Türkischer Historiker Pamuk sieht Türkei weiter im westlichen Lager
Ankara (APA/dpa) - Der türkische Historiker Sevket Pamuk sieht im Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Russland keine A...
Ankara (APA/dpa) - Der türkische Historiker Sevket Pamuk sieht im Besuch des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Russland keine Anzeichen für eine Abkehr der Türkei von der NATO oder von Europa. „Die Türkei wird mit Sicherheit ein Teil des Westens bleiben, und gute Beziehungen mit den Russen sind von Vorteil für alle“, so der Bruder des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk.
Die Türkei und Europa müssten sich aber angesichts der nach dem gescheiterten Putsch aufgeheizten Atmosphäre um Schadensbegrenzung bemühen. „Die geografischen Realitäten verpflichten uns, miteinander auskommen zu müssen. Keiner kann sich seinen Nachbarn aussuchen“, sagte der 66-Jährige Pamuk der „Schwäbischen Zeitung“ (Mittwoch).
Für eine EU-Mitgliedschaft sei die Türkei im Moment offensichtlich nicht bereit. „Aber umgekehrt ist die Europäische Union eben auch nicht vorbereitet für eine Aufnahme der Türkei, selbst wenn das Land wundersamerweise morgen oder nächstes Jahr alle Eingangsvoraussetzungen erfüllt haben würde“, sagte Pamuk. 2005, als die Türkei formal als EU-Kandidat akzeptiert wurde, habe die Möglichkeit bestanden, etwas daraus zu machen. „Aber nicht nur die Regierung Erdogan, sondern auch Europa haben damals den Moment verpasst.“
Der Bürgerkrieg in Syrien zeige der Türkei aber, dass der Nahe Osten keine Alternative zu einem engen Verhältnis zum Westen ist. „Es wäre nicht sehr schwierig, die Mehrheit der Türken dazu zu bewegen, eine EU-Mitgliedschaft zu unterstützen“, glaubt Pamuk.
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