Von Nigeria auf den Telfer Emat
Mit Vollgas in die neue Saison: Auf der Kartbahn wurde gestern die Tiroler-Liga-Spielzeit 2016/17 eingeleitet. Als Favoriten gelten die Westliga-Absteiger Kitzbühel und Reichenau. Dahinter lauert ein breites Feld.
Von Tobias Waidhofer
Innsbruck –Es ist wieder so weit: Nach einer knapp zweimonatigen Sommerpause öffnet das Fußball-Unterhaus seine Pforten. Der UPC Tirol Liga kommt auch diesmal eine sportliche Sonderrolle zu – mit zahlreichen Derbys und Favoriten sowie einer großen Ausgeglichenheit verspricht Tirols höchste Amateurliga eine Spannung, die diesmal sogar die Westliga überstrahlt:
Die Favoriten: „Wir wären trotzdem gern in der Regionalliga West geblieben“, sagt Alex Markl, Trainer von Absteiger Kitzbühel. Dass der Großteil der Kontrahenten seine Mannschaft zum Titelfavoriten erklärt, will der Bergfex so aber nicht stehen lassen: „Das ist unrealistisch. Wir haben neun Spieler verloren und zehn dazubekommen. Wir werden Zeit brauchen.“ Ein Top-fünf-Platz werde mit Neuerwerbung Yigit Baydar (Wörgl) aber angepeilt.
Hoch eingeschätzt wird auch die Reichenau, bei der Trainer Gernot Glänzer bei 24 Kaderspielern die Qual der Wahl hat. Einen sehr guten Eindruck hinterließ bisher auch Neuzugang Valentin Hauswirth, der zuletzt in der Bayernliga für 1860 Rosenheim aufgelaufen war.
Dahinter gibt’s ein breites Feld an Herausforderern: Hall, Kirchbichl, Fügen, Imst, Wattens II und Telfs werden genannt. Nicht zu vergessen sind natürlich die beiden Innsbrucker Clubs (SVI, Union). Kitzbühel-Coach Alex Markl bringt sogar den SV Kematen ins Spiel. Das kostet deren Co-Trainer Markus Schnellrieder wohl eher ein Schmunzeln.
Die neuen Besen: Nicht nur die Reichenau hat mit Gernot Glänzer einen neuen Coach. Bei der Union übernimmt Gerhard Zeber, bei Völs Ex-Wacker-Profi Markus Seelaus und bei Imst Jürgen Soraperra. Und der SV Telfs zog überhaupt eine Überraschung aus dem Hut: Mit Hugo Platzer übernimmt ein Mann, der zuletzt zehn Jahre in Nigeria für ein deutsche Baufirma arbeitete und dort auch eine Kindermannschaft trainierte. „An eine komplett andere Welt“, erinnert sich der Oberländer, der mit seinen Telfern einen Platz im gesicherten Mittelfeld anpeilt.
Der Star: Und Platzer hat auch den prominentesten Spieler der Tiroler Liga in seinen Reihen. Ex-Wacker-Torjäger und -Wattens-Stütze Marcel Schreter soll in seiner Heimatgemeinde wieder zum „Schret-Tor“ werden. „Er hat offensiv alle Freiheiten“, weiß Platzer. Und in seiner Rolle als Co-Trainer sei Schreter sowieso Gold wert. „Er ist ein kumpelhafter Typ und hilft den Jungen. Es macht viel Spaß mit ihm.“
Die Aufsteiger: Die zwei neuen Teams in Tirols höchster Amateurliga könnten unterschiedlicher nicht sein: Während Ebbs – die Unterländer spielten zuletzt in der Saison 2004/05 in der Tiroler Liga – großteils auf Eigenbauspieler setzt, konnte der FC Zirl schon in der Landesliga auf einen exquisiten Kader zurückblicken.
Während es für Ebbs also in erster Linie um den Klassenerhalt geht („Das wird sicher eine große Herausforderung für uns“, weiß Coach Gerhard Pichler), will Zirl deutlich mehr. „Wir können vorne mitspielen“, ist sich Mittelfeldspieler Dominique Nussbaum sicher.
Für andere Teams könnte es hingegen in erster Linie gegen den Abstieg gehen: Aleks Matic wird seine Mötzer wieder zu „Gladiatoren“ machen wollen – auch Kundl und Völs gelten als Kandidaten.