Berg wichtiger als das Bike: Tiroler drehten Doku in Malawi
Zwei Tiroler Biker und ein Filmteam hatten eigentlich vor, spektakuläre Action-Szenen in Malawi zu filmen. Vor Ort schwenkten sie um und deckten mit ihrer Bike-Doku „Cedarwood Trails“ ein Umweltproblem auf.
Von Matthias Christler
Innsbruck –Jeden Tag auf die- selbe Alm radeln, den gleichen Kasknödel essen und auf der-selben Strecke wieder hinunter wird schnell fad. Lieber neue Wege einschlagen. Axel Kreuter und Sylvia Leimgruber vom Innsbrucker Team „Vertriders“ haben sich für ihren Film „Cedarwood Trails“ einen Berg in Malawi ausgesucht und sind in mehrfacher Hinsicht auf unbekanntem Terrain unterwegs gewesen. Kreuter ist in Südafrika aufgewachsen, und er wollte in Afrika ausgesetzte, hochalpine, technisch schwierige Wanderwege befahren und filmen. „In Ländern wie Namibia, wo wir es auch versucht haben, gibt es kaum ausgetretene Wanderwege, die das ermöglichen. Dann habe ich den Berg in Malawi entdeckt, auf dem es Hütten gibt und sogar eine Art Alpenverein. Über Google Earth und anhand weniger Fotos sah man, dass der Berg passend sein könnte“, sagt er über die Vorbereitungen zu der Tour, die er zusammen mit Leimgruber und dem Filmemacher Johannes Mair in Angriff nahm.
Über das Mulanje-Massiv wussten sie wenig; Legenden ranken sich um einäugige Kreaturen, die im Nebel ihr Unwesen treiben. Das wäre ein Ansatz gewesen, die Bike-Action in eine Geschichte zu verpacken. Es kam anders. „Wir haben vor Ort gesehen, wie viel die Mulanje-Zeder abgeholzt und die Natur des Berges zerstört wird. Die Geschichte wurde mit jedem Interview und durch die Diskussionen bei einer Dorfversammlung immer interessanter“, erzählt Kreuter. Die Crew aus Tirol schwenkte um. Aus dem Bike-Film mit Naturaufnahmen wurde eine Dokumentation mit Bike-Aufnahmen. Für Mair eine neue Erfahrung: „Sich so spontan neu einstellen und am Ort des Drehs recherchieren habe ich auch noch nicht gemacht.“ Weil sein Team ohnehin „Equipment-fanatisch“ sei, konnte man auf die richtigen Kameras zurückgreifen.
Für die Produzenten von Sport-Action-Filmen, wie sie beim Filmfest im St. Anton gezeigt werden, ist es immer anspruchsvoller, sich gegen die schnelllebige Konkurrenz der vielen, kurzen Internet-Videos zu behaupten. „Wenn du es eine halbe Stunde nur mit Action-Bildern spannend halten willst, dann musst du dir viel Gutes einfallen lassen oder der Erste mit einer neuen technologischen Entwicklung sein“, glaubt Mair. Teure Produktionen haben es leichter. Die andere Möglichkeit ist, Akteure oder Geschichten wie in Malawi in den Mittelpunkt zu rücken. Andernfalls ist man auf dem Holzweg.
Den sind Kreuter und Leimgruber abgefahren. Der Holztransport sorgt für viele Bewohner in der Region für den Lebensunterhalt. Die Zeder wird abgeholzt und ins Ausland verkauft. „Eigentlich ist es verboten, das Holz vom Berg zu tragen, aber das wird nicht überwacht. Die Menschen vor Ort brauchen das Geld, kennen den Wert der Natur aber nicht“, sagt Kreuter. Oft habe der Tourismus negative Folgen für die Natur, „hier könnte er helfen“. Er hofft, dass u. a. durch den Film mehr Wanderer und Biker in die Region kommen. Die Träger, ein Führer, ein Koch hätten in den sechs Tagen mit dem Filmteam so viel verdient wie sonst in zwei Monaten. „Derzeit kommen etwa 100 Urlauber pro Jahr zum Wandern, wenn es 500 wären, würde das der ganzen Community rund um den Berg helfen.“ Es müsste weniger abgeholzt werden, die Umwelt wird geschützt.
Gefahren sind Axel Kreuter und Sylvia Leimgruber natürlich auch. Im Falle des Mulanje ist ein Bike-Film aber zu wenig, eine reine Doku wäre vielleicht zu langweilig. Kreuter sagt: „Biker sind sowieso Naturfans. Und der Sport ist hier ein perfektes Vehikel, um diese Öko-Botschaft zu transportieren.“