Spitalärzteobmann für Systemwechsel: „So laufen wir gegen die Wand“
Wien (APA) - Spitalärzteobmann Harald Mayer hat sich am Mittwoch in Wien vehement für einen Paradigmenwechsel in seinem Berufsbild ausgespro...
Wien (APA) - Spitalärzteobmann Harald Mayer hat sich am Mittwoch in Wien vehement für einen Paradigmenwechsel in seinem Berufsbild ausgesprochen. In Summe müsse der Arztberuf attraktiver und Patientenversorgung verbessert werden. „Ich erwarte von der Politik zumindest Signale, sich damit auseinanderzusetzen, wie das System in Zukunft funktionieren kann. So laufen wir gegen die Wand“, warnte Mayer.
Man lebe noch immer im Gedankenbild der Ärzteschwemme. Tatsächlich kämpfe man mit zu viel Administration, Arbeitszeitverdichtung und Abwanderung von Jungärzten ins Ausland, so der Ärztekammer-Vizepräsident Mayer weiter.
Vor einem Monat startete die Ärztekammer eine Kampagne zur Entbürokratisierung der Spitäler. „Wir verwenden im Schnitt 40 Prozent unserer Arbeitszeit für Dokumentation“, unterstrich Mayer noch einmal die Notwendigkeit, denn bei 60 Stunden Arbeitszeit blieben so nur 36 Stunden Zeit für die Patienten. Zudem gelte seit Jänner 2015 auch die Umsetzung des Krankenanstalten-Arbeitszeitgesetzes (KA-AZG), wodurch Spitalsärzte seither nur noch 48 Stunden pro Woche arbeiten dürfen, wenn sie sich nicht freiwillig zu mehr Stunden verpflichten. Es sei daher zumindest notwendig, die Dokumentationsaufgaben zu halbieren. „Die Möglichkeiten sind da, man braucht aber Willen und Geld“, stellte der Obmann fest. Für die Spitalsärzte gelte: „Keiner ist glücklich, wenn er im Kammerl sitzt und sich durch Papier- und Elektronik-Massen wühlen muss. Wenn wir mehr Zeit für Patienten haben, sind diese auch zufriedener.“
Ebenfalls die Patienten betreffend, müsste man sich mit neuen Modellen der Versorgung auseinandersetzen: „Es wird langfristig nicht gehen, dass ein Krankenhaus rund um die Uhr aufgesucht werden kann“, so Mayer. Er diagnostizierte der Sozialversicherung ein Versagen, weil die niederschwellige Versorgung der Patienten nicht gewährleistet sei. Der Selbstzuweisung der Patienten in Ambulanzen müsse aber begegnet werden: Mit der „Ressource Arzt“ müsse man sorgfältiger umgehen, damit diese „nicht für Banalitäten im Ambulanzbereich ausgelaugt wird.“
Um eine gute Versorgung in der Zukunft zu gewährleisten, werde auch die Sozialversicherung ihre Aufgaben wahrnehmen müssen, sagte Mayer. Für die niedergelassenen Ärzte gelte nämlich, dass diese durch das gedeckelte System bei der Bezahlung einen endend wollenden Wunsch nach mehr Patienten verspüren würden, wodurch die Ambulanzen zusätzlich zum Lückenbüßer für den so entstehenden Versorgungsmangel werden.“Man wird etwas ändern müssen, sonst verlassen die jungen Ärzte unser Land“, warnte Mayer. Allein in Deutschland könnten 40.000 Ärzte aufgenommen werden und Abwanderung gebe es bereits.
Um die Attraktivität für junge Ärzte zu erhöhen, bräuchten diese zudem mehr Verantwortung. „Man ist mit 24 Jahren mit dem Studium fertig, mit 30 oder 31 Jahren dann Facharzt. Wenn man dann keine Leitungsfunktion hat, bleibt man sein Berufsleben lang ein weisungsgebundener Angestellter.“ Die besten Ärzte würden die Position eines Primararztes anstreben, wenn sie viel Geld verdienen wollen, denn das System lässt nicht zu, dass auch Fachärzte dies können. „Wenn die besten Ärzte jedoch Führungspositionen anvisieren müssen, dann werden sie ihre medizinische Kompetenz auch gegen Administrationstätigkeiten tauschen“, schloss Mayer. Das seien dann Ressourcen, die dem Patienten vorenthalten werden, „wenn die besten Ärzte Abteilungsleiter sind“.
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