Motorrad: Wissenswertes zur Motorrad-Weltmeisterschaft

Spielberg (APA) - Was man über die Motorrad-Weltmeisterschaft wissen sollte:...

Spielberg (APA) - Was man über die Motorrad-Weltmeisterschaft wissen sollte:

- Nachdem schon Anfang des 20. Jahrhunderts Motorrad-GP-Rennen und EM-Serien ausgetragen wurde, gibt es die Motorrad-WM als solche seit 1949. Sie ist also ein Jahr älter als die Formel-1-WM und damit die älteste Motorsport-Weltmeisterschaft.

- In den Anfangsjahren wurde in bis zu sechs Klassen gefahren, heute werden WM-Titel in der Moto3 (250 ccm/vormals 125er-Klasse), Moto2 (600 ccm/vormals 250) und der MotoGP (1.000 ccm/früher 500) vergeben. Die 280 PS starke und 350 km/h schnelle MotoGP ist die aktuelle „Königsklasse“, es gibt sie seit 2002. Davor waren die 500er die Top-Kategorie.

- Im ersten offiziellen WM-Jahr 1949 waren vier Solo-Klassen am Start, erster Weltmeister in der damaligen Königsklasse (500 ccm) wurde der Brite Leslie Graham auf AJS.

- Dominierten in den 1950er-Jahren italienische Marken wie Moto Guzzi, Gilera oder MV Agusta, kamen in den 60ern japanische Marken wie Honda, Suzuki und Yamaha in die WM, wo sie bis heute tonangebend sind. Honda ist trotz einer längeren WM-Pause erfolgreichster Hersteller der Neuzeit. Mit K beteiligt sich aktuell ein österreichischer Hersteller an der Moto3 und Moto2 und ab 2017 auch an der MotoGP.

- Der mit Abstand erfolgreichste Pilot in der Geschichte der Motorrad-WM ist Giacomo Agostini. Zehn seiner insgesamt 15 WM-Titel holte der legendäre Italiener innerhalb von nur fünf Jahren (1968 bis 1972), weil viele Piloten damals noch in mehreren Klassen gleichzeitig starteten.

- Seit Gründung der Motorrad-WM waren die Seitenwagen lange fester Bestandteil des Grand-Prix-Programms. Nach drei Vizeweltmeisterschaften ging 2001 der Titel an die Österreicher Klaus Klaffenböck/Christian Parzer.

- Mit Rupert Hollaus stellt Österreich einen und den gleichzeitig einzigen posthumen Solo-Weltmeister. Der Niederösterreicher wurde 1954 Champion der 125er-Klasse und Vizeweltmeister bei den 250ern. Zudem gewann Hollaus bei der Tourist Trophy auf der Isle of Man. Ähnlich wie 16 Jahre später Formel-1-Pilot Jochen Rindt verunglückte Hollaus im September als bereits fest stehender Weltmeister beim Training in Monza tödlich.

- Wie Hollaus fünf GP-Siege schaffte August Auinger. 1985 wurde Auinger WM-Dritter bei den 125ern. Weitere GP-Siege in Soloklassen schafften die Österreicher Bert Schneider, Eduard Stöllinger und Gerd Kafka.

- Die Helden der Neuzeit heißen Mick Doohan, Valentino Rossi, Jorge Lorenzo und Marc Marquez. Doohan wurde fünfmal in Folge (1994 bis 1998) Weltmeister in der Top-Kategorie, ehe der Australier 1999 verletzungsbedingt zurücktrat. Rossi ist mit insgesamt neun Titeln (7 in der Königsklasse) der Pilot, der Agostini (15/8) am nächsten gekommen ist. Seit Rossis letztem Titelgewinn (2009) hat mit dem Australier Casey Stoner (2011) aber nur ein nichtspanischer Pilot den Titel geholt. Lorenzo siegte 2010, 2012 und 2015, Marquez 2013 und 2014. Mit 20 Jahren und 266 Tagen löste Marquez 2013 Freddie Spencer als jüngsten Weltmeister der WM-Geschichte ab.

- John Surtees ist der einzige Fahrer, der Weltmeistertitel in der Zweirad- und Formel-1-WM gewonnen hat. Nur drei andere Motorrad-Weltmeister fuhren ebenfalls in der Formel 1: Nello Pagani, Mike Hailwood und Johnny Cecotto.

- Valentino Rossi hat als einziger vier Weltmeistertitel in vier verschiedenen Klassen gewonnen (125, 250, 500 und MotoGP).

- Die wichtigsten Sportbehörden in der Motorrad-WM sind der Motorsport-Weltverband FIM (Federation Internationale de Motocyclisme), die Team-Vereinigung IRTA (International Road-Racing Teams Association) sowie das spanische Unternehmen „Dorna Sports“, das die WM organisiert, durchführt und alle kommerziellen Aspekte managt.

- Die Bikes der MotoGP sind sogenannte „Prototypen“ mit rund 280 PS, maximal vier Zylindern und je nach Strecke und Übersetzung bis zu 350 km/h schnell.

- Im Gegensatz zur Formel 1 (Top-Ten) gibt es in der Motorrad-WM Punkte für die ersten 15 Fahrer. Der Verteilungsschlüssel lautet 25 - 20 - 16 - 13 - 11 - 10 - 9 - 8 - 7 - 6 - 5 - 4 - 3 - 2 - 1 Punkte.

- Bei einsetzendem Regen werden in der Motorrad-WM nicht die Reifen gewechselt. Vielmehr kommen die Piloten an die Box und wechseln dort auf ein neues Motorrad mit bereits montierten Regenpneus. Alles andere wäre zu gefährlich.

- Ein MotoGP-Wochenende geht wie in der Formel 1 über drei Tage, wobei am Freitag und Samstag Trainings (je 45 Minuten) und am Samstag die - zweiteilige - Qualifikation (QP1 und QP2) auf dem Programm steht. Die Top-Ten der Freien Trainings qualifizieren sich automatisch für das QP2, die schnellsten zwei Fahrer des QP1 dürfen im ebenfalls 15-minütigen QP2 nochmals ran, damit kämpfen zwölf Fahrer um die Pole.

- Im Gegensatz zur Formel 1 stehen in der Startaufstellung der MotoGP drei Motorräder in einer Reihe.

- Den Anfang am Renn-Sonntag macht die Moto3, gefolgt von der Moto2 und um 14.00 Uhr dann die MotroGP. Die Rennen sind zwischen 95 und 130 Kilometer lang und dauern etwa 40 bis 45 Minuten.

- Die MotoGP ist über die ganze Runde deutlich langsamer als die Formel 1, weil man auf zwei Rädern - auch aerodynamisch bedingt - keine so großen Kurvengeschwindigkeiten fahren kann, und wegen der deutlich geringeren Reifen-Auflagefläche auch die Bremswege viel länger sind. Die Formel 1 fährt in Spielberg Rundenzeiten von 1:08 Minuten, die MotoGP voraussichtlich um die 1:23.

- Motorradfahren ist gefährlich, auch auf gesicherten Rennstrecken. Seit 1949 gab es internationalen Statistiken zufolge 48 Todesfälle in der WM, seit 1970 waren es 29. Aktuellster Trauerfall ist der spanische Moto2-Pilot Luis Salom, der im Juni in Barcelona tödlich verunglückt ist.