„Man genießt das Leben mehr“ - Portugiesische Migranten in Mosambik

Maputo (APA/dpa) - Seit Ende der Kolonialzeit sind unzählige Afrikaner auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa ausgewandert. Als...

Maputo (APA/dpa) - Seit Ende der Kolonialzeit sind unzählige Afrikaner auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa ausgewandert. Als die Eurokrise vor sechs Jahren Südeuropa besonders hart traf, setzte allerdings eine Migrationswelle in die umgekehrte Richtung ein. Zehntausende Portugiesen sind seitdem laut Angaben ihrer Regierung nach Brasilien, Angola und Mosambik ausgewandert.

Patricia Teles entschied sich für Mosambik, weil die Lebenshaltungskosten dort noch niedriger waren als in Angola. Beide Staaten im südlichen Afrika waren früher portugiesische Kolonien. Sie fühle sich wohl in Maputo, der dynamischen Hauptstadt Mosambiks mit ihrer Kolonialarchitektur, ihren portugiesischen Restaurants und ihrer lebhaften Kulturszene, sagt Teles. Ganz einfach sei die Umstellung allerdings auch nicht gewesen: „Wer sich hier durchsetzen will, braucht eine höhere Dosis Geduld und Belastbarkeit.“

Vor fünf Jahren geriet ihre in Porto beheimatete Firma für die Installation und Instandhaltung von Bürodruckern in Schwierigkeiten. „Wir haben versucht, in Spanien zu investieren, aber auch da herrschte die Krise“, erzählt die 39-jährige Unternehmerin. „Wir kamen nicht voran.“

Als Mosambik im Jahr 1975 unabhängig wurde, zogen Hunderttausende Portugiesen zurück in ihre Heimat. Ihnen folgte eine ähnlich große Zahl an afrikanischen Migranten aus den ehemaligen portugiesischen Kolonien.

Wie viele seiner Landsleute heute in Mosambik leben, sei unbekannt, da sie sich nicht bei der Botschaft melden müssten, sagt Portugals dortiger Vizekonsul, Antonio Pinheiro. Er schätzt die Zahl auf 23.000, davon 18.000 in den südlichen Provinzen, zu denen Maputo gehört.

Die mosambikanische Wirtschaft boomte, als Teles im August 2011 dorthin zog. Das Ende eines 16-jährigen Bürgerkrieges im Jahr 1992, ein Aufschwung von Rohstoffindustrien wie Kohle und die Entdeckung von Gasreserven sorgten für ein Wachstum um die sieben Prozent.

Portugals Wirtschaft hingegen schrumpfte im Zuge der Krise. Das Land musste mit einem Rettungsschirm der Europäischen Union vor dem Bankrott bewahrt werden.

„Mosambik bietet viele Möglichkeiten, weil es immer noch so viel zu tun gibt“, sagt Teles. Es gebe am Markt weniger Wettbewerb als in Portugal. Ihre Mitarbeiter hat sie selbst ausgebildet. Anfangs waren es zehn, heute 42. „Die Arbeitskräfte sind billiger, aber auch weniger qualifiziert.“

Teles musste aber auch mit frustrierenden lokalen Gegebenheiten zurechtkommen - etwa, dass eine Lieferung schon mal 45 Tage dauern kann. „Mosambikaner sagen nicht gerne ‚nein‘“, erzählt sie von der für sie ungewohnten Mentalität in ihrer neuen Heimat. „Sie wollen höflich sein und sagen lieber: ‚Ich denke mal drüber nach‘.“

Die portugiesische Wirtschaft erholt sich nun allmählich. Mosambiks Wachstum verlangsamt sich dagegen - vor allem wegen sinkender Warenpreise und Kürzungen von Hilfsleistungen wegen nicht bekannt gegebener Schulden.

Das von der Weltbank für dieses Jahr vorhergesagte Wachstum von sechs Prozent wird das Land nach Meinung örtlicher Analysten weit verfehlen. Hinzu kommt eine Inflationsrate von mehr als elf Prozent. Auch ein Anstieg der Kriminalität und gelegentliche Kämpfe der bewaffneten Aufständischen von der RENO-Partei schrecken manche Einwanderer ab.

Viele portugiesischen Migranten kehrten nach kurzer Zeit wieder zurück, berichtet Susana Livramento vom Portugiesischen Verein in Mosambik. Sie erwarteten zu schnellen Erfolg, investierten nicht genug Geld oder könnten sich nicht eingewöhnen.

Andere blieben hingegen gerade wegen des anderen Lebensstils. „Die Leute sind entspannter, freundlicher“, erzählt sie. „Man genießt das Leben mehr.“