Flüchtlinge: Streit um geplantes Zeltlager in Mailand
Mailand/Rom (APA) - Nachdem die Schweizer Behörden in den vergangenen Wochen Hunderte illegal eingereiste Menschen im Tessin aufgegriffen un...
Mailand/Rom (APA) - Nachdem die Schweizer Behörden in den vergangenen Wochen Hunderte illegal eingereiste Menschen im Tessin aufgegriffen und an der Grenze zurückgewiesen hatten, will die italienische Stadt Mailand Zelte für die 3.300 Flüchtlinge aufstellen, die sich in der lombardischen Hauptstadt aufhalten.
Die Möglichkeit einer Unterbringung in Zelten werde mit der Präfektur geprüft, da es keine freien Plätze in den Flüchtlingseinrichtungen mehr gebe, sagte der Mailänder Bürgermeister Giuseppe Sala. Dies bedeute nicht, dass Mailand in ein „Zeltlager“ ungewandelt werde, reagierte der im Juli gewählte Bürgermeister auf Kritik von Rechtsparteien.
Über 400 Migranten sind in einem Flüchtlingslager unweit des Mailänder Hauptbahnhofes eingepfercht, in dem es eigentlich nur Schlafmöglichkeiten für 100 Personen gibt. Dabei handelt es sich vor allem um Migranten aus Eritrea, Äthiopien, Somalia und dem Sudan, darunter viele Minderjährige, die allein unterwegs sind. Sie wollen nach Deutschland weiterreisen, doch die Schweizer Grenze ist für sie gesperrt.
Der Präsident der Lombardei, Roberto Maroni, kritisierte die Regierung von Matteo Renzi scharf. „Die Regierung hat im Umgang mit der Flüchtlingsproblematik komplett die Führung verloren“, kommentierte der Lega-Nord-Politiker. Er beanstandete, dass in Mailand vor allem Wirtschaftsmigranten und keine Flüchtlinge eintreffen. Diese sollten aus Italien ausgewiesen werden. „Renzi wandelt Mailand in das größte Flüchtlingslager Europas um“, kritisierte das für Einwanderungsfragen zuständige Mitglied des lombardischen Regionalrats, Simona Bordonali.
Die Regierung in Rom sucht inzwischen fieberhaft nach weiteren Migrantenunterkünften. Circa 145.000 Migranten beherbergt Italien zurzeit, und die Zahl könnte wachsen. Das Innenministerium macht Druck auf die Vereinigung der italienischen Gemeinden (ANCI), damit 25 Flüchtlinge pro 1000 Einwohner aufgenommen werden. Wegen des „Notstands“ im Süden verlangt Innenminister Angelino Alfano, Gemeinden in ganz Italien müssten Tausende weitere Plätze bereitstellen, unter anderem in leeren Kasernen oder Turnhallen.
Der Chef der ausländerfeindlichen Oppositionspartei Lega Nord, Matteo Salvini, wehrt sich heftig dagegen. Die Regierung müsse dafür sorgen, dass die Flüchtlingsboote schon vor der Abfahrt in Libyen gestoppt würden. Daher seien Abkommen zwischen der EU und der libyschen Regierung dringend notwendig.