Schweizer Raiffeisenbanken machten im ersten Halbjahr weniger Gewinn

St. Gallen (APA/sda) - Die Schweizer Raiffeisen-Bankengruppe hat im ersten Halbjahr 2016 weniger Gewinn gemacht. Unter dem Strich blieben no...

St. Gallen (APA/sda) - Die Schweizer Raiffeisen-Bankengruppe hat im ersten Halbjahr 2016 weniger Gewinn gemacht. Unter dem Strich blieben noch 367 Mio. Franken (336,7 Mio. Euro), um rund 7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Der Schweizer Raiffeisen-Chef Patrik Gisel nannte am Mittwoch zwei Gründe für den Gewinnrückgang: Einerseits drückten die volatilen Märkte auf das Handelsgeschäft, dessen Ertrag um 12,5 Prozent einbrach; anderseits investierte Raiffeisen in den Ausbau der digitalen Kanäle, wodurch sich der Geschäftsaufwand erhöhte.

Angesichts der Umstände zeigte sich Gisel mit dem Ergebnis „sehr zufrieden“. Obwohl der Brexit-Entscheid die bereits tiefen Zinsen weiter erodieren ließ, konnte Raiffeisen in der Schweiz im Kerngeschäft zulegen. Der Zuwachs im Zinsengeschäft betrug 1,5 Prozent.

Das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft brachte gegenüber der Vorjahresperiode 3,1 Prozent mehr ein. Der Geschäftsertrag insgesamt blieb mit 1,52 Mrd. Franken praktisch unverändert.

Im Hypothekargeschäft, dem wichtigsten Ertragspfeiler, wuchs Raiffeisen Schweiz um 2,2 Prozent und steigerte seinen Marktanteil von 16,9 auf 17,1 Prozent. Vor allem in den Städten und Gebieten, in denen die Bankengruppe traditionell nicht so stark verwurzelt ist, wurden die Wachstumsziele im Zinsengeschäft übertroffen.

Die verwalteten Kundenvermögen beliefen sich per 30. Juni auf 211,7 Mrd. Franken, was einen Anstieg um 1,4 Prozent bedeutet. Als noch nicht befriedigend bezeichnete Gisel das Ergebnis der Notenstein La Roche Privatbank. Raiffeisen wolle aber weiter in die Private-Banking-Sparte investieren.

Die neu eingeführten Online-Hypotheken ergaben laut dem Schweizer Raiffeisen-Chef in den ersten drei Monaten „noch nicht wahnsinnige Aktivitäten“. Das Angebot habe aber großes Zukunftspotenzial.

Beim Ausblick zeigte sich Gisel zurückhaltend. Er gehe nicht davon aus, dass das Rekordergebnis von 2015 wiederholt werden könne. Auch könnte das langfristige Zinsniveau nochmals sinken, wodurch sich der Druck auf die Zinsmarge weiter verstärken würde. Das zweite Semester habe „ertragsmäßig interessant“ begonnen, sagte er jedoch.

Sorgen bereitet der Raiffeisen Schweiz derzeit aber nicht nur das Niedrigzinsumfeld. Als systemrelevante Bank muss sie besondere regulatorische Anforderungen erfüllen. Das bedeutet zusätzliche Aufwände und Kosten.

Gegenüber Radio SRF bezeichnete Gisel die Systemrelevanz am Mittwoch denn auch als „zweischneidiges Schwert“. Es sei zwar überhaupt keine Frage, dass Risikokontrollen wichtig seien. Doch im Wettbewerb würde dies auch Nachteile bedeuten.

Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma macht laut Gisel mit ihren für 2017 vorgesehenen Regeln teilweise zu enge Vorgaben. Der Risikomanager (CRO) muss beispielsweise in der Geschäftsleitung sitzen. Das geht Gisel zu weit. „Die Art und Weise wie das wahrgenommen wird in den Banken sollte den Banken überlassen werden“, sagte er. Bei Raiffeisen Schweiz ist der Risikomanager dem Finanzchef unterstellt.

Auch sollten laut Gisel für die fünf systemrelevanten Banken der Schweiz - neben Raiffeisen sind das die Zürcher Kantonalbank (ZKB), die Postfinance sowie die beiden Großbanken UBS und CS - Unterschiede bei der Organisation möglich sein, denn die Banken seien sehr unterschiedlich aufgestellt.

Die Schweizer Raiffeisen-Gruppe wurde im August 2014 von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) als systemrelevant eingestuft. Als systemrelevant gelten laut Schweizer Bankengesetz Finanzinstitute, deren Ausfall die Schweizer Volkswirtschaft und das schweizerische Finanzsystem erheblich schädigen würde.