Internationale Pressestimmen zum Treffen Erdogan-Putin 2
Moskau/Budapest/Frankfurt am Main (APA/dpa) - „Moskowski Komsomolez“ (Moskau):...
Moskau/Budapest/Frankfurt am Main (APA/dpa) - „Moskowski Komsomolez“ (Moskau):
„Es ist ein Bündnis der Einsamen. Putin und Erdogan befinden sich international in einer Situation, die man durchaus als Isolation bezeichnen kann. Für beide geht es darum, diese Lage durch gegenseitige Annäherung zu durchbrechen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren hat Russland jetzt die Chance, einen Keil ins Herz der NATO zu schlagen. Die Türkei ist ein sehr wichtiges Mitglied der Allianz. Die Entfremdung Ankaras von Washington und Brüssel ist vorteilhaft für Moskau. Doch die Türkei ist mit dem Westen millionenfach verbunden. Für Ankara kann ein Bündnis mit Moskau letztendlich kein vollwertiger Ersatz sein für eine Allianz mit dem Westen.“
„Magyar Idök“ (Budapest):
„Wenn die Abkühlung im Verhältnis zwischen Ankara und der EU anhält, kann sich Europa leicht in der Mausefalle wiederfinden. Neben der wachsenden Rolle Russlands, der die EU alleine nichts entgegenzusetzen vermag, bedeutet die innere islamistische Bedrohung eine ernsthafte Herausforderung für den Kontinent. All dies kann durch eine feindlich gesinnte Türkei verschlimmert werden, wenn sie die Massen der bei ihr gestrandeten Migranten weiterziehen lässt. Die bedrängte Lage kann aber im glücklichen Fall auch zu dem lange erwarteten gemeinsamen europäischen Auftreten führen, das den Mitgliedstaaten die Kraft gäbe, um die Union auf neuen Grundlagen zu reformieren.“
„Frankfurter Rundschau“:
„Erdogans erste Auslandsreise nach dem gescheiterten Militärputsch ist auch ein Zeichen der Entfremdung der Türkei vom Westen und ein Warnsignal für die EU, die den schwierigen Partner nach dem versuchten Staatsstreich unangemessen behandelt hat. Es ist unverständlich, warum bis heute kein Spitzenpolitiker nach Ankara gekommen ist, um Regierung und Bürgern ihrer Solidarität gegen die Putschisten zu versichern. Die Massenverhaftungen und mutmaßlichen Menschenrechtsverletzungen sind verstörend. Doch um wie viel glaubhafter könnte der Westen sie kritisieren, wenn er seine Solidarität für die türkische Demokratie sofort bekundet hätte.“
„Dernieres Nouvelles d‘Alsace“ (Straßburg):
„Die Achse Moskau-Ankara ist ein opportunistisches Konstrukt, das die Europäische Union schwächen soll. Je mehr sich Erdogan vom Westen entfernt, desto mehr umwirbt ihn Putin. Der russische Präsident ist überglücklich, den Einfluss der USA auf die Strukturen der türkischen Armee schwächen zu können. Erdogan und Putin verstehen sich glänzend - zumindest wenn es darum geht, die Politik nach ihren eigenen Bedürfnissen umzuformen. Diese Demonstration der Stärke zielt genauso auf uns ab wie auf die türkische und die russische Bevölkerung. Ein Grund mehr, ihr nicht nachzugeben.“
„Leipziger Volkszeitung“:
„Kurz nach dem Abschuss des russischen Kampfflugzeuges wurde in Washington und in den europäischen Hauptstädten eifrig debattiert, ob eine Eskalation zwischen Russland und dem Nato-Partner Türkei den Nato-Bündnisfall auslösen könnte. All jene, die damals hitzig ihre Angst vor einem Krieg artikulierten, müssten doch über den Handschlag von St. Petersburg erfreut sein. Stattdessen allerdings geht jetzt die Angst vor einem ‚Pakt gegen den Westen‘ um. Ein solcher wurde gestern nicht besiegelt. Putin und Erdogan sprachen über Geschäftliches. Über türkisches Obst und über russische Touristen, über russisches Gas und über türkische Banken. Vor allem aber dürfte es um Syrien gegangen sein.“
~ WEB http://www.nato.int/ ~ APA223 2016-08-10/11:05
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