Gewaltaufruf gegen Clinton? Entsetzen über Trump-Äußerung
Donald Trump hat schon häufig mit provokanten Äußerungen für Entsetzen gesorgt — aber noch nicht so. Eine mehrdeutige Äußerung interpretieren viele als Gewaltaufruf gegen Hillary Clinton, selbst der Secret Service meldet sich zu Wort. Trump versucht zu beschwichtigen.
Wilmington - Ein neuer Tag, ein neuer Skandal: Mit seinem Wahlkampfauftritt am Dienstag in Wilmington im südöstlichen Bundesstaat North Carolina hat Donald Trump einmal mehr für einen Sturm der Entrüstung gesorgt. Stein des Anstoßes ist diesmal eine mehrdeutige Äußerung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten, die viele Beobachter als indirekten Aufruf zu Gewalt gegen seine demokratische Konkurrentin Hillary Clinton interpretieren.
Clinton wolle den zweiten Verfassungszusatz abschaffen, in dem das Recht der US-Bürger auf Waffenbesitz verankert ist, behauptete Trump. Als Präsidentin wäre sie dabei nicht aufzuhalten, da sie entsprechende Richter für den Obersten Gerichtshof nominieren könne, sagte er und fügte hinzu: „Da kann man nichts machen, Leute. Obwohl - (es gibt da) die Leute des Zweiten Verfassungszusatzes, vielleicht gibt es doch etwas (das man tun kann). Ich weiß es nicht."
Entsetzen nicht nur bei den Demokraten
Die empörten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Selbst einige der Besucher der Wahlkampfveranstaltung zuckten bei der Bemerkung zusammen. „Dies ist eine einfache Sache - was Trump sagt, ist gefährlich", erwiderte Clintons Wahlkampfmanager, Robby Mook, in einer Mitteilung. „Eine Person, die das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten anstrebt, sollte in keiner Form zu Gewalt anregen." Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren sprach auf Twitter von "Todesdrohungen" Trumps gegen Clinton.
Auch aus Trumps eigener Partei kam Kritik. „Es klingt wie ein missratener Scherz", sagte der republikanische Vorsitzende des Abgeordnetenhauses, Paul Ryan, nach Medienberichten. „Ich hoffe, dass er das schnell klarstellt." Ryan hatte sich am Dienstag in einer parteiinternen Vorwahl zur Wiederwahl in den Kongress klar durchgesetzt. Trump hatte ihm zunächst die Unterstützung versagt, sich dann aber doch hinter ihn gestellt.
Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich auch innerhalb der Republikanischen Partei Widerstand gegen Trump formiert. Erst am Montag hatten 50 Außen- und Sicherheitsexperten der Republikaner in einem offenen Brief ausdrücklich vor einem Präsidenten Trump gewarnt .
Secret Service meldet sich zu Wort
Selbst der Secret Service, der unter anderem sowohl für den Personenschutz Clintons, als auch dem von Trump zuständig ist, reagierte auf die Kontroverse und twitterte, ihm seien die zuvor gemachten Bemerkungen bewusst
Bernice King, die Tochter des 1968 erschossenen afroamerikanischen Bürgerrechtlers Martin Luther King, schrieb auf Twitter, sie empfinde Trumps Äußerungen als „geschmacklos, verstörend, gefährlich".
Dan Rather, als langjähriger Nachrichtensprecher eine Institution im US-Journalismus, sprach auf Facebook von einem beispiellosen neuen Tiefpunkt in der Geschichte der US-Präsidentschaftspolitik. Es sei eine direkte Androhung von Gewalt gegen einen politischen Rivalen. „Es wirft die ernste Frage auf, ob das gegen das Gesetz verstößt", schrieb Rather.
Wahlkampfteam um Schadensbegrenzung bemüht
Das Wahlkampfteam des Republikaners versuchte, den Verdacht des Gewaltaufrufs zu zerstreuen. Trump habe lediglich gesagt, dass die Waffenfreunde in hoher Zahl in November zur Wahl gehen und geschlossen gegen Clinton und für Trump stimmen würden. Die Verteidiger des Rechts auf Waffenbesitz stellten eine "enorm geschlossene Gruppe" mit einer "großen politischen Macht" dar, erklärte Trumps Kommunikationsberater Jason Miller.
Trump selbst versuchte mit einer spätabendlichen Twitter-Nachricht ebenfalls, die Wogen zu glätten. „Ich sagte, Pro-2A-Bürger müssten sich organisieren und für eine hohe Wahlbeteiligung sorgen, um unsere Verfassung zu retten!" (2A steht für 2nd Amendment - also den Zweiten Verfassungszusatz, Anm.). Die Medien versuchten verzweifelt, von Clintons Ablehnung des Zweiten Verfassungszusatzes abzulenken, so Trump.
Clinton in Umfragen weiter voran
Einer am Dienstag veröffentlichten Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge liegt Clinton derzeit mit 42 Prozent vor ihrem Kontrahenten Trump, der nur auf 35 Prozent kam. Damit konnte die Demokratin ihren Vorsprung weiter ausbauen. Zahlreiche Kontroversen hatten Trumps Wahlkampf zuletzt in Schwierigkeiten gebracht. Vergangene Woche war der Unternehmer unter anderem wegen seines Streits mit den Eltern eines im Irak-Krieg getöteten muslimischen US-Soldaten unter Druck geraten. Mit der Vorstellung seines Wirtschaftsprogramms am Montag versuchte Trump, aus der Defensive zu kommen. (TT.com, dpa/AFP/Reuters)