Seitentalorte positionieren sich als „Auszeitdörfer“
Die Lechweg-Region möchte sich zu einem gesundheitstouristischen Erlebnisraum im Sinne der Kneipp’schen Lehre entwickeln. Gelder fließen.
Von Helmut Mittermayr
Füssen, Breitenwang, Lechtal –Füssen Tourismus und Marketing, TVB Lechtal, Werbegemeinschaft Lechwege und die Gemeinde Breitenwang investieren in den kommenden drei Jahren rund zwei Millionen Euro in den Gesundheitstourismus. Für dieses grenzüberschreitende Projekt bewilligte der Begleitausschuss des Interreg-Programms Bayern-Österreich kürzlich 1,3 Millionen an Förderungen aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung. Die gemeinsame Klammer für dieses Projekt bildet der Wildfluss Lech. Viele Menschen kommen auf dem 125 km langen Lechweg wieder zur Ruhe. Der Lech steht hier sinnbildlich für die Kraft der Natur, die heilende Wirkung auf stressgeplagte Menschen hat. Der Entwicklungspfad in Richtung naturnahen Qualitätstourismus soll nun mithilfe naturgebundener Heilressourcen und Heilkompetenzen gestärkt werden.
In Füssen versteht man es seit vielen Jahrzehnten, die heilende Kraft der Natur im Sinne der Kneipp’schen Gesundheitslehre zu nutzen. Dieses Gesundheits-Know-how soll nun in der Lechweg-Region verankert und für die Entwicklung neuer Angebote genutzt werden. Hierzu wird es in den kommenden Monaten ein umfangreiches Qualifizierungsprogramm für Beherbergungsbetriebe geben. In Füssen arbeitet man derzeit an einer Therapie gegen lebensstilbedingte Schlafstörungen.
Ergänzend zu Füssen entsteht ab 2017 in der Gemeinde Holzgau ein zweites Kneipp-Zentrum mit der entsprechenden Infrastruktur. Zudem wird die im Lechtal vorhandene Kräuterkompetenz weiter ausgebaut. Die Ruhe in den strukturschwachen Lechtaler Seitentalgemeinden ist Ausgangspunkt für eine touristische Positionierung als „Auszeitdörfer“. Hier spielen die Kneipp’schen Säulen innere Ordnung durch gesunden Schlaf und Bewegung in entsprechender Höhenlage eine wichtige Rolle. Zentrales Element der grenzüberschreitenden Gesundheitsregion ist das Bad-Kreckelmooser-Heilwasser. Es handelt sich hierbei um ein für Trink- und Badekuren zertifiziertes Kalzium-Sulfat-Wasser, das bereits im 16. Jahrhundert für Heilzwecke verwendet wurde. 1555 entstand im Breitenwanger Ortsteil Kreckelmoos die erste Badehütte. Im 18. Jahrhundert wurde diese großzügig ausgebaut. Mit der Schließung des alten Krankenhauses geriet auch das Heilwasser in Vergessenheit. Derzeit rinnt es ungenutzt in das Kanalnetz. Seit einigen Jahren denkt die Gemeindeführung in Breitenwang über eine Reaktivierung der alten Heilquellen nach. In Primar Eugen Ladner, medizinischer Leiter des Bezirkskrankenhauses, fanden die Breitenwanger einen engagierten Mitstreiter. Das Heilwasser soll mittels einer Schauquellstube gefasst und in Flaschen abgefüllt werden.
Mit einem stimmigen Zusammenwirken all dieser Elemente wollen die Partner entlang des Lech einen gesundheitstouristischen Erlebnisraum im Sinne der Kneipp’schen Lehre entwickeln. Vor allem EU-Gelder sollen dies ermöglichen.