Bezirk Reutte

Land kippt Abstimmungen des TVB Zugspitzarena

© Müller Ulrike

Nach der Niederlage von Zugspitzarena-Obmann Michael Fasser in Sachen Regionsbürostandort ließ dieser die Dauer-Rechtswidrigkeit aller Vorstandsabstimmungen prüfen – und hat nun das Land auf seiner Seite.

Von Helmut Mittermayr

Ehrwald, Lermoos –Diese Nachricht ändert im Tourismusverband Zugspitzarena alles. Eine seit der Gründung vor zwölf Jahren praktizierte Übung ist ungesetzlich und muss eingestellt werden. Das sagt Gerhard Föger, Vorstand der Tourismusabteilung des Landes. Bisher waren im TVB-Vorstand drei Vorstände plus Kooptierte aus jeder der sieben Gemeinden stimmberechtigt. Dieser Modus war als Interessensausgleich ausdrücklich im Fusionsvertrag 2004 festgehalten worden. Ab sofort haben im Vorstand nur noch der Obmann und seine zwei Stellvertreter, wie in Tirol durch das Tourismusgesetz geregelt, ein Stimmrecht. Die Kooptierten dürfen reden, mehr aber nicht.

Brisant sind Anlass und Zeitpunkt der Rechtsauskunft: TVB-Obmann Michael Fasser war im Vorstand mit seinem Vorschlag zur Situierung eines neuen Regionsbüros in Lermoos statt Ehrwald in einer Kampfabstimmung mit sechs zu eins untergegangen (die TT berichtete). Erstmals in der Verbandsgeschichte wurde daraufhin der juristische Joker mit dem Tourismusgesetz ins Spiel gebracht. Und er stach.

Die Vorgeschichte: Die Zugspitzarena ist schon länger auf der Suche nach einem neuen Regionsbürostandort, weil die Kapazitäten im auf halber Strecke zwischen Ehrwald und Lermoos gelegenen Golfino nicht mehr ausreichen. Über zwei Standorte wurde abgestimmt. Eine Seite vertraten die beiden Lermooser TVB-Obmann Fasser und Obmann-Stellvertreter Ernst Mayer. Der Großhotelier Mayer hoffte, an der Lermooser Hauptstraße ein von ihm erst zu errichtendes Gebäude an den TVB langfristig vermieten zu können. TVB-Chef Fasser würde dort auch mit seiner Skischule einziehen. Die Gegenseite brachte einen Standort neben der Kletterhalle Ehrwald ins Gespräch (unter anderem gebe es dort auch keinen persönlichen wirtschaftlichen Vorteil für einen aktiven Funktionär, wurde argumentiert). Und gewann klar die Abstimmungsschlacht – aber nicht den Krieg, wie es nun scheint.

Obmann Michael Fasser wäscht seine Hände in Unschuld: „Ich habe mich erst um Auskunft an das Land Tirol gewandt, als mich zwei TVB-Aufsichtsräte auf die unhaltbare rechtliche Situation aufmerksam gemacht haben.“ Fasser räumt ein, dass die Optik nicht ideal erscheine, sei der Hinweis der beiden Lermooser Aufsichtsräte, unter ihnen Bürgermeister Stefan Lagg, doch erst nach der „Lermooser“ Abstimmungsniederlage gekommen. „Aber es hilft nichts, da müssen wir jetzt durch. Das Problem der abstimmenden Kooptierten im Vorstand war bekannt und wurde schon länger durchaus kritisch gesehen“, sagt Lagg. Er habe nun jedenfalls einen unabhängigen Architekten, den er persönlich nicht einmal kenne und nur empfohlen bekomme habe, beauftragt, sich der Sache anzunehmen. Der Fachmann würde nun alle Vorschläge gewichten und Vorschläge unterbreiten. Da die Summe von 80.000 Euro in jedem Fall überschritten werde, sei auch der Aufsichtsrat damit zu befassen.

In der Abstimmung vor drei Wochen hatten sich die beiden Obmannstellvertreter Franz Dengg und Ernst Mayer (befangen) enthalten. Nach neuer Rechtslage wäre der Lermooser Standort daher allein mit der Stimme Fassers beschlossen, da die Kooptiertenstimmen ungültig waren. Fasser macht sowieso kein Hehl daraus, dass er weiter den (von den Kooptierten niedergestimmten) Lermooser Standort favorisiert: „In Ehrwald hätten wir mit dem Kauf neue Infrastruktur angeschafft. Aber genau das will niemand mehr. In Lermoos wären wir nur in Miete und nicht einmal für die Schneeräumung zuständig.“

Tirols Tourismuschef Gerhard Föger hat in einem ausführlichen Schreiben an den TVB die Lage erläutert und für die TT-Leser auch kurzgefasst: Kooptierungen in die Verbandsgremien sind möglich, jedoch ohne Stimmrecht der Kooptierten; Fusionsvereinbarungen sind nur insoweit anzuwenden, als sie nicht in Widerspruch zum Tiroler Tourismusgesetz stehen; die Frage der Situierung und Finanzierung einer neuen Regionszentrale bedarf einer seriösen und umfassenden Aufbereitung; die Tourismusabteilung plädiert für korrespondierende Beschlussfassungen von Vorstand und Aufsichtsrat in der Bürofrage.

Gerhard Föger weiter: „Ich bin mir im Klaren, dass die erforderliche Abkehr von bisherigen Usancen – nämlich kooptierten Personen im Vorstand ein Stimmrecht einzuräumen – das Innenleben des Tourismusverbandes Tiroler Zugspitzarena strapazieren, jedoch zu einer zukünftig rechtskonformen Vorgehensweise führen wird, wie sie auch die übrigen Tourismusverbände im Lande praktizieren. Die durchaus gute Performance des TVB in den Jahren seit der Fusion sollte Ansporn genug sein, die aufgetretenen Verstimmungen auszuräumen und die Energien auf ein konstruktives Miteinander zu fokussieren.“