Nach der ORF-Wahl: Entpolitisiert? Kein Kommentar!
Der neue ORF-Chef ist der alte ORF-Chef: Alexander Wrabetz überzeugte die Mehrheit im Stiftungsrat für sich. Absprachen mit der Regierung dementiert er. Die Zukunft seines Konkurrenten Richard Grasl ist ungewiss.
Von Christiane Fasching
Wien –Alexander Wrabetz schnauft durch. Und schaut erleichtert auf sein Handy, wo über die verschiedensten Kanäle die ersten Glückwünsche und Kommentare zu seinem ORF-Hattrick eintrudeln – so ist das in der schönen, neuen Medienwelt. Aber es geht auch altmodisch: Als um kurz vor 16 Uhr feststeht, dass Wrabetz zum dritten Mal in Folge zum ORF-Generaldirektor bestellt wird, gibt es von Konkurrent Richard Grasl ein „Gratuliere“, bevor er in den Küniglberg-Gängen verschwindet. Über die Zukunft des aktuellen ORF-Finanzdirektors herrscht einhelliges Stillschweigen – Grasls Vertrag läuft bis Ende des Jahres, eine weitere Zusammenarbeit mit ihm schloss Wrabetz schon vor Wochen aus.
Dennoch wirkt der Unterlegene nicht allzu geknickt, schließlich hatte er auch ein paar Stunden Zeit, sich auf die Niederlage einzustellen. Denn schon kurz bevor die Hearings im Stiftungsrat starteten, galt es als so gut wie fix, dass das Türschild am Generaldirektor-Büro nicht ausgetauscht werden muss. Trotzdem wurden beide Kandidaten von den 35 Stiftungsräten ordentlich „gegrillt“, wie es im ORF-Jargon heißt. An die 150 Fragen wurden an die beiden Kontrahenten gerichtet, die ihre Konzepte unter Ausschluss der Öffentlichkeit präsentierten. Knapp 50 Journalisten, die von der Wahl berichteten, harrten indes im Foyer des ORF-Zentrums aus, wo mit „Frisch gekocht“ und Olympia-Live-Einstiegen eine kleine Werkschau des aktuellen Programms geboten wurde. Doch für Rezepte und Rio interessierte sich niemand, entscheidend war der Endstand im ORF-Match: 18 zu 15. Betriebsrätin Gudrun Stindl und Stiftungsrat Franz Küberl (siehe unten) hatten sich ihrer Stimme enthalten.
Die Vermutung, dass durch das doch recht knappe Votum Gräben im Stiftungsrat entstanden seien, wies Wrabetz in der anschließenden Pressekonferenz von sich. Etwaige inhaltliche Differenzen seien „sicher überbrückbar“, meinte er knapp. Politische Einflussnahmen auf die Wahl habe es laut Wrabetz keine gegeben. „Bei uns hat nicht die Regierung, sondern der Stiftungsrat den Generaldirektor bestellt“, betonte er. Auch künftige Personalentscheidungen sollen ohne das Einflüstern von Parteien passieren. Wrabetz: „Ich war ja schon immer komplett unabhängig, aber jetzt bin ich es noch mal ganz besonders.“
Dennoch fiel auf, dass die politischen Freundeskreise im Stiftungsrat ihrer Linie treu blieben – die roten Vertreter stimmten für SPÖ-Favorit Wrabetz, die schwarzen für ÖVP-Günstling Grasl. Die berechtigte Frage, wie es also um die Entpolitisierung des ORF steht, wurde zunächst mit einem langen Schweigen quittiert, ehe sich der Stiftungsratsvorsitzende Dietmar Hoscher zu Wort meldete. Und zwar mit „Kein Kommentar.“ Wrabetz gab sich hier etwas auskunftsfreudiger – im Laufe seiner zehn Jahre als ORF-Generaldirektor habe es Abstimmungen „über alle Parteigrenzen hinaus“ gegeben, die aktuelle Besetzung des Stiftungsrats wolle er deshalb nicht in Frage stellen.
Gefragt ist das Gremium schon wieder am 15. September: Dann gilt es, die vier Direktoren (für Programm, Technik, Finanz und Radio) und neun Landesdirektoren abzusegnen. Namen wollte Wrabetz gestern keine nennen – dennoch gelten Kathrin Zechner als Programmdirektorin und Michael Götzhaber als Technischer Direktor als so gut wie fix, die kaufmännische Direktion will er mit einem ausgewiesenen Experten besetzt wissen. Der Name Richard Grasl fiel hier nicht. Angesprochen auf eine Gebührenerhöhung, die womöglich im Herbst beschlossen wird, gab sich Wrabetz bedeckt. Zunächst müsse eine mittelfristige Finanzplanung erstellt werden, erst dann werde man sich mit der Gebühren-Causa beschäftigen, die von Grasl im Wahlkampf ins Spiel gebracht wurde.
Für die Zukunft hat Wrabetz viele Pläne – er will Programm-Profile stärken, den multimedialen Auftritt schärfen, den Technologiewandel im Auge behalten und mehr mit dem Publikum in Dialog treten. Den Auszügen aus seinem Business-Plan gibt er dann doch noch eine persönliche Note. „Ich bin froh, dass ich weitermachen darf, weil das ist die schönste Aufgabe, die es in diesem Land gibt.“
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