BAWAG hat Einkaufsliste - London-Geschäft könnte schwieriger werden
Wien (APA) - Die BAWAG PSK hat ihre historischen Bilanzbereinigungen erledigt, erklärt der Vorstand. Außerplanmäßige Abschreibungen gebe es ...
Wien (APA) - Die BAWAG PSK hat ihre historischen Bilanzbereinigungen erledigt, erklärt der Vorstand. Außerplanmäßige Abschreibungen gebe es nicht mehr. Zukäufe werden geprüft, im Filialnetz wird aber rationalisiert. Beim letzten EU-Stresstest habe die Bank besser als das Europa-Mittel abgeschnitten, wird betont. Ein EU-Ausstieg der Briten kann indes die Geschäftspläne für Großbritannien ändern.
Bisher habe das „Brexit“-Votum keine Spuren im Geschäft der erst vor zwei Jahren gegründeten Niederlassung in London hinterlassen. „Momentan sehen wir keine Auswirkungen. Derzeit schauen wir uns an, welchen Einfluss ein Brexit haben kann. Bis jetzt herrscht Business as usual“, erklärten die BAWAG-Chefs unter Führung von CEO Byron Haynes am Mittwoch zur Halbjahrespressekonferenz. Über London ist die BAWAG im Kreditgeschäft mit internationalen Kunden aktiv. Hauptaktionär der Bank ist der US-Fonds Cerberus.
Wie und ob ausländische Finanzinstitute am Finanzplatz London nach einem Brexit ihre Dienste reibungslos weiter anbieten können („Passporting-Rechte“), wird vom Ausgang der EU-Austrittsverhandlungen abhängen. Im Zweifelsfall könnte die BAWAG ihre London-Niederlassung beispielsweise nach Frankfurt verlegen.
Für eine Expansion nach Großbritannien indes, wie sie für die Onlinebank Easybank angestrebt ist, kann es komplizierter werden - wenn dafür eine eigene Banklizenz beantragt werden müsste. Heuer will die BAWAG mit der Easybank aber auf jeden Fall in Deutschland starten. Neben organischem Wachstum ist die BAWAG für ihr Retailgeschäft an Zukäufen interessiert, in Österreich wie auch im Ausland, vornehmlich Deutschland. Ausreichende Kapitalpuffer seien dafür vorhanden, so Bankchef Haynes. Was konkret auf der Einkaufsliste steht, sagte er nicht. Man prüfe alle Kaufgelegenheiten, soweit sie wirtschaftlich seien.
Die Easybank bildet mit dem Leasing in der Bank in Wien mittlerweile die „Easygroup“. Eine neue „strategische Partnerschaft“ in Österreich hat sie heuer im Juli mit der Online-Kfz-Handelsplattform „Autogott“ geschlossen. Haynes kündigte weitere Investitionen in den Ausbau der Selbstbedienung und Digitalisierung an. „Optimiert“ werde hingegen das Filialnetz. Derzeit unterhält die Bank 466 Filialen. Dass diese Rationalisierung kolportierte 200 Jobs kosten soll, wurde nicht kommentiert.
Seit Ende 2011 wurden rund 250 Mio. Euro in den bis 2017 laufenden Sozialplan investiert. Haynes will sich nicht auf Mitarbeiterzielgrößen einlassen. Ein Effizienzprogramm habe „keinen Anfang und kein Ende.“ Effizienzsteigerungen seien in der gesamten Organisation ein Thema.
Beim letzten Stresstest hat die Bank nach eigenen Angaben über dem Schnitt der europäischen Banken abgeschnitten. Im härtesten Stress-Szenario wäre die harte Kapitalquote auf 9,7 Prozent gefallen. Haynes sagte, dass damit ein weiterer externer Befund zur Kapitalstärke der Bank vorliege. Ende des ersten Halbjahres lag die Quote bei 15,1 Prozent.
Nach einem Testlauf in einigen wenigen Wiener Filialen wird das Konzept eines Kontos, das keine Zinsen, sondern nur fixe Entgelte kennt, mittlerweile flächendeckend ausgerollt. Das Kontopaket war als „Islamic Banking“ im Gespräch, die Bank betont, dass es allen Kunden offen steht und gut angenommen werde. Haynes hält die muslimische Gemeinschaft in Österreich mit Bankdiensten für unterversorgt.
~ WEB http://www.bawagpsk.com ~ APA282 2016-08-10/12:29