Islamistenmilizen gegen 40.000 Mann der syrischen Regierungstruppen

Damaskus/Aleppo (APA/AFP) - In Erwartung der entscheidenden Schlacht um Aleppo haben die syrischen Regierungstruppen ebenso wie die Rebellen...

Damaskus/Aleppo (APA/AFP) - In Erwartung der entscheidenden Schlacht um Aleppo haben die syrischen Regierungstruppen ebenso wie die Rebellen weitere Kämpfer und Waffen in der einstigen Wirtschaftsmetropole zusammengezogen.

Machthaber Bashar al-Assad verfügt offenbar über vier Mal so viele Kämpfer in der nordsyrischen Großstadt wie die Aufständischen, doch gilt die Kampfkraft beider Seiten als vergleichbar, auch weil der Durchhaltewille vieler syrischer Soldaten als schwach gilt. Ein rascher Sieg einer Seite wird daher nicht erwartet. Hier ein Überblick über die Zusammensetzung und Stärke der beiden Konfliktparteien:

DIE REBELLEN:

Die wichtigste Gruppierung der Rebellen in Aleppo ist Jaish al-Fatah (Armee der Eroberung), der es 2015 gelungen war, die nordwestliche Provinz Idlib unter ihre Kontrolle zu bringen. Das islamistische Bündnis besteht aus mehreren Dutzend Jihadisten- und Rebellengruppen, die von Saudi-Arabien, Katar und der Türkei mit Geld und Waffen unterstützt werden. Die größten Gruppen sind die Jabhat Fatah al-Sham (Eroberungsfront der Levante) , die bis zu ihrer Abspaltung vom Terrornetzwerk Al-Kaida Al-Nusra-Front hieß, und die islamistische Miliz Ahrar al-Sham (Freie Männer der Levante).

Nach Einschätzung von Militärexperten verfügt Jaish al-Fatah über 30.000 bis 40.000 Kämpfer, die zumeist gut ausgebildet und motiviert sind. Davon sollen 10.000 Mann in Aleppo im Einsatz sein, darunter mehrere tausend Jihadisten aus dem Ausland. Sie verfügen über Panzer, Artillerie und Truppentransporter, die sie zumeist von der Armee erbeutet haben, aber auch moderne Panzerabwehrraketen aus US-Produktion. Ihre effizienteste Waffe sind aber Autobomben und Selbstmordattentäter.

Die Rebellen kontrollieren in Aleppo seit dem Sommer 2012 mehrere Viertel im Osten, in denen nach verschiedenen Schätzungen noch 250.000 bis 275.000 Menschen leben. Die Regierungstruppen hatten Mitte Juli den Belagerungsring um die Viertel der Rebellen geschlossen, doch gelang es diesen kürzlich, das Viertel Ramussa zurückzuerobern und damit die Belagerung zu durchbrechen. Die jüngsten Kämpfe haben zum Ausfall der Strom- und Wasserversorgung geführt, auch die Nahrungsmittelversorgung bleibt schwierig.

DIE REGIERUNGSTRUPPEN:

Auf der Seite der Regierung kämpfen neben den regulären Soldaten der Armee auch syrische Milizen sowie Kämpfer aus dem Iran, dem Irak und von der libanesischen Hisbollah-Miliz. Sie werden von russischen Kampfflugzeugen unterstützt. Laut der gewöhnlich gut informierten regierungsnahen Nachrichtenseite Almasdarnews verfügen die Regierungstruppen in Aleppo über 30.000 bis 40.000 Kämpfer mit mindestens hundert Panzern und 400 Truppentransportern. Neben kampferprobten Einheiten sind darunter allerdings auch Wehrpflichtige, die wenig motiviert sind.

Die Speerspitze der Regierung sind laut dem Nachrichtenportal die mehreren tausend Mann starken Kampftruppen von Oberst Suheil Hassan, genannt „Der Tiger“. Hinzu kommen Einheiten der syrischen Republikanischen Garde, der Spezialkräfte und die Eliteeinheit Al-Radwan der Hisbollah. Ihre Feuerkraft ist deutlich höher als jene der Rebellen, wobei ihr größter Vorteil die syrische Luftwaffe sowie die russischen Kampfflugzeuge sind, die gezielte Angriffe auf die Stellungen der Aufständischen fliegen können.

In der einstigen Handelsmetropole kontrollieren die Regierungstruppen den Westteil der Stadt, in dem zwischen 1,2 und 1,5 Millionen Menschen leben. Zwar hält die Armee weiter eine Versorgungsroute im Norden offen, doch ist die humanitäre Lage der Bevölkerung in den Vierteln unter Kontrolle der Regierung ähnlich prekär wie im Ostteil. Sie leidet außer unter Wasser- und Stromausfällen auch unter Engpässen bei Nahrungsmitteln und Medikamenten.