprecher der Interessengemeinschaft der Zillertaler Seilbahner. „Die Zillertal Card ist eine der erfolgreichsten in Österreich. Aber wir subventionieren mit ihr bereits jetzt den öffentlichen Verkehr mit, weil die getakteten Busse in die Seitentäler ab Mayrhofen oft nicht mehr ausreichen und zusätzliche bestellt werden müssen“, erklärt er. Die Abwicklung sei praktisch schon jetzt kaum mehr zu schaffen. Im Herbst wolle man dennoch über ein­e Z-Card-Variante von unter sechs Tagen diskutieren und darüber, ob die Karte im Bereich des öffentlichen Verkehrs ins Inntal ausgeweitet werden soll. Bis jetzt gilt sie nur im Zillertal und bei Schlechtwetter fahren Tausende Gäste daher per Auto nach Innsbruck, Rattenberg, Schwaz oder Wattens. Mit ein Grund, warum viele sich mehr „Schlechtwettereinrichtungen“ im Tal wünschen.

Andere wünschen sich zudem einen Bettenstop. Dem kann auch Hotelier Erich Roscher in Mayrhofen etwas abgewinnen, dessen Betrieb rund 400 Betten zählt. Einst verpflegte er 650 Pensionsgäste, im Zuge von Modernisierungen wurde die Bettenzahl allmählich reduziert. Im Winter lohne sich eine Frühstücks­pension noch, im Sommer nicht, sagt Roscher. Deshalb sei sein­e seit zwei Jahren im Sommer geschlossen.

Lauf dem Mayrhofner TVB-GF Andreas Lackner stagniere die Bettenzahl in Mayrhofen seit drei Jahren. In den letzten zehn Jahren sei sie allerdings um 14 % gestiegen und die Beherbergungsumsätze um 17 %. Im Vergleich dazu stiegen die Bergbahnumsätze um 47 %, jene von touristischen Dienstleistern (z. B. Skiverleih) um 28 %. Die Profiteure der höheren Bettenkapazitäten seien damit nicht die Beherberger gewesen. „Wir haben seit drei Jahren rund 15.400 Gäste­betten. Vor drei Jahren lag der durchschnittliche Umsatz pro Bett und Jahr bei 6295 Euro, jetzt sind es 7045 Euro. Die Stagnation bei der Bettenzahl trug dazu bei, den Umsatz pro Bett zu erhöhen“, schluss­folgert Lackner. Dass der Umsatz insgesamt nicht höher sei, lieg­e daran, dass rund 93 % der Mayrhofner kleinere Betriebe mit unter 30 Betten seien.

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